Die Stadtwerke Neumünster (SWN) planen den bundesweit ersten Erdbeckenwärmespeicher. Das Projekt, das zwischen 50 und 60 Mio. Euro kosten soll, steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Pressesprecher Niklas Grewe erläutert, dass im Rahmen einer Machbarkeitsstudie vergleichbare Speicher in Dänemark worden seien. Nun würden Flächen von etwa 13 Hektar Größe, die geeignet scheinen, bei den jeweiligen Eigentümern angefragt: „Dann müssen wir aber erst anfangen, Bodenproben zu nehmen.“ Immerhin, die Baukostenvoranfragen haben seinen Angaben nach begonnen, aber deren Ergebnisse stehen ebenfalls noch aus.
Grewe erklärt das Vorhaben: „Das werden zwei quadratische Betonwannen von 250 Metern Seitenlänge, die das Grundwasser abschirmen. Die werden jeweils zehn Meter tief.“ Die Gruben haben ein Fassungsvermögen von 400.000 Kubikmetern Wasser. „Durch einen acht Meter hohen Wall ergibt sich eine Wassertiefe von rund 17,5 Metern, und wir speichern bei 90 Grad Celsius.“ Die Erhitzung des Wassers im Speicher soll dabei in einer Übergabestation erfolgen, und zwar im Sommerhalbjahr – im Winter wird die Wärme auf demselben Weg zurückgetauscht.
Hocheffizientes, umweltfreundliches Speichermedium
Die Wärme wird aus dem Heizkraftwerk an der Bismarckstraße in Neumünster kommen. SWN-Kraftwerksleiter Reenhard Gerdes sagte nach Angaben des Holsteinische Courier: „Damit könnten wir den Wärmebedarf der Stadt fast komplett über das Heizkraftwerk und den Erdbeckenspeicher decken und bräuchten keine fossilen Zusatzerzeuger mehr.“
Was fast stimmt, denn ein kalter Winter könnte auch nach jetzigen Planungen dazu führen, dass in Neumünster im Februar oder März noch mit den vorhandenen Kohlekesseln nachgeholfen werden muss, um den Wärmebedarf der Stadt zu decken.
Wassermenge im Speicher bleibt immer gleich
Der Erdbeckenwärmespeicher von Neumünster soll einen bedeutenden Beitrag zur Energiewende in der Region leisten. Pressesprecher Grewe freut sich: „Wasser ist ein hocheffizientes, umweltfreundliches Speichermedium!“ Ringsum werde der Speicher sorgfältig isoliert: „Wir rechnen mit einem Verlust von unter 20 Prozent zwischen der Einspeisung im Sommerhalbjahr und dem Ende der winterlichen Heizperiode.“
Die Wassermenge im Speicher bleibe dabei immer gleich, lediglich die Temperatur ändere sich – je nachdem, wieviel Wärme mittels der Übergabestation eingeführt oder abgeleitet werde.
Genehmigungsverfahren ist Neuland
Die Planungen für den Wärmespeicher bei den SWN haben eine gewisse Dringlichkeit. Denn der Kohleausstieg ist für 2022 angesetzt worden, was nötig ist, wenn die CO2-Emission in Neumünster im Wärmesektor bis 2050 um 85.000 Tonnen sinken sollen. Doch Grewe gibt zu bedenken: „Es ist ja sogar noch offen, wie das Genehmigungsverfahren für einen solchen Speicher auszusehen hat.“ Die SWN kenne die Formvorgaben dafür noch nicht. Trotzdem verbreitet der Pressesprecher Optimismus – den Erdbeckenwärmespeicher möchte er am liebsten bereits 2023 oder 2024 in Betrieb nehmen. (sig)



