In den kommenden zehn Jahren plant Enercity den Anschluss von insgesamt rund 60.000 Wohnungen und Gewerbeeinheiten ans Fernwärmenetz.

In den kommenden zehn Jahren plant Enercity den Anschluss von insgesamt rund 60.000 Wohnungen und Gewerbeeinheiten ans Fernwärmenetz.

Bild: © Enercity

Die Stadt Hannover plant für bestimmte Bezirke eine Fernwärmepflicht. Die geplante Satzung soll Anfang kommenden Jahres in Kraft treten. Vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine und der Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen erfährt das Thema Fernwärme jetzt einen zusätzlichen Schub. So erhält der Versorger Enercity vermehrt Anfragen, ob Haushalte und Betriebe nicht schneller an das Fernwärmenetz angeschlossen werden könnten.

„Wir haben jetzt die unerwartete Situation, dass Bürger, die nicht im vorgesehenen Satzungsgebiet wohnen, unbedingt auch einen Anschluss haben wollen“, erklärte jüngst Enercity-Finanzvorstand Marc Hansmann mit einem Schmunzeln bei der Bilanzpressekonferenz. Zusätzlich zu den vorgesehenen Quartieren signalisierten zudem weitere Bezirke in der niedersächsischen Landeshauptstadt ein konkretes Interesse, dass die neue Regelung auch in ihrem Einzugsbereich Gültigkeit hat. 

In den kommenden zehn Jahren plant Enercity den Anschluss von insgesamt rund 60.000 Wohnungen und Gewerbeeinheiten ans Fernwärmenetz. Der jährliche Ausbau hängt im Wesentlichen davon ab, wie viele Kundinnen und Kunden sich in diesem Zeitraum für einen Fernwärmeanschluss entscheiden und wie alt das jeweilige Heizungssystem im Gebäude ist.

Satzung soll den Fernwärmeausbau beschleunigen

Die geplante Fernwärmesatzung beinhaltet  für bestimmte Stadtgebiete eine Nutzungspflicht von Fernwärme für das Heizen, für die Aufbereitung von Warmwasser sowie für die Prozesswärme von Betrieben. Die Einführung der Satzung soll den Ersatz von Heizsystemen mit fossilen Brennstoffen durch den Ausbau der Fernwärme beschleunigen. Insgesamt sollen neun Stadtbezirke von der Verdichtung des Wärmenetzes durch Enercity profitieren. Die niedersächsische Landeshauptstadt will bis 2035 klimaneutral werden.

Der Fernwärmeausbau ist in Quartieren mit dichter Bebauung geplant. Die Gebiete haben die Stadtverwaltung und Enercity nach eigenen Angaben nach festgelegten Kriterien ausgewählt. Eine hohe Wärmeabnahme, die Nähe zum Fernwärmenetz sowie die Siedlungsstruktur sind dabei entscheidend. Ziel ist es, mit den verfügbaren Mitteln möglichst vielen Bewohner*innen und Betrieben eine Versorgung mit Fernwärme zu ermöglichen. Langfristiges Ziel der Maßnahme ist auch der Rückbau von Gasleitungen.

Ökologisch gleichwertige Systeme sind von der Anschlusspflicht befreit

Im Satzungsgebiet gelten Anschluss- und Benutzungsrechte sowie Pflichten zum Anschluss und zur Nutzung der Fernwärmeversorgung. Durch den Wechsel zur grünen Fernwärme sollen die fossilen Energieträger Heizöl und Erdgas schrittweise abgelöst werden. Bestehende, beauftragte und genehmigte Heizungen sind mit Antragstellung bei der Landeshauptstadt Hannover zunächst befreit. Die Anschluss- und Benutzungspflicht greift erst bei wesentlichen Änderungen der Anlagen, beispielsweise wenn der Kessel erneuert werden muss.

Darüber hinaus sollen ökologisch gleichwertige Systeme, kleine Wärmeleistungen, Abwärmenutzung sowie unzumutbare Härte als mögliche Befreiungsgründe anerkannt werden.

Die vorgeschlagene Fernwärmesatzung wird aktuell noch in einzelnen Stadtbezirken beraten und nach Ratsbeschluss im Idealfall zum ersten Januar 2023 umgesetzt werden. In Hannover hat die Fernwärme bei der Wärmeversorgung derzeit einen Anteil von etwa 23,5 Prozent. Davon werden aktuell mehr als 90 Prozent durch Kraft-Wärme-Kopplung und die Abwärme der Müllverbrennungsanlage Lahe erzeugt. Enercity hat sich zum Ziel gesetzt, die Wärmeerzeugung möglichst bis 2026, spätestens bis 2030 zu 75 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen zu produzieren. (hoe)

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