Ganz verziehen haben die Wärmepumpenhersteller den Erdinger Auftritt des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger aus dem Jahr 2023 noch nicht. Damals hatte der stellvertretende bayerische Ministerpräsident bei einer Demonstration gegen das "Heizungsgesetz" in durchaus umstrittener Rhetorik gefordert, die "schweigende Mehrheit" müsse sich "die Demokratie wieder zurückholen". Die Ampelregierung – laut Aiwangers damaliger Rede die "Berliner Chaoten" – ist mittlerweile Geschichte, die Emotionen sind vielleicht etwas abgekühlt. Die bayerische Wärmepumpenbranche hat sich nun in die Höhle des Löwen begeben und Aiwanger besucht – und sie berichtet von konstruktiven Gesprächen in durchaus sachlicher Atmosphäre.
Denn die Wärmepumpe ist auch in Bayern längst zur bevorzugten Heiztechnologie avanciert. Vertreter von Industrie- und Handwerksunternehmen der Branche sowie des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP) haben sich daher mit dem bayerischen Staatsminister getroffen, um die Bedeutung der Wärmewende für den Wirtschaftsstandort Bayern zu unterstreichen. Hintergrund des Besuchs waren die bevorstehenden Entscheidungen in Berlin zum Gebäudeenergiegesetz (GEG) und zur Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG). Die Unternehmen fordern von der Landesregierung, sich für einen verlässlichen gesetzlichen Rahmen und eine nachhaltig finanzierte Förderkulisse einzusetzen.
Bayern soll sich für's Heizungsgesetz einsetzen
Konkreter Anlass des Treffens war ein gemeinsames Schreiben von 17 Unternehmen an Ministerpräsident Markus Söder (CDU) und Minister Aiwanger (Freie Wähler). Die Branche hatte darin die Forderung nach einer Führungsrolle Bayerns bei der erneuerbaren Wärme bekräftigt. Das Handwerk investiere derzeit massiv in neue Mitarbeiter und Weiterbildung, um den steigenden Informationsbedarf zu decken.
Auch die Industrie sieht Handlungsbedarf. Kerstin Wolff, Geschäftsführerin des Kulmbacher Wärmepumpenherstellers Glen Dimplex, betont: "Die deutsche Wärmewende und der Wirtschaftsstandort Bayern sind eng miteinander verflochten. Wir erwarten von der Landesregierung, dass sie sich in Berlin für ein Gebäudeenergiegesetz einsetzt, das Planungssicherheit bietet."
Die Heizungsförderung gilt als entscheidender Hebel für Investitionen. Laut Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP), löst jeder Euro Fördermittel das Vierfache an Investitionen im Gebäudebestand aus. Bayern profitiere dabei überproportional: Rund 20 Prozent der Fördermittel – etwa 500 bis 600 Millionen Euro jährlich – fließen in den Freistaat. Seit Anfang 2024 haben demnach bereits rund 100.000 bayerische Hauseigentümer die Förderung genutzt.
"Die Wärmepumpe ist längst kein Nischenthema mehr, sondern die Zukunftstechnologie für die allermeisten Gebäude", so Sabel. Sie stehe für High-Tech-Arbeitsplätze, Unabhängigkeit bei der Energieversorgung und wirtschaftliches Wachstum. Die Branche sieht sich gut aufgestellt, um eine sichere, bezahlbare und klimaverträgliche Wärmeversorgung "Made in Bavaria" zu gewährleisten – vorausgesetzt, die Politik schafft die nötigen Rahmenbedingungen.
Unsicherheit bremse den Markt bislang deutlich, berichten die Teilnehmer des Gesprächs – politische Diskussionen und die Kommunikation rund um das Gebäudeenergiegesetz haben zu Kaufzurückhaltung und einem massiven Einbruch beim Heizungstausch geführt. Darin sei man sich mit Aiwanger einig gewesen. Aiwanger habe Offenheit und Versachlichung signalisiert. Nach Aussage der Teilnehmer zeige er großes Interesse, Ideologie aus der Diskussion herauszunehmen und einen technologieoffenen Ansatz zu stärken.
Aber gibt es auch konkrete Ergebnisse? Durchaus, berichten die Teilnehmer. So habe Aiwanger etwa eine öffentlichkeitswirksame Podiumsdiskussion vorgeschlagen. Vertreter verschiedener Heiztechnologien sollen dabei "im Wettbewerb" unter seiner Schirmherrschaft Lösungen vorstellen. Für diese "Battle" sehen sich die Vertreter der Wärmepumpenbranche jedenfalls gut gerüstet: "Wir freuen uns auf dieses Format", hieß es auf einer Pressekonferenz des Verbands und der Unternehmen.






