Die Leag fördert im Tagebau Welzow mit Schaufelradbaggern Braunkohle. Leag ist die gemeinsame Dachmarke der Lausitz Energie Bergbau AG (kurz LE-B) und der Lausitz Energie Kraftwerke AG (kurz LE-K).

Die Leag fördert im Tagebau Welzow mit Schaufelradbaggern Braunkohle. Leag ist die gemeinsame Dachmarke der Lausitz Energie Bergbau AG (kurz LE-B) und der Lausitz Energie Kraftwerke AG (kurz LE-K).

Bild: © Leag

Nach Chemnitz, Cottbus und Frankfurt (Oder) hat nun auch Leipzig offiziell verkündet, sich bei der Fernwärme-Versorgung komplett vom Energieträger Braunkohle zu trennen. Das könne, so die gemeinsam von der Leipziger Gruppe mit Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) vorgetragene Ankündigung, bereits innerhalb von fünf Jahren erfolgen. Klimatechnisch ist das Konzept der Leipziger, das den Forderungen von den Grünen und Linken entspricht, allerdings weniger gut, als es sich anhört.

In fünf Jahren soll neues GuD stehen

"Saubere Wärme" soll es sein, und die Versorgung werde in die eigene Hand genommen – mit diesen Formeln wirbt die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft in der Öffentlichkeit für eine weitere Großinvestition in die Energieerzeugung. Bis 2023 sollen ein weiteres GuD-Kraftwerk mit etwa 150 MW sowie diverse kleinere Blockheizkraftwerke (BHKW) und Solarthermieanlagen sowie ein Biomasse-Heizwerk entstehen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Fernwärmebezug von bis zu 200 MW, der etwa 60 Prozent des Jahresbedarfes abdeckt, aus dem Braunkohlenkraftwerk Lippendorf vertraglich gesichert. Der Rest kommt aus einer bestehenden GuD-Anlage und bei Bedarf aus einigen Spitzenlastkesseln.

Jung beruft sich auf den unabänderlich kommenden Kohleausstieg in Deutschland und die Notwendigkeit, für die Versorgungssicherheit heute bereits Maßnahmen treffen zu müssen. Man habe technologieoffen alles geprüft. Das Ergebnis sei klar und nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Förderkulisse des Bundes für Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) auch wirtschaftlich eine sehr attraktive Lösung: "Wir bekommen rund drei Cent pro kWh aus dem KWK-Gesetz, das macht über die Laufzeit gerechnet rund 150 Mio. Euro aus", rechnet Stadtwerke-Geschäftsführer Karsten Rogall vor.

Kohle-Ausstieg erhöht CO2-Ausstoß

Das ist in etwa die Summe, die der Neubau kosten soll. Daher könne man den Bürgern versprechen, dass ihre Energie künftig in der Stadt erzeugt und dennoch nicht teurer als die bisherige Lösung werde. Zudem kämen noch eine große Ersparnis an CO2 hinzu – durch das hoch effiziente neue Kraftwerk, versichert Rogall.

Doch das stimmt so nicht, da das zusätzlich in Betrieb genommene GuD und die benötigten weiteren Spitzenlastkessel – die Gesamtinvestitionen beziffert Rogall auf 200 Mio. Euro – kaum Einfluss auf die Laufzeiten des modernen Leag-Kraftwerkes (knapp 1,8 GWel Leistung), sondern nur auf dessen Effizienz haben. Die bisherige Energie für die Fernwärme geht dann über die Kühltürme in die Luft, während in Leipzig zusätzlich Erdgas verbrannt wird.

Der Zeitraum ist ausgesprochen ambitioniert

Allerdings stehen noch Verhandlungen hinsichtlich der Verträge an, die laut Rogall auch noch geführt werden sollen. "Es ist ja auch ein wichtiges Zeichen für diese Gespräche, wenn der Verhandlungspartner weiß, das wir technisch in der Lage sind, aussteigen zu können", räumt OB Jung ein. Das Projekt sei aber keine reine Drohkulisse: Der Aufsichtsrat der Stadtwerke habe bereits die Mittel für die Planung frei gegeben. Der Zeitraum dafür, also Genehmigungen und Bau, sei ausgesprochen ambitioniert, so Jung. (masch)                 

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