Alleine von Januar bis Juni sind in Deutschland rund 600.000 Heizlüfter verkauft worden, wie das Marktforschungsunternehmen GfK mitteilt. Sie sollen bei knapper werdendem Gas aushelfen, die Wohnungen warmzuhalten.
Doch der Geschäftsführer der Stadtwerke Wiesbaden Netz (sw netz), Peter Lautz, warnt davor: "Beim übermäßigen Einsatz kann es zu Überlastungen unserer Stromnetze und damit zu unkontrollierbaren Stromausfällen kommen."
Plötzliche Überlastungen
Dabei gehe es um alle mobilen elektrischen Direktheizgeräte, etwa Heizlüfter, Heizstrahler, Wärmekonvektoren oder Radiatoren. Sie werden an die Haushaltssteckdose angeschlossen und haben üblicherweise eine Leistung zwischen 1000 und 3000 Watt.
"Das Wiesbadener Stromnetz ist mit einer Gesamtlänge von 3230 Kilometern bestens ausgebaut und wird rund um die Uhr überwacht", erklärt Lautz. Werde das Stromversorgungsnetz jedoch mit gleichzeitigen, plötzlichen und ungewöhnlich hohen Überlastungen konfrontiert, würden sofort Schutzmaßnahmen greifen.
Langer Stromausfall als Folge
"Betroffene Netzbereiche werden dann automatisch abgeschaltet, es fließt kein Strom mehr", so der Geschäftsführer. "Für alle Kundinnen und Kunden in diesen Bereichen kommt es zum Stromausfall."
Werden die Geräte während eines Stromausfalls anschließend nicht direkt von den Benutzerinnen und Benutzern ausgeschaltet, habe der Betreiber zudem kaum Möglichkeiten, die Netze wieder schnell und zuverlässig hochzufahren. Ein langer Stromausfall könne die Folge sein.
Kraftwerkskapazität reicht nicht
Deshalb raten auch der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) und der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) von einem vermehrten Einsatz von Heizlüftern ab: "Neben lokalen Netzüberlastungen gibt es noch das Problem, dass die derzeitige Kraftwerkskapazität für diese zusätzlichen Lasten nicht ausreicht", heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung.
Ähnlich sieht das auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU). "Wer zuhause verstärkt auf Heizlüfter setzt, schraubt seine eigene Stromrechnung noch weiter nach oben – denn die Preise für sowohl Strom als auch für Gas steigen, auch perspektivisch", sagt eine Sprecherin auf Nachfrage. Wenn viele Menschen gleichzeitig Heizlüfter nutzten, könnte das die Stromnetze möglicherweise auch überlasten.
Steigerung der Jahreshöchstlast
Etwa 50 Prozent der circa 40 Mio. Haushalte in Deutschland heizen derzeit mit Gas. Bei der einfachen Annahme, dass an einem sehr kalten Wintertag im Mittel in der Hälfte dieser Haushalte ein elektrisches Heizgerät mit einer typischen Leistungsaufnahme von 2000 Watt in Betrieb wäre, komme man überschlägig zu einem zusätzlichen elektrischen Verbrauch von rund 20 GW, so die Stadtwerke Wiesbaden weiter.
"Dies entspricht einer Steigerung der aktuellen Jahreshöchstlast in Deutschland um ein Viertel, was weder die Stromnetze noch die vorhandenen Kraftwerke leisten könnten, zumal Gaskraftwerke in einer Gasmangellage ebenfalls nicht verfügbar wären", heißt es weiter.
Wartungen am besten vor dem Winter
"Wer sich effektiv vorbereiten möchte, sollte statt Heizlüfter zu kaufen bereits jetzt mit Energiesparmaßnahmen beginnen", erklärt Lautz weiter. "Und Wartungen an Gasheizungen werden am besten vor dem Winter durchgeführt." (jk)
Hinweis: Diese Meldung wurde am 2. August 2022 aktualisiert und um die Stellungnahme des VKU ergänzt.



