Das Wirtschaftsministerium hat zu Wochenbeginn angesichts einer Antragsflut und drohender Mehrkosten in Milliardenhöhe staatliche Förderungen für Neubauten gestoppt.

Das Wirtschaftsministerium hat zu Wochenbeginn angesichts einer Antragsflut und drohender Mehrkosten in Milliardenhöhe staatliche Förderungen für Neubauten gestoppt.

Bild: © wetzkaz/Adobestock

Die enorm gestiegenen Gas- und Strompreise führen einer Studie zufolge dazu, dass Gebäude mit hohem Energieverbrauch verstärkt mit einem Preisabschlag gehandelt werden. Einer Analyse des Immobilienspezialisten Jones Lang LaSalle (JLL) zufolge kommt es wegen teurer Energie zu einer «Spaltung des Wohnungsmarkts». Demnach werden Gebäude mit schlechter Energiebilanz mit höheren Preisabschlägen angeboten als energieeffiziente Immobilien.

Für die Analyse hat JLL Kaufinserate von Mehrfamilienhäusern im ersten Halbjahr 2021 - also vor Ausbruch des Ukraine-Krieges und dem rasanten Anstieg der Energiepreise - mit Inseraten im ersten Halbjahr 2022 verglichen. Dabei wurden die Immobilien nach Objektmerkmalen wie Zustand, Ausstattung und Mikro-Wohnlage aufgeschlüsselt, und es wurde dann berechnet, welche Auswirkungen das auf den Preis hat. So wurden Variablen, die den Einfluss der Energieeffizienz verzerren, isoliert.

Immobilien der höchsten Energieklasse A wurden dann mit Gebäuden aus niedrigeren Klassen bis H am Ende der Skala verglichen. Ergebnis: Je schlechter die Energieeffizienzklasse war, desto höher war der Wertabschlag. Die Abschläge waren in allen Klassen im ersten Halbjahr 2022 größer als ein Jahr zuvor. Noch höher fiel tendenziell der Abschlag in Märkten aus mit einem Angebotsüberhang. Betrachtet wurden bundesweit 10 000 bis 14 000 Kaufinserate je Halbjahr.

Preisdifferenz von bis zu 33 Prozent

Die Preisdifferenz betrug demnach im ersten Halbjahr 2022 je nach Energieklasse zwischen zwölf und 33 Prozent im Mittel. «An Märkten mit hohem Angebotsüberhang und schlechterer Verhandlungsposition der Verkäufer steigt der Preisabschlag in Einzelfällen auf fast 50 Prozent», sagte JLL-Experte Roman Heidrich. Im ersten Halbjahr 2021 hatte sich der Abschlag zwischen 5,6 und gut 30 Prozent bewegt.

Ein Abschlag wegen der Energiekosten lässt sich JLL zufolge auch bei Mietwohnungen beobachten. Bei Wohnungen mit hohem Energieverbrauch waren demnach im ersten Halbjahr 2022 die Nettokaltmieten im Schnitt 4,1 bis 6,6 Prozent niedriger als bei sehr energieeffizienten Wohnungen. Gemessen am ersten Halbjahr 2021 fiel der Abschlag 2,5 Prozent höher aus. Verglichen hatte JLL 190 000 bis 210 000 Mietinserate pro Halbjahr.

"Schlechte Energieffizienz wird in Märkten mit Angebotsüberschuss deutlich abgestraft"

In den vergangenen Jahren seien die warmen Nebenkosten kein wesentliches Kriterium bei der Wohnungswahl gewesen, so JLL. Wegen der hohen Strom- und Gaskosten, durch die vielen Mietern teure Nebenkostenabrechnungen drohen, habe sich das aber geändert. Mieter reagierten sensibler auf den Verbrauch. «Die Folge ist, dass insbesondere in Märkten mit einem Angebotsüberschuss, Wohngebäude mit schlechterer Energieeffizienz deutlich stärker abgestraft werden», sagte JLL-Experte Sebastian Grimm. (hoe/dpa)

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