Neben dem bestehenden Heizkraftwerk (links) der Stadtwerke Frankfurt/Oder soll die neue Anlage (grün) und der Wärmespeicher gebaut werden.

Neben dem bestehenden Heizkraftwerk (links) der Stadtwerke Frankfurt/Oder soll die neue Anlage (grün) und der Wärmespeicher gebaut werden.

Bild: © Stadtwerke Frankfurt/Oder

Als letztes Stadtwerk in Brandenburg haben nun auch die Stadtwerke Frankfurt/Oder ein konkretes Datum für den Ausstieg aus der Kohleverstromung festgelegt. Das mit Braunkohlestaub und einer Gasturbine betriebene Heizkraftwerk (HKW) soll Ende 2022 durch fünf erdgasbefeuerte Blockheizkraftwerke (BHKW) mit einer Leistung von je 10,2 MWel und je 16 MWth ersetzt werden. Jörg Neuhaus, Geschäftsführer der Stadtwerke Frankfurt/Oder, bestätigte gegenüber der ZfK einen Bericht des "Tagesspiegel". Im Juli hat der Kommunalversorger einen postiven Förderbescheid des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) erhalten. "Wir haben mit der Ausschreibung gerade begonnen", so Neuhaus.

Liefervertrag mit der Leag läuft aus

Da die fünf Motoren als eine Gasmotoren-Anlage zählen, kommen sie auf eine Leistung von insgesamt über 50 MW. Damit muss das Projekt nicht an den 2017 eingeführten KWK-Ausschreibungen teilnehmen. Die erforderlichen Investitionen liegen bei zirka 55 Mio. Euro. Diese werden laut Neuhaus weitestgehend über die KWK-Förderung abgedeckt. Über das HKW werden aktuell rund 50000 Haushalte mit Strom und 23000 Haushalte mit Wärme versorgt, die jährliche Wärmeabsatzmenge beträgt rund 220 GWh. Die bestehende Anlage ist mit der Inbetriebnahme wirtschaftlich abgeschrieben, der Liefervertrag mit der Leag läuft im März 2023 aus.

Neben den fünf BHKW soll in einen Heizwassererzeuger mit einer Leistung von 20 MW investiert werden. "Um die Wärmeversorgung zusätzlich zu flexibilisieren, bauen wir einen drucklosen Wärmespeicher mit einem Volumen von 10000 Kubikmetern", erklärt Neuhaus. Der Speicher kann die benötigte Wärme von drei bis vier Werktagen aufnehmen und ermöglicht es den Stadtwerken, je nach Entwicklung an den Strombörsen, in wirtschaftlich attraktiven Zeitfenstern die Anlage stromgeführt zu fahren. Auch eine künftige Erweiterung des Speichers mit einer Power-to-Heat-Anlage in den nächsten Jahren habe man technisch berücksichtigt, dies sei eine ernsthafte Option.

Weitere Flexibilisierung aus erneuerbaren und dezentralen Anlagen möglich

"Mit diesem Gesamtkonzept haben wir eine langfristig grüne Wärmeversorgung in Franfkurt/Oder abgesichert", sagt der Stadtwerke-Geschäftsführer. Der Umbau der Wärmeversorgung sei auch ein wichtiges Signal an die regionale Wohnungswirtschaft, für die ein niedrigerer Primärenergiefaktor bei der Vermarktung und Finanzierung von Vorteil sei. Das Konzept beinhaltet zudem die Möglichkeit, in den nächsten Jahren über zusätzliche kleinere, dezentrale Anlage und die Einbindung erneuerbarer Energien die Wärmeversorgung noch flexibler zu steuern , beispielsweise über ein Holzschnitzel-HKW. Auch die Wärmeauskopplung in das benachbarte Polen respektive die Wärmelieferungen von dort, könnten Bestandteil dieses Flexibilisierungsszenarios sein. Aktuell liefern die Stadtwerke Frankfurt/Oder rund 15 GWh an Wärme nach Polen und beziehen gleichzeitig übers Jahr gesehen in etwa dieselbe Menge von dort.

Grünen-Chefin: "Kommunale Stadtwerke setzen ein Zeichen"

Für die Parteivorsitzende der Grünen und Brandenburger Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock hat der Kohleausstieg der Stadtwerke einen hohen Symbolwert. "Während die Bundesregierung und die Brandenburger Landesregierung alles dafür tun, dass die klimaschädliche Kohle noch möglichst lange die Luft verpestet, setzen die kommunalen Stadtwerke ein Zeichen", so Baerbock gegenüber dem "Tagesspiegel. Im Januar hatten bereits die Stadtwerke im brandenburgischen Cottbus vom Stadtrat grünes Licht für den Ausstieg aus der braunkohlebasierten Wärmeversorgung erhalten. Das bestehende Braunkohle-HKW soll bis zur Heizperiode 2020/21durch gasbetriebene Blockheizkraftwerke und Druckspeicher ersetzt werden. Etwa die Hälfte des städtischen Fernwärmebedarfs wird aber auch künftig aus dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde abgedeckt. (hoe)

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