Für neu entstehende Bürogebäude in München-Ramersdorf erstellen die Stadtwerke München (SWM) die Wärme- und Kälteversorgung. In dem Projekt nutzen sie die Energie des oberflächennahen Grundwassers. Vom Sommer 2021 an wird das gewonnene Grundwasser dann als Energiequelle zum Heizen und zum Kühlen eingesetzt, teilen die Stadtwerke mit.
Das Grundwasser wird aus den Förderbrunnen entnommen, zum Nutzer geführt, dort erwärmt oder abgekühlt und anschließend über die Schluckbrunnen zurück in die grundwasserführende Schicht geleitet. Das Wasser wird dabei nicht verändert. Es ist lediglich geringfügig wärmer bzw. kälter als bei der Entnahme. Die Energiezentralen der Gebäude werden mit Niedertemperatur-Wärmepumpen, Kältemaschinen sowie Hybrid-Wärmepumpen-Kältemaschinen ausgestattet.
Energie dreifach nutzen
Die Energie des Grundwassers kann dadurch dreifach genutzt werden: direkte Gebäudekühlung bis zu rund 14°C, Wärmequelle für die Wärmepumpen (Niedertemperaturwärme) und Rückkühlung der Kältemaschinen (für tiefere Temperaturen um die 6°C).
Im Endausbau werden die Anlagen Wärme und Kälte mit einer Leistung von bis zu 3000 Kilowatt erzeugen. Die Hybrid-Wärmepumpe steuert die Erzeugung, wenn Wärme und Kälte gleichzeitig benötigt werden. Damit ist die jederzeit die Versorgung der Bürogebäude inklusive großer Serverräume sichergestellt. Ein ergänzender Fernwärmeanschluss versorgt die Küchen und Kantinen mit Hochtemperaturwärme.
Das Bauvorhaben umfasst fünf Brunnen
Die Bohrarbeiten für insgesamt fünf Brunnen haben begonnen. Diese speisen künftig das Fernkältenetz und werden bis zu 20 Meter tief und 1,50 Meter breit sein. Es entstehen vier Vertikalfilterbrunnen: je zwei fördern das Wasser und zwei führen es wieder zurück.
Zudem errichten die SWM einen Horizontalfilterbrunnen für ein Fernkälteprojekt. Denn in den Sommermonaten erwärmen sich Städte, wogegen die Fernkältehelfen soll. Der Brunnenschacht hat einen Innendurchmesser von 3,20 Meter. In 17 Metern Tiefe hat dieser Schacht drei jeweils 40 Meter lange horizontale Filterstränge. Diese Wasser-Sammelstollen werden mit speziellem Horizontalbohrgerät unterirdisch erstellt. Im Endausbau werden die Brunnen zusammen bis zu 120 Liter Wasser pro Sekunde in das bereits errichtete 2,2 Kilometer lange Fernkältenetz einspeisen.
Fernkälte: ein Mittel gegen die Stadterwärmung
Die SWM erzeugen die Fernkälte zentral und verteilen sie über Rohrleitungen an die Kunden. Natürliche Energiequellen, wie Grundwasser und Stadtbäche, kühlen runter. Helge-Uve Braun, Technischer Geschäftsführer der SWM, sagt in dem Zusammenhang: "So sinkt der Energieeinsatz um bis zu 70 Prozent gegenüber konventionellen Klimaanlagen, entsprechend reduzieren sich auch die CO2-Emissionen."
Zudem entfielen individuelle Anlagen in den Gebäuden und deren Abwärme vor Ort. Damit wirke die Fernkälte auch der sommerlichen Hitzeglocke über der Innenstadt sowie der Gesamterwärmung Münchens entgegen, so Braun. (gun)



