Bis 2030 will die Stadtwerke Aachen AG (Stawag) ihre Wärme klimaneutral gestalten. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, zeigt Christian Becker, Vorstand der Stadtwerke Aachen AG (Stawag), auf einer Pressekonferenz am Donnerstag auf. Ein zentraler Baustein vor allem für die Fernwärme sind die beiden Blockheizkraftwerke (BHKW), wobei das zweite 22-MW-BHKW sich momentan im Bau befindet. Diese sollen rund ein Drittel des Wärmeabsatzes der westlichsten Großstadt Deutschlands abdecken. Damit dies klimaneutral geschieht, könnten die KWK-Anlagen technisch auf Biogas umgestellt werden. Auch über eine Wasserstoff-Beimischung werde nachgedacht.
"Ein sehr großes Wärmepotenzial birgt aber die Tiefengeothermie. Deren Möglichkeiten, wir gerade mit einem Fraunhofer-Institut ausloten", erläutert Becker. Konkret könnten bis zu 200 GWh an Wärme rechnerisch gewonnen werden. Dies würde zwei Drittel des Wärmeabsatzes von Aachen entsprechen. Momentan wird ein 150 Quadratkilometer Feld seismisch untersucht. Im Laufe des Jahres 2022 würden erste Ergebnisse geliefert, inwiefern die Erwartungshaltungen überhaupt erfüllt werden können, ergänzt Frank Brösse, Geschäftsführer der Stawag Energie GmbH.
Aachener Wärmewende wird Millionen kosten
Aber die Gewissheit hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und der Erschließung werde sich dieses erst gegen 2024 abzeichnen. "Wir haben mehrere Pfeile im Köcher, die über unseren Wärmeabsatz hinausgehen. Wir müssen Mehrgleisig fahren, damit wir auch unser Ziel wirklich einhalten können", betont der Vorstand. Die Wärmewende in Aachen werde mindestens mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag begleitet werden müssen. "Wir rechnen für die Umsetzung der Projekte mit einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag", so Becker.
Neben KWK und Tiefengeothermie will das Unternehmen ebenso auf die Solarthermie setzen. Da diese Technologie von der Sonne abhängig ist, plant der Energieversorger einen größeren Speicher ein. "In einem dezentralen Projekt haben wir einen Versuch in einem stillgelegten Steinbruch gestartet. Wir nutzen ihn als natürlichen Wärmespeicher", erläutert Brösse. Ein Wasserbecken mit 45.000 Kubikmeter wird angelegt und mittels Solarthermie aufgeheizt. Eine Wärmepumpe bringt die Grundtemperatur dann auf das notwendige Niveau für die Wärmeversorgung.
Weitere BHKW für das dezentrale Nahwärmenetz
Brösse erläutert zudem weiter, dass das Unternehmen künftig prüfe, inwiefern Wärme bzw. Energie beispielsweise aus Abwasser weiterverwendet werden könnte, um diese in den Kreislauf einzubringen. Darüber hinaus sei der Einsatz von weiteren BHKW geplant, so der Geschäftsführer. Gerade für die dezentralen Nahwärmenetze, die nicht an das Fernwärmesystem angeschlossen sei, böte sich damit eine Alternative. (gun)



