Eine Kläranlage als Wärmequelle, eine engagierte Bürgerinitiative und mehrere potenzielle Großabnehmer. Die Ausgangsbedingungen für die Wärmewende in Windeck-Dattenfeld (Nordrhein-Westfalen) klangen vielversprechend.
Und doch kommt eine Machbarkeitsstudie zu einem ernüchternden Ergebnis: Ein zentrales Wärmenetz lohnt sich für die Endkunden in dem Ort nicht. Dezentrale Lösungen – also Wärmepumpen oder Biomassekessel – sind günstiger.
Beauftragt hatte die Studie der Siegburger Energieversorger Rhenag Energie, unterstützt von der Rhein-Sieg Netz, der Windeck Energie, dem Planungsbüro Heatbeat Engineering sowie der Bürgerinitiative Nahwärme-Windeck und der Gemeinde Windeck selbst.
Weitläufige Bebauung als Kostentreiber
Der Hauptgrund für das negative Ergebnis liegt dabei in der Siedlungsstruktur. Der Windecker Ortsteil Dattenfeld ist geprägt von vielen Einfamilienhäusern, die weit verstreut liegen. Es gibt nur wenige Mehrfamilienhäuser und kommunale Liegenschaften. Das treibt die Netzinfrastrukturkosten pro erzeugter Wärmemenge in die Höhe. "Wir wissen jetzt mehr darüber, unter welchen Voraussetzungen Wärmenetze im ländlichen Raum sinnvoll sind", wird Norman Petersson, Leiter Energiegeschäft bei Rhenag Energie, in einer Presseaussendung zitiert.
Trotz des negativen Befunds sieht Petersson den Wert der Studie in ihren Lerneffekten für die Branche: Wärmenetze auf dem Land funktionieren zwar grundsätzlich, aber eben nur unter bestimmten Voraussetzungen. Dazu zählten dicht bebaute Ortskerne, in denen dezentrale Lösungen baulich schwierig sind, verlässliche Wärmequellen aus möglichst mehreren Energieträgern sowie ein stabiler Mix aus kommunalen und gewerblichen Abnehmern mit langfristiger Standortbindung.
Teilnetze bleiben denkbar
Auch die Gemeinde betont den Erkenntnisgewinn. "Auch wenn ein flächendeckendes Wärmenetz in Dattenfeld derzeit nicht wirtschaftlich realisierbar ist, gewinnen wir damit eine wertvolle Grundlage für die Entwicklung nachhaltiger und bezahlbarer Wärmelösungen in Windeck", wird Thomas Becher, Beigeordneter der Gemeinde Windeck und Geschäftsführer der Windeck Energie, zitiert.
Vollständig vom Tisch ist die Idee eines Wärmenetzes damit jedoch nicht. Kleinere, gebäudebezogene Verbünde – etwa der Zusammenschluss benachbarter Häuser – bleiben laut Studie weiterhin denkbar.
Auch ein System aus Hackschnitzelkessel und Klarwasser-Wärmepumpe, gespeist aus der örtlichen Kläranlage, hatte die Analyse als technisch mögliche Variante für ein Niedertemperaturnetz mit 70 Grad Vorlauftemperatur geprüft. Am wirtschaftlichen Gesamturteil änderte auch das nichts.