Eine Übersichtskarte mit den geplanten Hauptentwicklungsachsen und möglichen neuen Standorten für erneuerbare Wärme-Erzeugungsanlagen.

Eine Übersichtskarte mit den geplanten Hauptentwicklungsachsen und möglichen neuen Standorten für erneuerbare Wärme-Erzeugungsanlagen.

Bild: © Stadtwerke Tübingen

In der Fernwärme steckt viel Potential für die Zukunft. Doch auch der Weg der Fernwärmenetze in Tübingen über die letzten zehn Jahre kann sich sehen lassen. Die Stadtwerke Tübingen (swt) haben in den letzten zehn Jahren ihr Fernwärmenetz stark ausgebaut: Laut eigenen Angaben ist es um rund 14 Kilometer (+ 28 Prozent) und über 50 Prozent mehr Anschlussnehmer gewachsen. Nun arbeitet das baden-württembergische Unternehmen daran, die Fernwärme klimaneutral zu gestalten, heißt es in einer Pressemitteilung.

Enger Zeitplan: Das Klimaschutzprogramm der Universitätsstadt Tübingen strebt die Klimaneutralität bis 2030 an. Die Wärme ist ein großer Sektor. Liegt die Wärmeabgabe aktuell noch bei 160 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr, so könnte bis 2030 eine potenzielle Zielgröße von 250 GWh (und mehr) erreicht werden. Die Tübinger setzen bereits auf erneuerbare Wärmequellen, beispielsweise aus industrieller Abwärme oder Nahwärmeprojekte mit Faulgas aus der Kläranlage.

Kommunale Wärmeplanung bietet erste Orientierung

Mit der Novelle des Klimaschutzgesetzes des Landes Baden-Württemberg wurden alle großen Kreisstädte verpflichtet, bis Ende 2023 einen Wärmeplan vorzulegen. Die von der Universitätsstadt Tübingen beauftragte Kommunale Wärmeplanung (KWP) soll im Laufe des Herbstes 2022 abgeschlossen werden. Im Zuge der KWP wird ein Katalog an Parametern für sogenannte ‚Fernwärmeeignungsgebiete‘ erarbeitet – als Basis für erste Ausbauplanungen und Entwicklungshorizonte für die nächsten Jahre.

In den kommenden fünf Jahren investieren die Tübinger rund 100 Mio. Euro in den Ausbau vor allem von Erneuerbaren Erzeugungsanlagen und den Bau von sogenannten Hauptentwicklungsachsen.

Klimafreundliche Wärmeerzeugung

Neue Wärme-Erzeugungsanlagen, die mit erneuerbaren Energien arbeiten, sollen den EE-Anteil in der Fernwärme insgesamt erhöhen. Ein Element im Osten Tübingens soll ab 2024 der geplante Solarthermiepark Au werden und rund 6 GWh Wärme liefern. An der Tübinger Kläranlage planen die swt, die Abwasser-Abwärme mit Hilfe von Wärmetauschern, Wärmepumpen und Wärmespeicher für das Fernwärmenetz nutzbar zu machen.

In Zwischenschritten kommen hierbei zunächst 42 GWh (2024) und später zusätzliche 21 GWh Wärme (2026) pro Jahr zusammen. Zeitlich noch weiter entfernt sind Überlegungen für ein Holzheizwerk, das an einem für das Wärmenetz strategisch geeigneten Standort im Tübinger Südwesten z.B. in Derendingen oder Weilheim gebaut werden und ab circa 2028 40 weitere GWh Wärme liefern könnte.

Systematischer Wärmetransport

Bevor die Fernwärme in kleineren Verteilnetzen über den Hausanschluss bis ins Gebäude kommen kann, muss sie zunächst größere Distanzen von den Erzeugungsanlagen ausgehend überwinden – bisweilen quer durch die Stadt. Dafür planen die Stadtwerke Tübingen Transportleitungen mit mehreren Kilometern Länge entlang strategisch günstiger Hauptentwicklungsachsen.

Strategisch günstig deshalb, weil sie die aktuellen und zukünftigen Erzeugungsanlagen in das zukünftige Fernwärmenetz mit einbinden und dadurch die Voraussetzungen für einen Netzausbau in der Fläche schaffen. In rund fünf Jahren sollen die Leitungen entlang der Hauptentwicklungsachsen fertig sein. (gun)

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