Moderne Heizungen werden von den Wuppertaler Stadtwerken gefördert.

Moderne Heizungen werden von den Wuppertaler Stadtwerken gefördert.

Bild: © BWP

"Die Digitalisierung macht die Sektorenkopplung handhabbar", positioniert sich Detlef Schumann, Lead Consultant bei Fastahead, einer Tochter der Bridging-IT bei der VKU-Diskussion in Essen. Technisch gesehen, stellen Power-to-X-Modelle kein Problem dar, nun geht es darum, wirtschaftliche Geschäftsmodelle rund um die Vernetzung von Strom, Wärme und Vekehr zu generieren.  

Genau daran arbeiten die Stadtentwässerungsbetriebe Köln: Sie gehören zu den energieintensiven Verbrauchern der Stadt, werden aber durch die Verwertung ihrer "Abfallprodukte" gleichermaßen zum Erzeuger von Strom und Wärme. Während ein BHKW aus der Abwärme der Klärprozesse Strom für das öffentliche Netz erzeugt, planen die Kölner jüngst, Klärgas für das Erdgasnetz aufzubereiten und die eigene Betriebsfahrzeugflotte damit zu betanken.

Gas attraktiver als Strom

Auch in Herne hat ein Kommunalunternehmen die Sektorenkopplung als Business-Case für sich entdeckt. Die örtlichen Stadtwerke bauen gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik (UMSICHT) ein Klimaviertel auf. Sieben Einfamilienhäuser wurden mit einer PV-Anlage, Wärmepumpe und einem Redox-Flow-Batteriespeicher auf umweltfreundlich und effizient getrimmt. Je nach Wohnverhalten können die Häuser einen Autarkiegrad von bis zu 75 Prozent erreichen.  

Trotz erster Umsetzungserfolge braucht es für eine Marktdurchdringung der Sektorenkopplung noch mehr Engagement, vor allem auf politischer Ebene, sind sich die Experten aus der Praxis einig. Heinz Brandenburg, Hauptabteilungsleiter Betrieb, Klärwerk und Netze bei den Stadtentwässerungsbetrieben Köln sieht ein Problem von Power-to-X in den zu hohen Stromnebenkosten begründet: "Sektorenkopplung wird langfristig für die Netzstabilität unverzichtbar, noch machen Steuern und Abgaben den Einsatz von erneuerbarem Strom im Vergleich zu Gas oder Fernwärme allerdings unattraktiv."

Gas ist noch unverzichtbar

Sebastian Blocher, Vertriebsmanager und Business Development Manager bei Telent sieht zudem ein Problem in der Digitalinfrastruktur und Datensicherheit. Deutschland hinke beim Ausbau von Breitband und 5G hinterher. Für die Sektorenkopplung brauche es aber große Plattformen zum Datenabgleich- und Austausch.

Ebenfalls vorsichtig bewertet auch Stephan Becker, Projektleiter Klimaviertel Herne bei den gleichnamigen Stadtwerken die Zukunft der vernetzten Technologien: "Die Sektorenkopplung ist für die Energiewende unabdingbar, bis wir dadurch die Fossilen vollständig ersetzten können, vergehen allerdings noch 50 Jahre.“ Allein um Kohle- und Atomstrom zu ersetzen seien Gaskraftwerke kurzfristig noch nicht verzichtbar. (ls)

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