Bundeskanzler Scholz beendet seine Reise rund um das Thema Tiefe Geothermie nach Zwischenhalten in Schwerin und Kenia bei der Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) in der brandenburgischen Landeshauptstadt. Die zweite Bohrung des Tiefe Geothermie-Projektes befindet sich in den letzten Zügen. Bereits in rund drei Wochen wird der Bohrturm an der Heinrich-Mann-Allee zurückgebaut. Dies wird bis in den Juli hineindauern. Anschließend erfolgt der Bau der Heizzentrale, sodass eine Inbetriebnahme voraussichtlich 2024 erfolgen kann.
Das Projekt, welches seit 2018 geplant wird, kommt dann in die nächste Phase: "Nun werden die Pumpversuche in den kommenden Wochen durchgeführt, bei welchen wir erfahren wie, hoch die Temperatur des Wassers und dessen Durchfluss ist", erläuterte Eckard Veil, Technischer Geschäftsführer der EWP während des Besuches.
Die größte Anlage in einem Wohngebiet
Mitte Juni sollen die Ergebnisse da sein. Bei dem Geothermie-Projekt handle es sich nach eigenen Angaben um das größte seiner Art, welches bis dato in einem Wohngebiet durchgeführt wird. "Dementsprechend war es notwendig und aufwendig, den Bohrplatz zu sichern, weil nebenan mehrere Schulen sind", ergänzte Veil. Rund 20 Mio. Euro kostet das Projekt. Unter anderem die zehn Meter hohen Schallschutzwände, aber auch eine wasserundurchlässige Fläche, damit das Grundwasser nicht verunreinigt wird, trieben die Kosten alleine für den Bohrplatz in die Höhe. 6 Mio. Euro wurden hierin investiert. "Aber es hat sich gelohnt. Bis heute gab es nicht eine einzige Beschwerde", betonte Veil.
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Die EWP schätzt, dass das geförderte Sole-Wasser rund 50 bis 60 Grad heiß sein wird. Für das Neubaugebiet, welches geplant ist, würde diese Temperatur ausreichen. Aber hierfür wird nur rund 20 Prozent der geförderten Menge benötigt. Die restlichen 80 Prozent wandern in das Fernwärmenetz und werden mittels Wärmepumpe auf ungefähr 100 Grad angehoben.
Preuß: "Es braucht sehr viel Mut"
Christiane Preuß, Geschäftsführerin der EWP und der Stadtwerke Potsdam, unterstrich: "Es braucht sehr viel Mut eine Tiefe Geothermieanlage umzusetzen, weil die Investitionen sehr erheblich sind und man nicht weiß, was einen hierbei erwartet. Wir haben die eine oder andere Überraschung erlebt." Ursprünglich sollten u.a. die beiden Bohrlöcher in der Tiefe rund 1,2 Kilometer auseinander sein. Nun sind es nur noch 800 Meter. Ein Wasserschutzgebiet sorgte dafür, dass die Bohrung früher abknicken musste.
Preuß fügte hinzu, dass es einfachere Genehmigungsverfahren, Unterstützung bei der Versicherung und eine passende Förderpolitik bräuchte, um Geothermie-Projekte leichter aus der Taufe heben zu können.
Scholz: "Dies ist ein Zeichen, dass es in Deutschland eine Zukunftsgeschichte ist"
Scholz selbst bekannte sich bei seinem Besuch zur Geothermie: "Tiefen Geothermie wird wichtig sein, wenn es uns gelingen soll, 2045 CO₂-neutral zu wirtschaften und zu leben." Es bleibe ein industrielles Projekt, was von "guten" Ingenieuren und Facharbeiten getragen wird, die so etwas können. "Aber sie können das. Ich war vor Kurzem in Schwerin dabei, als eine Anlage in den Betrieb genommen wurde. Dies ist ein Zeichen, dass es in Deutschland eine Zukunftsgeschichte ist, die funktionieren kann", betonte Scholz.
"Was wir machen müssen ist dafür sorgen, dass es allgemein bekannt wird und die Menschen sich erkundigen, ob es bei ihnen funktioniert." Das Wissen über geologische Gegebenheiten vor Ort müsse zusammengetragen werden und abrufbar sein. Und auch die Investitionen müssten wirtschaftlich werden. Das setzt voraus, dass die Wahrscheinlichkeit, dass man eine Fehlbohrung habe, rechtzeitig negiere. Hier würden die Kenntnisse über die Geologie eine wichtige Rolle spielen. (gun)



