Das neue Energiekonzept des Tierparks Berlin umfasst zwei Blockheizkraftwerke (BHKW) und zwei Erdgaskessel, die von einem 50-m³-Wärmespeicher flankiert werden. Verantwortlich für die Umsetzung ist die Gasag Solution Plus. Der Tierpark gilt mit 10.000 Tieren als einer der größten in Europa. Mit einer Fläche von 160 Hektar entspricht er rund 224 Fußballfeldern. Auf diesen finden sich knapp 200 Gebäuden wieder, die auch für die artgerechte Haltung besonders viel Wärme benötigen. Dementsprechend hat der Tierpark einen erheblichen Wärme- und Strombedarf.
Dieser wurde bislang durch eine in die Jahre gekommene und dadurch störanfällige Versorgungslösung gedeckt. Die Modernisierung wäre fast durch eine Ende 2020 vorgenommene Änderung des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes (KWKG) erschwert worden, die jedoch durch eine nachgereichte Übergangsfrist entschärft wurde.

So konnte im Juni die Inbetriebnahme der beiden BHKW mit je 499 kWel und 614 kWth Leistung abgeschlossen werden. Sie stammen vom Hersteller Sokratherm. Allein durch diese Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK-Anlagen) kann die Wärmegrundlast und der gesamte Strombedarf abgedeckt werden. Die durch die BHKW erzeugte Wärmegrundlast macht wiederum ungefähr der Hälfte der notwendigen Heizlast aus. Die zusätzlichen Erdgaskessel steuern je 2.600 kWth Leistung bei und decken die Spitzenlast ab. Insgesamt werden 16.700 MWh Wärme an dem Standort produziert. Parallel dazu wird das ausgedehnte Verteilnetz mitsamt zweier Übergabestationen in einigen Abschnitten modernisiert. In diesem Zuge werden die Vor- und Rücklauftemperaturen abgesenkt, um die Energieeffizienz zu erhöhen.
Partner für fast 14 Jahre
Vom produzierten Strom durch die KWK-Anlagen nutzt der Park etwa die Hälfte selbst, der überschüssige Strom wird ins Netz eingespeist. Mit dem Projekt verdoppelt der Tierpark die Eigenstromerzeugung, wodurch weniger CO2 ausgestoßen und die Kosten erheblich gesenkt werden. Die neuen Anlagen sind außerdem für einen Betrieb mit erneuerbaren Gasen vorbereitet und könnten zukünftig CO2-neutral und ohne Umrüstung mit bis zu 20 Prozent Wasserstoffanteil im Gas betrieben werden. Auch andere Biogase würden funktionieren: "Sowohl die KWK-Anlagen als auch die Erdgaskessel können perspektivisch mit Biomethan betrieben werden", erläutert Gunnar Wilhelm, Geschäftsführer Gasag Solution Plus GmbH, in dem Kontext.
Die Energiepartnerschaft der beiden Berliner Institutionen wurde über 13,5 Jahre vereinbart. In der Partnerschaft übernimmt die Gasag Planung, Investition und Betrieb der neuen Energieanlagen sowie den Energieeinkauf. "Während der Energiepartnerschaft möchten wir gemeinsam mit dem Tierpark herausfinden, an welchen weiteren Stellschrauben wir die Versorgung optimieren und die Effizienz erhöhen können", sagt Wilhelm. Weitere Effizienzsteigerungspotenziale seien bereits identifiziert worden. (gun)



