Die Gas- und Dampfturbinenanlage soll die letzte Technologie sein, die noch fossile Brenntoffe einsetzt.

Die Gas- und Dampfturbinenanlage soll die letzte Technologie sein, die noch fossile Brenntoffe einsetzt.

Bild: © Stadtwerke Flensburg

Mit der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW; die ZFK berichtete) können die Stadtwerke Flensburg ihre Fernwärme dekarbonisieren. Das Besondere: Das Fernwärmenetz zeichnet sich durch eine Anschlussquote von 90 Prozent aus. Stadtwerke-Chef Dirk Wernicke hat lange auf die Förderung gewartet. „Natürlich standen wir schon in den Startlöchern und haben vieles vorbereitet und geplant, um keine Zeit zu verlieren. Jetzt können wir Nägel mit Köpfen machen und konkretisieren, wie Flensburgs Energieversorgung CO2-neutral wird“, lässt er sich in einer Mitteilung zitieren.

Die Flensburger folgen einem Transformationsplan, wobei Karsten Müller-Janßen, Geschäftsbereichsleiter Anlagenbau, ergänzt: „Den finalen Transformationsplan zur Klimaneutralität wollen wir spätestens Ende 2023 gemäß den Anforderungen der Förderung fertigstellen, aber wir haben schon jetzt sehr konkrete Vorstellungen davon, wie Flensburgs Energiesystem der Zukunft aus heutiger Sicht aussehen soll.“

Prinzipiell wird die Umstellung zur Klimaneutralität in drei Phasen erfolgen. Näheres lesen Sie dazu in der ZfK-Juliausgabe auf Seite 21.

Großwärmepumpe in Planung

Ein Projekt, welches durch die neue Förderung ermöglicht wird, ist die Großwärmepumpe. Diese soll 2025 in Betrieb gehen. Die Stadtwerke Flensburg entziehen dem Flensburger Fördewasser etwas Wärme, geben Strom aus erneuerbaren Energien dazu und erhalten im Ergebnis Fernwärmewasser mit 60 – 85° Celsius. Aus einer Energieeinheit Strom und warmem Fördewasser werden rund drei Einheiten CO2-neutrale Wärme. Positiver Nebeneffekt laut den Flensburgern: Die Förde wird gekühlt und kann besser wichtigen Sauerstoff speichern.

Die erste Großwärmepumpe wird nach heutigem Stand eine Leistung im zweistelligen Megawattbereich haben. Weitere Großwärmepumpen sollen folgen. Ziel ist, 50 Prozent der Wärmeleistung, die Flensburg im Winter benötigt, mit Wärmepumpen zu produzieren. Wenn einige Wärmepumpen das ganze Jahr laufen würden, könnten sie bis zu 70 Prozent der gesamten Flensburger Wärmemenge liefern. Im Sommer, wenn die Haushalte nur heißes Wasser benötigen, könnten ausschließlich Wärmepumpen die Wärmeversorgung klimaneutral übernehmen.

Weitere Möglichkeiten für den Umbau

Die Stadtwerke sehen mit heutigem Wissen und technischem Stand verschiedene technische Möglichkeiten für den weiteren Umbau der Energieversorgung auf Klimaneutralität, wozu u.a. folgende gehören:

  • Einsatz von Biomasse aus Alt- und Restholz
  • weitere Elektrodenheizkessel
  • Schritt für Schritt sollen die Vorlauftemperaturen des Fernwärmewassers abgesenkt werden. Dies funktioniert aber nur, wenn dies zusammen mit einer Sanierung des Häuserbestandes (Wärmedämmmaßnahmen) bzw. Anpassung der Heizungsanlagen erfolgt
  • dezentrale Einspeiser: Abwärme aus der Industrie könnte in das Fernwärmenetz der Stadtwerke Flensburg eingespeist werden. Das Potential in Flensburg ist aber limitiert
  • Letztendlich müssen auch die Reserveheizwerke an den drei Flensburger Standorten auf biogene Brennstoffe umgerüstet werden. 

 (gun)

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