Die Stadt Mannheim kann spätestens bis zum Jahr 2050 vollständig klimaneutral werden. Das ist das zentrale Ergebnis der "Energierahmenstudie Mannheim – Wege zur Klimaneutralität", die das Energieunternehmen MVV in Abstimmung mit der Stadt bei dem Wuppertal Institut in Auftrag gegeben hat. Die Studie untersucht und beschreibt die Handlungsmöglichkeiten und Umsetzungsvoraussetzungen in den Bereichen Strom, Wärme, Verkehr und Industrie. In der Energierahmenstudie werden lokale Potenziale, Bedarfe und Herausforderungen Mannheims berücksichtigt und Handlungsempfehlungen für konkrete Maßnahmen gegeben.
"Die Ergebnisse der Energierahmenstudie bekräftigen den von MVV eingeschlagenen Weg zur Klimaneutralität und geben uns Rückenwind für die nächsten Schritte zu einer CO2-freien Fernwärme", erläuterte der MVV-Vorstandsvorsitzende Georg Müller bei der Vorstellung der Studie am Montag in Rahmen einer Pressekonferenz. Hier können die Ergebnisse der Studie eingesehen werden.
PV-Ausbau: Dachnutzungspflicht eine Option
Folgendes sollte nach den Autoren der Studie kurz- bis mittelfristig angegangen werden: Eine Photovoltaik-Offensive, um insbesondere die PV-Potenziale auf Dächern und Freiflächen zu heben. Im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre müssen sich die Ausbauraten etwa vervierfachen, um den richtigen Kurs zu gehen.
Um dies zu erreichen könnten PV-Freiflächen ausgewiesen und eine schnelle Genehmigung derselben durchgeführt werden. Eine weitere Option wäre es, eine kommunale Dachnutzungspflicht für alle Neubauten und Dachsanierungen im Gebäudebestand zu prüfen. Darüber hinaus könnte ein städtisches Portal eingerichtet werden, über welches die Bürger sich auf mögliche Förderungen von PV-Dachanlagen bewerben könnten. Deutlich wurde aber auch: Langfristig wird die MVV Energie durch die Maßnahmen vom Stromexporteur zum Stromimporteur, wie die Studie aufzeigt.
Alternativen für das Kohlekraftwerk
Da bisher 89 Prozent der Wärmeemissionen aus dem Mannheimer Kohlekraftwerk entstehen, spiegelt sich hier ein großes Handlungsfeld wider. Da die Anlage 2033 im Zuge des Kohleausstiegs außer Betrieb genommen wird, müssen Alternativen her: Vor allem die Tiefengeothermie-Potenziale im Großraum der Stadt seien "beträchtlich", heißt es in der Studie. Eine detaillierte Erhebung der nutzbaren geothermischen Möglichkeiten oder die kommunale Kooperation um ergänzende Nahwärmekonzepte zu planen und umzusetzen werden als weitere Maßnahmen angeschnitten.
Um schließlich Verkehrswende weiter voranzutreiben, könnte die kommunalen Fuhrparks auf batterieelektrische und Brennstoffzellenfahrzeuge bis spätestens 2030, umgerüstet werden. Auch einen Ladeinfrastrukturplan zu entwickeln wäre eine Option. Dieser müsste aber im Einklang mit landes- und bundesweiten Ladeinfrastrukturplänen stehen, um den konkreten Ausbau in Mannheim mit allen relevanten Stakeholdern zu koordinieren. (gun)



