Wärme

Stadtwerke realisieren Kaltes Nahwärmenetz in Nordfriesland

Seit 2018 suchten die Stadtwerke ein tragfähiges Wärmekonzept: 153 Gebäude werden nun künftig durch das Kalte Nahwärmenetz versorgt.
23.11.2022

Den ersten Spatenstich zum Projekt setzten (v.l.) Hans-Martin Petersen (Bürgervorsteher Gemeinde Leck), Andreas Deidert (Bürgermeister der Gemeinde Leck), Joachim Pilz (Technischer Leiter der Stadtwerke Nordfriesland GmbH), Jan Schulz (Geschäftsführer der Stadtwerke Nordfriesland GmbH) und Ingo Scholz (1. stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Leck).

Noch in diesem Jahr soll mit dem Verkaufsprozess der Grundstücksflächen des Neubaugebietes „Mühlenberg II durch die Gemeinde Leck begonnen werden, das Neubaugebiet wird derzeit erschlossen. Um die Gebäude unabhängig von fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas zu machen, werden die Gebäude dort über die Kalte Nahwärme (KNW) mit Heizenergie versorgt. „Mit der Kalten Nahwärme haben wir die richtige Technik gefunden und mit unseren Stadtwerken Nordfriesland, haben wir einen leistungsfähigen und innovativen Partner für die Umsetzung an unserer Seite“, so Bürgermeister Andreas Deidert. Die Stadtwerke Nordfriesland sind für die Errichtung und den Betrieb des KNW-Konzeptes zuständig und übernehmen in diesem Zusammenhang die Beratung und den Vertrieb, teilt das kommunale Unternehmen mit.

Im ersten Bauabschnitt werden 153 Abnahmestellen mit Kalter Nahwärme versorgt, darunter eine Kita, eine Seniorenanlage sowie Ein- und Zweifamilienhäuser mit Grundstücksgrößen von 600 bis 700 m². Alle Gebäude sollen mittels des innovativen Konzeptes mit Wärme versorgt werden; es besteht ein Anschluss- und Benutzungszwang, wie er bereits beim Trinkwasser üblich ist.  Jan Schulz, Geschäftsführer der Stadtwerke Nordfriesland, sagt dazu: „Wir sind seit 2018 auf der Suche nach einem tragfähigen Wärmemodell für Neubaugebiete. Das Konzept „Kalte Nahwärme“ ist zukunftsfähig." Für das Baugebiet wird ein Gesamtwärmebedarf von jährlich 1.521 Megawattstunden pro Hektar veranschlagt.

So wird die Kalte Nahwärme erschlossen

Um die thermische Energie aus dem Boden für den Einsatz in den Häusern des Neubaugebietes zu nutzen, werden unter dem geplanten Regenrückhaltebecken sowie unter den daran angrenzenden Grünflächen horizontale Kollektoren eingebracht. Diese bestehen aus langen Kunststoffrohrleitungen, durch die ein Gemisch aus Wasser und Glycol (Sole) zwischen der Erdwärmquelle und den Wärmepumpenanlagen im Haus zirkuliert. Die Sole fließt durch die Leitungen und nimmt dabei die thermische Energie aus der Erde auf, wobei sie sich erwärmt. In der Wärmepumpe angekommen, gibt die Sole ihre Energie ab, mit der über die Wärmepumpe Heizwärme und Warmwasser bereitet wird.
 
Während der Heizperiode werden auf diese Weise 73,7 Prozent des Wärmebedarfs durch die Quellenergie aus dem Erdreich gedeckt. Reicht diese Energie nicht aus, wird zusätzlich Strom zum Heizen benötigt. Dieser kann unter anderem aus Photovoltaikanlagen gewonnen werden. Im Sommer können die Häuser über das KNW-Netz umweltfreundlich und kosteneffizient gekühlt werden und tragen gleichzeitig zur Regeneration des KNW-Netzes und der Erdwärmekollektoren bei. Dazu wird die Fließrichtung der Wärme einfach technisch umgedreht. (gun)