Der Fernwärmeverband AGFW kritisiert die nach seiner Einschätzung mehrdeutigen Transparenzvorschriften im Paragraphen 1a der AVBFernwärmeV.

Der Fernwärmeverband AGFW kritisiert die nach seiner Einschätzung mehrdeutigen Transparenzvorschriften im Paragraphen 1a der AVBFernwärmeV.

Bild: © Marijan Murat/dpa

Die Verbände haben geliefert: Mitte Mai ging eine neue Online-Plattform an den Start, auf der Verbraucher die Preise von Fernwärme vergleichen können. Mit dem neuen Angebot wollen der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK (AGFW), der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) auch darüber informieren, wie Fernwärmepreise entstehen. Schließlich sei es für viele Menschen schwierig zu verstehen, wie Fernwärme funktioniert und wie sich die teils erheblichen Preisunterschiede erklären lassen.

Mehr Durchblick bei den Fernwärmepreisen und mehr Transparenz bei der Zusammensetzung – wurden diese hehren Ziele mit dem Start der Plattform erreicht? Wie nehmen die Kunden das neue Angebot an? Was läuft gut und wo gibt es noch Verbesserungsbedarf? Die ZfK hat nachgefragt.

Rheinenergie vergibt Bestnote

Großen Zuspruch findet die neue Fernwärme-Preistransparenzplattform bei der Rheinenergie. Auf die Zufriedenheit mit dem Online-Angebot angesprochen, vergibt der Versorger mit Sitz in Köln volle 10 Punkte. Verbesserungsbedarf sieht die Rheinenergie allenfalls bei der Darstellung, wann Daten aktualisiert werden oder wurden. Dies könnte klarer ausgestaltet werden.
 
Die Plattform nutzt das Unternehmen in erster Linie für das „Screening der Marktsituation“. Kundenreaktionen auf das neue Angebot habe es bislang nicht gegeben, man wolle aber „selbstverständlich“ auch in Zukunft auf der Plattform vertreten sein, so ein Sprecher.

Preismodelle anschaulicher machen

Sieben von zehn möglichen Punkten gibt es von den Stadtwerken Kaiserslautern, die sich wie auch die Kollegen von der Sachsenenergie eine Suchfunktion wünschen, um Vergleiche zu erleichtern. Ein weiterer Kritikpunkt: „Da die Preise als Mischkalkulation mit nicht transparenten Leistungswerten angegeben werden (Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser und Industrie), fehlt uns die Nachvollziehbarkeit für Endverbraucher (Leistungspreise und Arbeitspreise). Es gibt keinen vergleichbaren Anreiz zur Gebäudesanierung, da Preismodelle nicht anschaulich dargestellt werden.“

Auch in Kaiserslautern blieben Nachfragen von Kunden bislang aus. Man nutze die Plattform vielmehr zur Marktbeobachtung.

Aktiv auf Plattform hinweisen

Ähnliches hört man aus Dresden und aus Flensburg. Kundennachfragen gebe es bislang keine, aber die Vergleichsmöglichkeiten mit anderen seien gut. Die Sachsenenergie geht inzwischen selbst in die Offensive und weist Kunden aktiv auf die Plattform hin, wenn es Fragen zur aktuellen Marktlage gibt.

Allerdings sehen die Flensburger hier das Risiko, dass „Äpfel mit Birnen“ verglichen werden. Dies dürfte allerdings eher die Kundenseite betreffen und nicht die der Versorger. Von den Fahnen gehen wollen die Stadtwerke Flensburg dennoch nicht. Schließlich habe das Unternehmen ja auch seit Jahrzehnten am AGFW-Vergleich teilgenommen, der sehr ähnlich bis identisch aufgebaut war.

Daten exportierbar machen

 „Zufrieden“ ist auch EWE mit dem Aufbau der Plattform. Eine Sprecherin vergibt acht von zehn möglichen Punkten. Transparenz für die Verbraucherinnen und Verbraucher sei wichtig und wertvoll. Kanäle wie die Preistransparenzplattform würden das unterstützen. Eine Weiterentwicklung, die zur Einordnung und zum Verstehen der komplexen Fernwärmepreise führen, sei daher durchaus sinnvoll, heißt es aus Oldenburg. Wunschlos glücklich ist man bei EWE dennoch nicht. „Wir würden es allerdings begrüßen, wenn die Informationen auf der Plattform zu den Wärmenetzen besser vergleichbar wären, beispielsweise mit oder ohne Trinkwarmwasser, Baukostenzuschüsse oder Abwärme-Quellen. Für die Datenauswertung und statistische Betrachtungen würden wir uns zudem über eine Exportierbarkeit aller Daten freuen.“

Auch bei der Datenerfassung sieht EWE Luft nach oben. „Aktuell werden je Wärmegebiet in den verschiedenen Kategorien (Privathaushalt, Wohnungswirtschaft, Industrie) je drei verschiedene Abnahmeszenarien betrachtet. Das führt unserer Meinung nach dazu, dass die Transparenz alleine innerhalb eines Wärmegebietes unübersichtlich wird. Für eine bessere Vergleichbarkeit der verschiedenen Gebiete sollte aus Kundensicht nur ein Abnahmeszenario je Kategorie (Privathaushalt, Industrie, Wohnungswirtschaft) abgefragt und dargestellt werden.“ Das reduziere auch den Aufwand der Datenerfassung bei den Wärmeversorgern, so die Sprecherin.

Warum machen nicht alle mit?

Die Zahl der Kundenanfragen zur neuen Plattform ist auch in Oldenburg übersichtlich. Dies bewege sich im einstelligen Bereich.
EWE macht die eigenen Fernwärmepreise schon seit vielen Jahren transparent. Dass nicht alle Versorger mit an Bord sind, sieht man in Oldenburg kritisch. Es sei wünschenswert, wenn sich noch mehr Fernwärme-Versorger auf der Plattform listen würden, für ein unverfälschtes Gesamtbild auf die Preisbildung in den zahlreichen dezentralen Wärmegebieten, betont die Sprecherin.

Ein Wunsch, der bald in Erfüllung gehen könnte. „Wir werden auf der Transparenzplattform Fernwärme zeitnah die notwendigen Angaben machen. Bisher haben in unserem Haus entsprechende Kapazitäten gefehlt“, teilt etwa eine Sprecherin der Stadtwerke Magdeburg auf ZfK-Anfrage mit.

Schwierige Vergleiche

Doch es gibt auch Skepsis. Eine Eon-Sprecherin betont zwar, dass man aktiv an der weiteren Ausgestaltung der Plattform mitwirken wolle. So wolle in der nächsten Veröffentlichung der Preistransparenzplattform etwa Eon Energy Solutions (ESY) Zahlen liefern. Auch sei ein Großteil der regionalen Einheiten mit Zahlen zu über 120 Wärmenetzen bereits jetzt vertreten. „Gleichzeitig möchten wir betonen: Ein pauschaler Vergleich der Preisgestaltung und der zugrunde liegenden Preisbildungsformeln ist aufgrund der regional unterschiedlichen Gegebenheiten von Fernwärmenetzen schwierig. Die Anzahl und Gewichtung der unterschiedlichen preisbildenden Elemente variieren je nach den Besonderheiten des jeweiligen Versorgungsgebiets. In die Preisbildung gehen zum Beispiel Unterschiede bei den eingesetzten Brennstoffen und den Strukturen von Erzeugung, Versorgungsgebiet und Abnehmern ein. Darauf sollte bei der Nutzung der Preistransparenzplattform geachtet werden“, teilt die Sprecherin mit. (amo)

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