Der Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland kommt voran.

Der Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland kommt voran.

Bild: © Andreas Arnold/dpa

Ein Bündnis aus Umweltschützern, Gewerkschaftern und Fachverbänden warnt vor dem Einbau wasserstofffähiger Gasheizungen. Die entsprechende Passage müsse aus dem Reformvorschlag für das Gebäudeenergiegesetz gestrichen werden, verlangen die sechzehn Unterzeichner eines offenen Briefs an die Bundestagsabgeordneten, der an diesem Dienstag verschickt werden sollte. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Bundesverband Wärmepumpe, die Gewerkschaft IG Bau, der Verbraucherzentrale Bundesverband und der Zentralverband Deutscher Schornsteinfeger.

«Der Einbau einer neuen Gasheizung in der Hoffnung, diese kurz- oder mittelfristig mit klimaneutralem Wasserstoff betreiben zu können, ist mit immensen ökologischen und finanziellen Risiken verbunden», heißt es in dem Schreiben. «Angesichts der immer drängender werdenden Klimakrise bleibt keine Zeit, auf Scheinlösungen zu setzen und mit ihnen zu rechtfertigen, dass über viele Jahre weiter mit Erdgas geheizt wird.»

Kostenfalle für Verbraucher?

Eine Umstellung von Netzen, Hausanschlüssen und Heizungen von Erdgas auf Wasserstoff sei «in der Breite des Gebäudesektors weder technisch noch wirtschaftlich umsetzbar», so die Unterzeichner. Zudem werde Wasserstoff selbst nach 2030 ein knappes und teures Gut bleiben, für Verbraucher drohe die Investition in eine wasserstofffähige Gasheizung damit zur Kostenfalle zu werden. Für die Wärmewende brauche es Planungssicherheit. «Das unbegründete Inaussichtstellen von Wasserstoff für die Gebäudeversorgung verfestigt hingegen Geschäftsmodelle mit fossilen Energieträgern.»

Zu einer anderen Einschätzung kommt Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (CSU). Er macht sich für Wasserstoff stark. «Wasserstoff ist vielfach die einzige Lösung, in absehbarer Zeit, bis 2030/35, überhaupt von fossilen Energieträgern wegzukommen», sagte Aiwanger am Dienstag.

Gasnetz nutzen

Bei der Umstellung auf klimaneutrale Heizungen wäre nach Aiwangers Einschätzung ein Hauptvorteil, dass das bestehende Erdgasnetz nach Umrüstung weiter genutzt werden könnten. «Beispielsweise will Energie Schwaben das Gasnetz auf Wasserstoff umstellen», sagte er. «Die bestehenden Gasnetze sind eine Infrastruktur mit Milliardenwert, es wäre fatal, das rauszuschmeißen und neue Stromsysteme aufzubauen.»

Ab 1. Januar 2024 würden Zehntausende Besitzer alter Erdgasheizungen vor der Frage stehen, «ob sie das ganze Haus teuer umbauen und Wärmepumpe einbauen oder ohne großen Aufwand eine neue H2-ready Gasheizung, die in den nächsten Jahren schrittweise auf Wasserstoff umgestellt werden kann.»

Den Wasserstoffgegnern warf Aiwanger vor: «Diese einseitige ideologische Festlegung auf Strom und Wärmepumpe ist falsch.» In vielen Häusern, gerade auch älteren Mietshäusern in den Städten, funktioniere der Einbau von Wärmepumpen nicht vernünftig. (dpa/amo)

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