Wärmepumpen sind im Kommen.

Wärmepumpen sind im Kommen.

Bild: © Adobe Stock/Hermann

Von Jürgen Walk

Der deutsche Wärmepumpenmarkt wächst beeindruckend: Im ersten Halbjahr 2025 stieg der Absatz von Wärmepumpen um 55 Prozent auf 139.500 Einheiten – nach einer tiefen Delle des Jahres 2024. Der Marktanteil von Wärmepumpen erreichte 47 Prozent, erstmals übertrifft er damit Gasheizungen. Die Technik ist vorhanden, der Markt wächst dynamisch, doch stabile politische Rahmenbedingungen bleiben entscheidend für den langfristigen Erfolg, heißt es beim  Bundesverband Wärmepumpe (BWP). 

Trotz dieses positiven Trends bleibe das Ziel von sechs Millionen installierten Wärmepumpen bis 2030 ehrgeizig. Die Industrie habe bereits sieben Milliarden Euro in den Ausbau der Produktionskapazitäten investiert, und das Handwerk sei bestens vorbereitet.

Nur Mittelfeld im europäischen Vergleich

Aus Sicht von Martin Sabel, Geschäftsführer des BWP, ist das Wachstum insbesondere deswegen bemerkenswert, weil das nicht für den gesamten Heizungsmarkt gilt. Ein starkes Wachstum verzeichnen nur Wärmepumpe und Biomasse, also die erneuerbaren Technologien, während Öl- und Gasheizung, also die fossilen Techniken, einen starken Rückgang verzeichnen.

"Das zeigt für uns, dass die Menschen verstanden haben, dass sie raus müssen aus den fossilen Heiztechniken und dass die Zukunft der Heiztechnik in den erneuerbaren Technologien liegt", so Sabel. Für den Klimaschutz sei das Wachstum der Wärmepumpen entscheidend, da sie im Vergleich zu Gasheizungen ein fünfmal höheres CO₂-Einsparpotenzial bieten.

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland aber auch mit den stark gestiegenen Zahlen nur im Mittelfeld. Besonders in den nordischen Ländern dominieren Wärmepumpen mit bis zu fast 100 Prozent Marktanteil, was vor allem auf günstige Strompreise zurückzuführen sei.

Ziel muss aus Sabels Sicht nun sein, dieses Marktwachstum zu verstetigen. Drei Hebel hat der Verband dabei im Blick: die Energiepreise, die Wärmepumpen-Förderung sowie die Ordnungspolitik. Eine Entlastung bei Strompreisen, Stromsteuer und Netzentgelten wäre aus Sabels Sicht wichtig gewesen, um elektrische Anwendungen attraktiv zu machen. Um Wärmepumpen wettbewerbsfähiger zu machen, wäre zudem ein Strom-Gas-Preisverhältnis von 2:1 notwendig. "Umso fataler ist die Entscheidung, den Strompreis oder die Stromsteuer nicht für alle zu senken und stattdessen Gas zu entlasten", so Sabel. 

Eine attraktive und stabile Förderung für Wärmepumpen ist aus Verbandssicht bis mindestens 2027 notwendig, um den Übergang zu unterstützen. Schließlich müssten die ambitionierten Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes, 65 Prozent erneuerbare Energien in neuen Heizungsanlagen zu verwenden, erhalten bleiben.

Alte Heizungen werden noch repariert

BWP-Vorstandsmitglied Klaus Ackermann (Nibe Systemtechnik) wies darauf hin, dass die guten Zahlen nicht über eine generelle Kaufzurückhaltung hinwegtäuschen dürften. Denn zu beobachten sei auch ein Trend, dass alte fossile Heizungen eher repariert als ausgetauscht werden. "Wir haben nach wie vor rund 10.000.000 alte fossile Heizungen, die älter als 25 Jahre sind und damit ihr technisches Lebensalter lange überschritten haben", so Ackermann Hier baue sich ein großer Investitionsstau auf. Die neuen Zahlen zeigten aber auch, dass die Wärmepumpe nicht mehr nur im Neubau, sondern mittlerweile längst auch im Bestand sehr erfolgreich sei. 

Ackermann forderte eine offene Diskussion, was mit dem Begriff "Technologieoffenheit" gemeint sei. Das Gebäudeenergiegesetz sei heute aus seiner Sicht absolut technologieoffen, "sofern wir eben dahin kommen, dass wir weiterhin erneuerbare Energien einsetzen". Falls damit aber gemeint sei, "einfach weiter fossile Energien zu verbrennen, so ist das keine gute Idee, wirtschaftlich für den Privathaushalt und auch wirtschaftlich für den Staat".

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