Wie viele Gebäude wurden in Deutschland bereits durch Energiesprong seriell saniert?
Im Mehrfamilienhausbereich wurden 20 Projekte abgeschlossen (rund 291 Wohneinheiten), 15 sind im Bau (rund 772 Wohneinheiten), und 107 befinden sich in unterschiedlichen Planungs- und Vorbereitungsphasen (rund 12.139 Wohneinheiten). Mittlerweile ist die nächste Stufe der Marktentwicklung erreicht – der Sprung von Piloten zu Portfolios. Erste Wohnungsunternehmen wie die Gewobau Erlangen planen, ganze Quartiere mit mehreren tausend Wohneinheiten seriell zu sanieren. Weitere Wohnungskonzerne sind dabei, die in den Pilotprojekten gewonnenen Erkenntnisse sukzessive auf die Sanierung größerer Bestände zu übertragen. Inzwischen wurde die Marktentwicklung auch auf den Einfamilienhausbereich ausgeweitet. Hier wurden 17 Projekte fertiggestellt, drei werden derzeit umgesetzt, 13 weitere befinden sich in der Planung und Vorbereitung.
Energiesprong ist 2018 in Deutschland gestartet. Wie hat sich der Ansatz seither weiterentwickelt und sind auch Nicht-Wohngebäude ein Thema für das Sanierungsprinzip?
Seit 2018 hat sich Einiges getan: Aus einer unkonventionellen Idee sind Konzepte entstanden, die anhand von Piloten umgesetzt wurden. Mittlerweile hat sich ein innovatives Marktsegment entwickelt. Das Energiesprong-Netzwerk ist auf über 300 engagierte Akteure gewachsen, darunter auch große Player, die mit ihrem Engagement ein wichtiges Signal in den Markt senden. Auch eine erste Gigafabrik steht in den Startlöchern. Das im Mehrfamilienhausbereich gesammelte Know-how wird zudem schrittweise auf ganze Portfolios, höhergeschossige Gebäude, Ein- und Zweifamilienhäuser und auch auf Nichtwohngebäude übertragen. Hier wurden 15 Projekte fertiggestellt, sieben sind in der Umsetzung und 28 weitere in der Planung und Vorbereitung.
Gibt es besonders bemerkenswerte Beispiele für die serielle Sanierung?
In Frankfurt wurde ein 7-geschossiges Wohnhaus seriell saniert. In Witten saniert die Vonovia einen Wohnkomplex mit 3- bis 8-geschossigen Gebäuden. In München werden aktuell zwei Mehrfamilienhäuser von der B&O-Gruppe seriell saniert, die aufgrund von Vor-und Rücksprüngen bis dato als nicht optimal geeignet galten. Zudem sehen wir, dass das Thema serielle Sanierung weitergedacht wird. In Erlangen (Gewobau Erlangen) und München (Baugenossenschaft Hartmannshofen e.V.) wird der innovative Sanierungsansatz mit einer Aufstockung kombiniert.
Trotz gestiegener Kosten findet ein Umdenken statt
Gebäudesanierungen sind im Zuge der Wärmewende stark in den Fokus gerückt, gleichzeitig steckt die Baubranche in einer tiefen Krise und die Kostensteigerungen beim Material sind teilweise exorbitant – wie gehen Sie damit um?
Auch wenn sich die Preise z.B. im Holzbau langsam wieder normalisieren, treffen Herausforderungen wie hohe Materialkosten und Lieferengpässe den gesamten Sanierungsmarkt – und somit auch die seriellen Sanierungen. Durch optimierte Prozesse und Vorfertigung sehen wir erste Zeit- und Kosteneinsparungen, diese kommen dadurch aber noch nicht richtig zum Tragen. Nichtsdestotrotz gibt es eine große Dynamik am Markt. Auf Bauseite sind sehr viele neue Unternehmen, Architektur- und Planungsbüros hinzugekommen, die Lösungen für Mehrfamilienhäuser, aber auch Nichtwohngebäude und Einfamilienhäuser anbieten. Es findet langsam ein Umdenken Richtung Sanierung statt.
Das Heizungsgesetz ist beschlossen, die genaue Förderkulisse für Heizsysteme und auch effiziente Gebäude ist aber noch nicht ganz ausgearbeitet. Wie bewerten Sie die bisherigen Pläne und Änderungen im GEG für die serielle Sanierung bzw. die Sanierung allgemein?
Die Novelle des Gebäudeenergiegesetztes betrifft die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien im Heizungsbereich. Dies ist ein Grundprinzip des Seriellen Sanierens, insofern zieht da der politische Rahmen hier für den gesamten Gebäudesektor nach, was beim Seriellen Sanieren schon länger gelebte Praxis ist. Wir finden das Gebäudeenergiegesetz daher prinzipiell begrüßenswert, es gibt dem Markt mehr Sicherheit und Planbarkeit. Wichtig ist, gute und zielgruppengerechte Förderung zu verstetigen. Staatliche Unterstützung muss noch besser planbar vor allem für jene Akteure vorhanden sein, die sie am ehesten benötigen. Sehr sinnvoll ist, dass es seit 2023 schon einen Bonus in der Bundesförderung Effiziente Gebäude (BEG) für das Serielle Sanieren gibt, der sehr gut angenommen wird. Um die gesetzten energie- und klimapolitischen Ziele zu erreichen, ist eine deutliche Erhöhung der Sanierungsrate notwendig, Serielles Sanieren kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten.
Die Fragen stellte Lisa Marx



