Hamburg Energie nutzt zur Stromerzeugung unter anderem Photovoltaik und Abwärmetechnologie.

Hamburg Energie nutzt zur Stromerzeugung unter anderem Photovoltaik und Abwärmetechnologie.

Bild: © Hamburger Energiewerke/Böthling

Der Stadtteil Wilhelmsburg im Herzen Hamburgs wird seit gut zehn Jahren sukzessive mit erneuerbarer Wärme erschlossen. Nun sollen Solarthermie, Windkraft, Biomasse und KWK um eine Geothermie-Anlage samt Aquifer- und Pufferspeicher ergänzt werden. Mit diesem Projekt hat sich Hamburg Energie gemeinsam mit fünf anderen Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft am Ideenwettbewerb des BMWi „Reallabore der Energiewende“ 2019 beworben und durchgesetzt.

Derzeit stecke die „Integrierte Wärmewende Wilhelmsburg“ (IW3“ – so der offizielle Name des Vorhabens – in der Planungs- und Genehmigungsphase, so Michael Prinz, Geschäftsführer von Hamburg Energie bei einer Online-Pressekonferenz zum aktuellen Projektstand. Bereits Mitte des Jahres soll dann gebohrt werden. Wenn alles klappt, soll die Geothermie samt Wärmenetz bis spätestens Anfang 2024 in Betrieb genommen werden.

5000 neue Wohneinheiten sollen angeschlossen werden

Dann werden gleich drei neue Stadtquartiere, das Spreehafenviertel, das Wilhelmsburger Rathausviertel und das Elbinselquartier mit 5000 neuen Wohneinheiten und mehreren Gewerbeflächen mit der Tiefenwärme versorgt. Zudem sollen auch die umliegenden Bestandswohngebäude an das Nahwärmenetz angeschlossen werden. Perspektivisch könnten so mehr als 20.000 Menschen klimafreundlich heizen.

Dabei erwartet Hamburg Energie in 3,5 Kilometern Tiefe ein Wärmepotenzial von zehn bis 14 MW. Eine potenzielle Mehrleistung könnte zur Stromerzeugung genutzt werden. Hamburg ist nicht die erste deutsche Stadt die auf Geothermie setzt, vor allem München ist bekannt für seine Erdwärmenutzung. 2020 ging dort das bislang größte geothermische Kraftwerk mit 50 MW ans Fernwärmenetz und sorgt seither bei etwa 80.000 Menschen für warme Füße.

Speicherergänzung derzeit einmalig

Hamburg wartet jedoch mit einer speziellen Innovation auf und plant die Versorgung mit einem Aquiferspeicher zu optimieren. Er soll Spitzenlastzeiten im Winter abdecken. Hierfür wird in 200 bis 400 Metern Tiefe zunächst salzhaltiges Grundwasser entnommen, auf etwa 85 Grad erhitzt, anschließend wird das Wasser im Grundwasserleiter gespeichert und bei Bedarf wieder hochgepumpt. Ein weiterer Pufferspeicher soll mit 100 Kubikmetern wiederum zum kurzfristigen Ausgleich von Wärmeangebot- und nachfrage dienen. Eine solche Kombination ist laut Hamburg Energie bisher einmalig.

Das Gesamtkonzept soll anderen Städten als Blaupause dienen, erklärt Prinz. Wilhelmsburg habe immerhin mit über 50.000 Einwohnern die Größe einer Kleinstadt. Auf Wissenstransfer setzt auch das BMWi, das das Projekt mit knapp 23 Mio. Euro fördert. Von den sechs Projektpartnern werden insgesamt noch über 70 Mio. Euro investiert.

Herkunftsnachweise für Wärme?

Ist das Nahwärmenetz einmal in Betrieb, sollen Kunden möglichst viel Transparenz über ihre Energieversorgung bekommen. Über einen digitalen Marktplatz können sie ihren Wärmemix selbst zusammenstellen. Was beim Stromtarif heute schon gang und gäbe ist, ist im Wärmemarkt ein Novum. Wie genau das Angebot umgesetzt werden soll, ist ebenfalls Teil des Reallabors. (lm)

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