Green Deal, Gebäudeenergiegesetz, EEG-Novelle, CO2-Preis: Mit einer Vielzahl an Gesetzesänderungen und Initiativen wollen EU und die Bundesregierung die Klimaziele auch im Gebäudebereich bis 2030 respektive 2050 erreichen. „Dadurch wurden der Wohnungswirtschaft viele gute Handlungsmöglichkeiten in die Hand gelegt. Ich fürchte künftig geht es weiter mit Daumenschrauben“, prognostizierte Ingrid Vogler, Leiterin Technik und Energie beim Bundesverband der Wohnungs- und Energiewirtschaft.
Mit ihrer Keynote-Speech eröffnete sie am Mittwoch (24. Februar) den Online-Kongress „Wohnungswirtschaft 4.0 und Klimawandel“. Veranstaltet wurde dieser vom Verein Green with IT Berlin-Brandenburg.
Trotz Sanierungen bleibt Verbrauch konstant
Laut Vogler erschweren es aktuell zwei strukturelle Probleme, weitere Fortschritte bei der Klimabilanz der Branche zu erzielen. Seit rund zehn Jahren bewegten sich die Energieverbräuche in der Wohnungswirtschaft auf einem nahezu konstanten Niveau. Und das, obwohl sie durch Sanierungen und Neubauten eigentlich sinken müssten. „Das hängt damit zusammen, dass in vielen Gebäuden der Verbrauch aufgrund des Nutzerverhaltens sogar leicht steigt“, erklärte Vogler.
Zudem stünden überproportional hohen, neuen Energieeffizienz-Standards oft unterproportionale Energieeinsparungen gegenüber. Den Wohnungsunternehmen rät sie deshalb unter anderem auf einen optimalen Betrieb der Heizungssysteme zu achten.
Eine zentrale Rolle spiele hier aber auch künftig die vermehrte Einbindung erneuerbarer Energien, auch über die Nah- und Fernwärme sowie die vermehrte lokale Nutzung von PV-Anlagen. Grundsätzlich müsse die Branche die Methoden für das CO2-Monitoring weiter ausbauen und optimieren. Die CO2-Minderung und der Anteil regenerativer Energien müssten zentrale Steuerungsgrößen werden.
"Praxis kommt steilen Absenkpfaden nicht hinterher"
Der Druck der Politik auf die Wohnungswirtschaft, hier künftig konkrete Einsparungen vorzuweisen, wachse. „Die Praxis kommt aber den steilen Absenkpfaden der Politik nicht hinterher“, so Vogler.
Sie prognostiziert deshalb künftig einen politischen Streit um die Effizienzanforderungen. „Meine Sorge ist, dass die Anforderungen immer mehr zunehmen und die Wohnungswirtschaft davon immer weniger umsetzen kann“, warnte sie. Letztlich könnten sogar Sanierungspflichten ausgesprochen werden. „Das würde die Wohnungsunternehmen überfordern.“
Die GdW-Vertreterin geht davon aus, dass auch die Debatte um die Gasnutzung in der Wärmeversorgung künftig an Schärfe gewinnen wird. Es gebe bereits Stimmen, die das ab 2025 verbieten wollten. In manchen Gebäuden mit effizienter Versorgung wie etwa einer Wärmepumpe, sei die Gasverwendung für die Spitzenlast aber zwingend notwendig.
Wasserstoff auch im Wärmesektor nutzen
Vogler sprach sich auch dagegen aus, die Wasserstoffnutzung im Wärmesektor kategorisch zu verbieten. Mindestens die Abwärme aus der Wasserstoffnutzung müsse in die Netze fließen. Aber auch lokale Wasserstofferzeugung im Quartier könne in einen Kreislauf gehen, sodass sie beispielsweise gleich in der Kraft-Wärme-Kopplung verwendet werde.
„Schwierigkeiten auf allen Ebenen“ erwartet die Referentin auch durch den neu eingeführten CO2-Preis. Die Pläne zur Überwälzung auf die Vermieter würde den Wohnungsunternehmen genau die benötigten Investitionsmittel nehmen, um die CO2- Emissionen zu senken.
Bei einem Wohnungsunternehmen mit rund 5000 Wohnungen, das ausschließlich mit Gas beheize, entspreche das bereits heute bei einem Preis von 25 Euro pro Tonne CO2 und einer Umlage von 50 Prozent auf den Vermieter acht Prozent des Eigenkapitals für die Sanierung der Wohnungen. Das Thema CO2 sei noch nicht zu Ende gedacht. „Wir wissen noch nicht, wie das wirklich zu sinnvollen energetischen Lösungen führt.“ (hoe)



