Für ein künftiges klimaneutrales System brauche es die KWK, so das Fazit der Studie „KWK 2045 – Transformationspfad zur Klimaneutralität" von Frontier Economics. Ihr Schwarz-Startfähigkeit, ihre flexible Fahrweise sowie vielseitigen Einsatzmöglichkeiten und dass sie emissionsfrei mit nachhaltigen Brennstoffen betrieben werden könne, bringe sie für ein klimaneutrales System in eine wichtige Position.
Zubauraten erhöhen
Nur sie selbst müsse ihre Rolle in dem klimaneutralen Energiesystem ebenso weiterentwickeln. Durch den Kohle- und Atomausstieg werden rund 43 GW an Erzeugerkapazitäten bis 2030 den Markt verlassen: Durch die KWK-Technologie könne dies kompensiert werden, sind sich die Autorinnen und Autoren sicher. Es brauche jedoch ein neues Anreizsystem. Zum einen werde eine Zubaurate von 2,5 bis 5 GW pro Jahr bis zum Ausstiegsdatum der beiden Energieträger benötigt. Ein wichtiger Hebel um dies zu erreichen, wäre laut den Autoren die Erhöhung der KWK-Ausschreibungsmenge: Aktuell beträgt diese bis 2025 für die konventionelle KWK 150 MW und 50 MW für die innovative KWK.
Quartiersanlagen aus dem Blick verloren
Zum anderen müsse die KWK ihre Fahrweise weg von wärmegeführt zu einer strommarktorienterten ändern. Ihre essenzielle Aufgabe werde die Versorgungssicherheit und Residuallastabdeckung sein. Das bedeutet aber auch, kleine KWK-Anlagen nicht aus den Augen zu verlieren. Laut Studie hätten 99 Prozent der seit 2009 installierten Anlagen unter 1 MW Leistung. Ein Umstand den auch Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Gas, hervorhebt: „Die Zukunft der Energieversorgung ist dezentral und die KWK-Technologie ist dafür ideal, da sie sich neben größeren KWK-Systemen insbesondere für Objekt- und Quartierslösungen eignet.“
Dies müsse ein neues Anreizsystem mitbedenken. So würde im Bereich der kleinen KWK-Anlagen, die insbesondere in der Objekt- und Quartiersversorgung zum Einsatz kommen, Anreize zur Direktvermarktung des erzeugten KWK-Stroms vor Ort fehlen. Es wäre aus Sicht des Verbandes „sinnvoll, den Aufbau einer Mieterstromversorgung gezielt über das Kraft-Wärme-Kopplung-Gesetz (KWKG) anzureizen“.
Kapazitäts- und Arbeitsförderung etablieren
Dafür wiederum könne beispielsweise der KWK-Zuschlag für diese Systeme abgeändert werden: in eine Kapazitäts- und Arbeitsförderung. Die Studie stellt hervor, dass mit der Kapazitätsförderung eine Grundförderung erteilt wird. Dadurch würden Anlagen, die die gesicherte Stromerzeugungsleistung bereitstellen könnten, vergütet werden - ähnlich zu den jetzigen Ersatzkraftwerken. Gleichzeitig wird ihre Einsatzzeit mit einer geringeren Arbeitsförderung begrenzt. Dadurch wird der Fokus auf die Bereitstellung einer Grunderzeugungsleistung für die Versorgungssicherheit gelegt.
Ferner wäre eine finanzielle Förderung hilfreich, um die administrativen Strukturen für ein Stromkunden-Management im Mieterstromvertrieb aufzubauen. „Zudem wäre es aus unserer Sicht sinnvoll, bei den innovativen KWK-Ausschreibungen auch kleinere KWK-Systeme, die in der Objekt- und Quartiersversorgung zum Einsatz kommen, zuzulassen“, betont Kehler.
Biomethan im KWKG ist ein Muss
Für eine Defossilisierung der Technologie schlägt die Studie ein Anpassen des Kohleersatzbonus vor, der zwar ein geeignetes Instrument sei, aber auf das Ziel 2030 abgeändert werden müsse. Zudem wurde der Erhalt der Biomethan-Förderung im KWKG als essenziell angesehen. Gleichzeitig müsse Biomethan als erneuerbarer Energieträger im Bundesförderung für effiziente Wärmenetze anerkannt werden.
Politik ist zwiegespalten
Aber - schlussendlich hängen die KWK-Rahmenbedingungen von der Politik ab. Kehler erläutert, dass es zum einen politische Kräfte gibt, die den Nutzen der KWK im Energiesystem erkannt haben und sich aktiv für Erhalt und Ausbau der KWK einsetzen“. Dies finde sich auch in dem Koalitionsvertrag der Ampelregierung wieder: Bei dem zukünftigen Strommarktdesign werden exemplarisch explizit Gaskraftwerke mit KWK genannt werden, die einen Beitrag zum zügigen Zubau gesicherter Leistung zur Absicherung des Atom- und Kohleausstiegs leisten könnten. „Dennoch gibt es auch relevante Kräfte, die die KWK als „fossile Technik“ der Vergangenheit „abtun“ und den Systemnutzen, den die KWK für eine klimaneutrale Strom- und Wärmeversorgung leisten kann, ignorieren“, wirft er kritisch auf.
Ein Konsortium bestehend u.a. aus Zukunft Gas, dem Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK), KWK-Herstellern, aber auch Energieversorgern wie Eins Energie haben die Studie in Auftrag gegeben. (gun)



