Christian Grotholt ist Gründer und CEO der 2G Energy aus dem Münsterland. Seit der Firmengründung 1995 hat sich 2G stark gewandelt und gehört mittlerweile zu den führenden Entwicklern und Produzenten von KWK-Anlagen.

Christian Grotholt ist Gründer und CEO der 2G Energy aus dem Münsterland. Seit der Firmengründung 1995 hat sich 2G stark gewandelt und gehört mittlerweile zu den führenden Entwicklern und Produzenten von KWK-Anlagen.

Bild: © 2G Energy 

2G ist mit der Übernahme des niederländischen Herstellers von Wärmepumpen NRGTEQ in den Wärmepumpenmarkt eingestiegen. Wie genau sieht Ihr Portfolio nun aus?

Mit der Übernahme haben wir unser Portfolio um Großwärmepumpen im thermischen Leistungsbereich zwischen 100 kW und 1.000 kW erweitert. Damit adressieren wir insbesondere unser bestehendes Kundennetzwerk im Bereich der Stadtwerke, in der Industrie sowie in Quartiersversorgungen. Wir sehen zusätzliche Möglichkeiten auch an bestehenden oder neuen Biogasanlagen Großwärmepumpen für das Beheizen der Fermenter einzusetzen. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Kunden vermehrt nach integrierten Systemlösungen suchen, in denen der Stellenwert der Wärmepumpe einen stetig wachsenden Anteil bei der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung einnimmt. Schon in der Vergangenheit konnten wir vermehrt Projekte realisieren, in denen wir diverse Peripherie Komponenten wie z.B. Wärmepumpen in unsere Lösungen eingebunden haben. Da wir ohnehin über tiefgreifendes Know-How im Projektgeschäft bei dezentralen Energielösungen verfügen, war dies nun der logische nächste Schritt.

Wo liegen die Vorteile der BHKW-Wärmepumpen-Kombi gegenüber dem jeweiligen Einzelbetrieb?

Sowohl bei Energieversorgern wie auch in der Industrie, werden Entscheidungen über die zukünftige Energieversorgung stets unter der Prämisse gefällt, Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit bestmöglich miteinander zu vernetzen. Mit der Kombination aus KWK-Anlage und Großwärmepumpe und der gleichzeitigen Kombination mit Wärmespeichern eröffnen sich genau hier große Potentiale. Am Ende des Tages geht es stehts darum, den Wärmebedarf der jeweiligen Liegenschaft zu jedem Zeitpunkt sicherzustellen und gleichzeitig größtmögliche Erlöse am Strommarkt zu erzielen. Wenn die Sonne hoch am Himmel steht und zudem der Wind weht, sind die Strompreise im Keller – dann macht der BHKW-Betrieb wenig Sinn. Auf der anderen Seite sorgt das BHKW bei kalten Temperaturen und gleichzeitig mangelnder Verfügbarkeit von erneuerbarem Strom dafür, dass die Strom- und Wärmeversorgung mit maximaler Effizienz jederzeit sichergestellt ist. Unsere Erfahrungen der letzten Monate haben gezeigt, dass sich eine kombinierte Anlage ab etwa 50 Wohneinheiten in maximal sechs bis sieben Jahren amortisiert. Anwendungen mit größerer Leistung machen sich umso schneller bezahlt.

Gaskraftwerkskapazität lieber dezentral errichten

Welche Rolle wird KWK denn im künftigen Energiesystem spielen bzw. sollte sie spielen?

Gerade im Erdgassektor wurden in der Vergangenheit viele Anlagen als „stromerzeugende Heizung“ betrieben – was sicherlich auch einen negativen Einfluss auf die aktuelle Wahrnehmung der KWK in der politischen Öffentlichkeit hat. Die Rolle der KWK ist jedoch inzwischen eine völlig andere: sie ist das regenerative Rückgrat im Energiesystem der Zukunft in Zeiten, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint und die eben die Notwendigkeit neuer großer Gaskraftwerke reduziert. Analog zum dezentralen Ausbau der Wind- und Sonnenergie sollte auch beim Aufbau der benötigten Gaskraftwerkskapazitäten allen voran die Frage gestellt werden: Wie können die definierten Ziele am effizientesten erreicht werden? Die Antwort ist denkbar einfach: ebenfalls dezentral. Im Übrigen sind gerade die dezentralen KWK-Anlagen schon heute 100 Prozent H2-ready. Allein wir als 2G konnten in den letzten Jahren bereits 25 Wasserstoff-BHKW auf drei Kontinenten installieren. Wir sprechen bei der heutigen KWK von einer Hocheffizienz-Technologie, die temporär noch mit Erdgas aber mittelfristig ausschließlich mit grünen Molekülen betrieben werden kann. Die KWK-Anlagen sind schnell zu integrieren und es bedarf keines aufwendigen Planungs- und Genehmigungsverfahren, weil die Konzepte mit vorhandener Infrastruktur weitestgehend auskommen.

Viele Erneuerbaren-Projektierer haben mit dem Fachkräftemangel und Lieferengpässen zu kämpfen, sowie mit den deutlich steigenden Materialkosten. Ihre jüngst vorgelegten Halbjahreszahlen weisen eine deutliche Umsatzsteigerung auf. Wie kommen Sie mit den genannten Herausforderungen zurecht?

Trotz der erfreulichen Umsatzentwicklung sind natürlich auch wir mit Lieferengpässen und steigenden Materialkosten konfrontiert. Abseits der Produktentwicklung legen wir jedoch auch einen kontinuierlichen Fokus auf die Optimierung der internen Prozesse im Einkauf und der Produktion, sodass wir auftretende Herausforderungen in den letzten Monaten und Jahren recht solide meistern konnten. Diesen Weg versuchen wir auch in Zukunft weiterzugehen. Das Thema Fachkräftemangel bekommen wir zwar auch zu spüren – jedoch glücklicherweise in sehr sachter Form. Wir haben das große Glück, dass die Energiebranche von immer mehr Menschen als spannendes Berufsfeld wahrgenommen wird, in dem man die Zukunft der Gesellschaft und unseres Planeten mitgestalten kann. Gerade vor dem Hintergrund der Sektorenkopplung und dem immer effizienteren Zusammenspiel der unterschiedlichen Technologien haben unsere Kolleginnen und Kollegen das stolze Gefühl, mit Ihrer Tätigkeit ein Mosaikstein bei den Herausforderungen der Energiewende zu sein.

Das Interview führe Lisa Marx

Das vollständige Interview zur Rolle der KWK im künftigen Energiesystem und ihre aktuelle, politische Stellung lesen Sie in der ZfK-Oktober-Ausgabe, die in wenigen Tagen erscheint.

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