Der Verband für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH) fordert bessere Rahmenbedingungen für den Einsatz von Future Fuels im Wärmemarkt. Wer heute Heizöl nutze, solle zukünftig auch auf grünes Heizöl setzen können, sagte Verbandsgeschäftsführer Hans-Jürgen Funke bei einer digitalen Pressekonferenz.
Die Future Fuels werden mithilfe erneuerbaren Stroms produziert und können in modernen Heizungsanlagen, die etwa neben Solarenergie auch Ölbrennwerttechnik nutzen, eingesetzt werden, erläuterte Funke. „Das ist eine gute Option für Eigenheimbesitzer, die ihr Haus nicht ausreichend dämmen oder anderweitig sanieren können, um andere Heizsysteme sinnvoll einzusetzen.“
Beim GEG nachbessern
Future Fuels sind nach Überzeugung des VEH wichtig, um die Energiewende sozialverträglich zu gestalten. „All electric“ werde weder bei der Mobilität noch im Wärmesektor funktionieren, da der dazu nötige Grünstrom nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehe. Die Politik müsse nun zügig die Weichen für einen Markthochlauf stellen, fordert der VEH. Dazu gehöre unter anderem die Anerkennung von grünem Heizöl bzw. Future Fuels als klimaneutraler Energieträger im Sinne des Gebäudeenergiegesetzes (GEG).
Mit Blick auf das GEG wünscht sich Funke zudem eine bessere Kommunikation. Es sei von verschiedener Seite so interpretiert worden, dass es in Deutschland ein generelles Ölheizungsverbot gebe. „Dadurch wurden viele Kunden verunsichert“, beklagt der Verbandschef. Ölheizungen seien aber keineswegs Auslaufmodelle. Investitionen in moderne Heiztechnik würden durch solche „Falschmeldungen“ verhindert, ärgert sich Funke.
Hybridheizung als Lösung
Ölheizungsbetreiber sollten daher darüber nachdenken, ihre alte Heizung durch Ölbrennwerttechnik zu ersetzen und erneuerbare Energiequellen wie Solarthermie einzubinden. Die Installation solcher Hybridheizungen sei auch mit dem neuen Gebäudeenergiegesetz nach 2025 zulässig, so Funke. „Heizsysteme mit flüssigen grünen Brennstoffen können fossile Energieträger ersetzen und schließen so eine Technologielücke auf dem Weg zur Klimaneutralität“, so Funke.
Aber hat der Einbau einer neuen, modernen Ölheizung mit Blick auf die CO2-Bepreisung wirtschaftlich überhaupt Sinn für einen Hauseigentümer? Wie sich die Preise entwickeln werden, sei unklar, sagt der VEH. Die CO2-Komponente mache Heizöl zwar teurer. Aber je stärker sich die Großindustrie von fossilen Energieträgern verabschiede, desto stärker könnten die Ölpreise fallen. Zudem müsse man damit rechnen, dass im Zuge des Ausstiegs aus den Fossilen „grüne“ Energieträger teurer werden.
Bürger motivieren statt gängeln
Der Annahme der Politik, über den CO2-Preis eine Lenkungswirkung zu erzielen, erteilte der Verbandschef eine klare Absage. Insbesondere im ländlichen Raum gebe es oft keine Alternative zur Ölheizung. Man solle die Bürger nicht belasten oder durch Verbote gängeln, sondern mit Anreizen arbeiten und sie befähigen.
Die Bundesregierung solle treibgasreduzierte flüssige Energieträger als Erfüllungsoption für das GEG ansehen, so Funke. Zudem solle die Politik gasförmige und flüssige Energieträger gleichstellen – etwa bei der Fördermöglichkeit. Gelinge der Markthochlauf, sei es möglich, fossiles Heizöl nach und nach durch die grüne Variante zu ersetzen.
Steigende Nachfrage erwartet
Der Verband äußerte sich auch zum Heizölabsatz. Im ersten Halbjahr 2021 wurden im Vergleich zum absatzstarken Vorjahreszeitraum nur etwa die Hälfte, also gut vier Millionen Tonnen Heizöl in Deutschland verkauft. Die Energiehändler erwarten zu Beginn der Heizsaison in der zweiten Jahreshälfte mehr Nachfrage. Momentan kostet Heizöl im Bundesdurchschnitt rund 72 bis 74 Cent je Liter bei einer 3000 Liter-Order. (amo)



