Die Stadtwerke Norderstedt wollen ihre Fernwärme in den kommenden Jahren deutlich diversifizieren. Erdgas-BHKW sollen dann nur noch zu Spitzenlastzeiten zugeschaltet werden, die Grundlast soll eine Kombination aus Luft-Wärmepumpen, Abwärme, Geothermie und Wasserstoff decken. Damit die einzelnen Technologien möglichst effizient und damit wirtschaftlich zusammenwirken, arbeitet der Versorger heute schon an einer KI-basierten Steuerung.
„Bei einem großen Technologie-Mix, schwankenden Marktpreisen und hydraulischen Herausforderungen haben wir so viele Einflussfaktoren auf die optimale Wärmeversorgung, dass diese nur sehr schwer manuell auszuwählen ist“, erklärt Tim Storbeck, Fachbereichsleiter Gas/Wasser/Wärme bei den Stadtwerken Norderstedt den Anlass für den Einsatz selbstlernender Systeme.
80 Kilometer Netz und mehr als zehn Erzeugungsanlagen
Das Fernwärmenetz in Norderstedt umfasst derzeit über 80 Kilometer und zehn Erzeugungsanlagen. Erst jüngst haben die Stadtwerke einen BHWK-Standort um eine Luft-Wärmepumpe mit einem MW Leistung ergänzt. Eine Zweite soll noch bis Ende dieses Jahres folgen und eine weitere Wärmepumpe ist bereits beauftragt.
Zwar sind heute schon verschiedene Automatismen zur Steuerung der Erzeugungseinheiten im Einsatz, doch von einem intelligenten System erhoffen sich die Stadtwerke neben einer optimierten Fahrweise und der Auswahl der effizientesten Wärmeerzeugung, einen genaueren Überblick über ihre Fernwärmeversorgung zu erhalten – zum Beispiel über das Verhalten der Verbraucher und Anomalien wie Störungen oder Schäden.
Kooperation mit dena und IT-Start-up
Die Stadtwerke sind Teil des Forschungsprojekts „Künstliche Intelligenz in der Fernwärme“, das von der dena begleitet wird. Seit Ende 2021 läuft das Vorhaben in Kooperation mit dem Software-Unternehmen ENER-IQ.
Mittlerweile hat das Projekt schon über die Halbzeit geschafft, bis zum geplanten Ende im Sommer nächsten Jahres gibt es jedoch noch viel zu tun: Aktuell werden gerade die Verbrauchs- und Erzeugungsprognosen und der Einsatz eines neuen Dashboards, das alle Verbraucher und Erzeuger anzeigt, vorbereitet. Im nächsten Schritt soll dann die KI implementiert und getestet werden.
Wärmeplanung macht mehr Automatisierung nötig
Für die Projektverantwortlichen wird es dann noch einmal spannend, schließlich erfordert all das nicht nur hochauflösende Daten mit denen die KI „lernt“, sondern auch jede Menge IT-Schnittstellen. Für Storbeck steht jedoch fest: „Aus meiner Sicht wird in Zukunft, besonders mit Blick auf das Wärmeplanungsgesetz und die kommunalen Wärmeplanung, kein Versorger mehr um eine Optimierung und Automatisierung der Wärmeerzeugung rumkommen.“ (lm)



