Von Jürgen Walk
Die Kommunale Wärmeplanung (KWP) gewinnt in diesem Jahr spürbar an Dynamik. Deutlich mehr Kommunen als im Vorjahr befinden sich inzwischen in Vorbereitung oder Durchführung eines Wärmeplans. Ein wachsender Anteil hat den Prozess bereits abgeschlossen. Das zeigt eine große Umfrage des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW), einem Projekt der Deutschen Energieagentur Dena.
Damit rückt der Fokus der Kommunen immer stärker auf die Umsetzung konkreter Maßnahmen. Dennoch bleiben viele Zweifel. Die Mehrheit der Kommunen attestiert sich selbst eher mittelmäßiges Wissen. Selbst unter den Kommunen, die die Wärmeplanung bereits abgeschlossen haben, gibt es eine nicht unbeträchtliche Zahl, die ihr Wissen über die KWP für mäßig und damit verbesserungswürdig hält. Hinzu kommt Skepsis einer Mehrheit, ob das eigene Zielszenario überhaupt realistisch zu erreichen ist.
Viele beklagen Probleme bei Datenbeschaffung
Beim Wissensstand zeigt sich eine leichte Verbesserung gegenüber 2024, doch bleibt die Mehrheit bei einer mittleren Selbsteinschätzung. Auffällig ist, dass selbst Kommunen mit fertigem Wärmeplan zu einem Fünftel eher oder sogar sehr geringe Kenntnisse angeben. Austauschformate mit Fachakteuren werden häufiger genutzt, je weiter die Kommune im Prozess fortgeschritten ist. Mit Abschluss des Wärmeplans nimmt ihre Nutzung jedoch wieder ab.
Fast die Hälfte der befragten Kommunen hatte Probleme bei der Datenbeschaffung. Die häufigsten Probleme (rund 70 Prozent) waren lange Wartezeiten bis zur Datenbereitstellung und die geringe Kooperationsbereitschaft von Datenlieferanten. Als häufigster Wunsch wird die zentrale Bereitstellung von Schornsteinfegerdaten sowie Daten zu Prozesswärme und Wärmebedarfen für Einzelgebäude genannt.
Aber was empfehlen Kommunen, die bereits weit im Prozess fortgeschritten sind? Wichtigster Tipp ist die Auswahl eines kompetenten Dienstleisters. Bereits in der Ausschreibung sollten klare Anforderungen in Bezug auf Beteiligungsformate und einen regelmäßigen Austausch gestellt werden. Statt nur auf den Preis zu achten, sollten Fachkompetenz, Referenzen und – wenn möglich – die räumliche Nähe zur Kommune entscheidend sein.
Regionale Akteure einbinden
Wichtig sei auch, die regionalen Akteure, also Stadtwerke, Energieversorgungsunternehmen, Netzbetreiber, die politischen Vertreterinnen und Vertreter sowie große regionale Unternehmen mit Abwärmepotenzialen frühzeitig in die Wärmeplanung einzubinden. "Zudem sollte ein Engagement der lokalen Stadtwerke über den Abschlussbericht hinaus unbedingt angestrebt oder sogar eingefordert werden", heißt es bei der Dena.
Maßgeblich sei drittens die Akzeptanz in der Bevölkerung. Kommunen sollten sich daher frühzeitig mit der zuständigen Pressestelle auseinandersetzen und eine Kommunikationsstrategie aufsetzen, in der die Stärken, aber auch die Grenzen der KWP klar aufgezeigt werden.
Um Verzögerungen zu vermeiden, wird viertens empfohlen, die Bestandsdaten bei Netzbetreibern sowie den Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfegern noch vor der Ausschreibung eines KWP-Dienstleisters anzufragen. Eine Überprüfung der gelieferten Daten auf Plausibilität ist dringend erforderlich. Ein Großteil der befragten Kommunen hat die Erfahrung gemacht, dass die KWP und insbesondere die Bestandsanalyse sehr zeitaufwendig sind und deutlich mehr Ressourcen erfordern als vergleichbare Projekte auf kommunaler Ebene. Viele Kommunen gehen davon aus, dass der ursprünglich festgesetzte Bearbeitungszeitraum überschritten wird.
Schließlich empfehlen die befragten Kommunen, Zuständigkeiten in der Verwaltung frühzeitig festzulegen und klar zu benennen. Es sei nicht ratsam, sich nur auf Dienstleister zu verlassen. Eine gute KWP erfordert auch das Mitwirken der Stadtverwaltung selber.
Denn rund neun von zehn Kommunen vergeben die Erstellung des Wärmeplans überwiegend oder vollständig an Dienstleister. Größere Städte führen die KWP teilweise selbst durch, doch Eigenleistungen bleiben insgesamt die Ausnahme. Die durchschnittliche Dauer eines KWP-Prozesses beträgt 18,3 Monate. Kleine Kommunen benötigen mit 16,6 Monaten etwas weniger Zeit, während Großstädte mit fast 20 Monaten am längsten planen. Die Datenerhebung stellt mit rund fünf Monaten den zeitintensivsten Abschnitt dar.
Zweifel an der Umsetzbarkeit
Die Kosten der Wärmeplanung liegen mit 3,79 Euro pro Einwohner nahezu auf Vorjahresniveau. Trotz der wachsenden Bedeutung der Wärmewende planen nur 13 Prozent der Kommunen zusätzliche Stellen für Koordination und Umsetzung ein. Die meisten gehen von einem Bedarf zwischen 0,5 und einer Stelle aus – ein Hinweis auf weiterhin sehr knappe personelle Ressourcen.
Bei der Entwicklung des Zielszenarios sehen sich viele Kommunen methodisch gut begleitet, doch nur 45 Prozent halten ihr eigenes Szenario überhaupt für realistisch. Mehrere Szenarien zum Vergleich zu erstellen, ist in der KWP eher eine Minderheitenposition. Gleichzeitig wird deutlich, dass in nahezu allen Phasen fehlendes Personal, begrenzte Finanzierungsmöglichkeiten und ein hoher Mehraufwand zentrale Herausforderungen darstellen. Für die Umsetzenden rücken zudem die Finanzierung konkreter Maßnahmen und die Beteiligung relevanter Fachakteure in den Vordergrund.



