Von Daniel Zugehör
In Deutschland verursachen Kühlanlagen rund 15 Prozent des Stromverbrauchs. Um diesen Energiebedarf zu senken, arbeitet das Fraunhofer-Institut für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) jetzt mit dem Batteriespezialisten Voltavision an einem innovativen Erdsonden-Kältespeicher.
In dem Projekt "MissEllyDEMO" entwickeln sie ein System, das Kälte aus dem Winter im Untergrund speichert und im Sommer nutzt. Zielgruppe seien Industrie- und Gewerbebetriebe, teilten die Partner mit. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Projekt mit insgesamt 2,8 Millionen Euro.
Weltweit einmalig
In den nächsten vier Jahren soll zunächst ein Demonstrator am Voltavision-Standort Bochum entstehen. Dort wird laut Lore Mall, verantwortliche Projektleitung bei Voltavision, über eine Freikühlung bereits Umgebungskälte genutzt. "Aber im Sommer sind zusätzliche Lösungen nötig. Der geplante Speicher ermöglicht es, Freikühlung auf 100 Prozent zu erhöhen und Spitzenlasten effizient abzufangen", führt Mall aus.
Das Prinzip basiert zum einen darauf, anfallende Prozesswärme in das Erdreich abzuleiten. Zum anderen wird ein "Kältereservoir" im Untergrund für den Sommer geschaffen, indem die ansonsten ungenutzte Kühlleistung der vorhandenen Rückkühler verwendet werden soll.
Dazu werden 30 bis 40 Sonden im Abstand von 5 bis 10 Metern und bis zu 100 Meter tief im Erdboden versenkt. Eine smarte Steuerung soll zudem eine flexible Nutzung der Energie erlauben. "Durch die intelligente Verschaltung können wir die Temperaturdifferenz maximieren und die Effizienz steigern", erklärt Projektleiter Roman Ignacy vom Fraunhofer IEG. Dies sei in der Form wohl weltweit einmalig, so Ignacy.
Ein Schritt in Richtung klimafreundlicher Industrie
Die Speicherung von Kälte im Untergrund bietet den Partnern zufolge mehrere Vorteile: Spitzenlastzeiten werden entkoppelt, der Energieverbrauch gesenkt und die Versorgungssicherheit verbessert. Simulationen zeigen, dass der Energiebedarf im Vergleich zu herkömmlichen Systemen um bis zu 90 Prozent reduziert werden kann.
