Ein nach dem Energiesprong-Prinzip saniertes Haus in den Niederlanden

Ein nach dem Energiesprong-Prinzip saniertes Haus in den Niederlanden

Bild: © Frank Hanswij/Energiesprong International

Vorreiter beim seriellen Sanieren sind die Niederlande, wie bei dem Dena-Panel "Mehr Wohnqualität, neutrale Klimabilanz, keine höhere Miete – so geht die Bestandssanierung", deutlich wurde. In den Niederlanden wurden in vergangenen Jahren bereits über 5000 Gebäude nach dem Energiesprong-Prinzip (Energiesprung) saniert.

Hierbei werden mit einem digitalisierten Bauprozess, industriell vorgefertigten Fassaden und Dachelementen und einem innovativen Finanzierungsmodell Gebäude innerhalb wenige Wochen auf einen NetZero-Standard (Nullenergiehaus) gebracht, bei dem sie im Jahresmittel so viel erneuerbare Energie erzeugen, wie für Heizung, Warmwasser und Strom benötigt wird.

Chance energetische Sanierungsquote bis 2030 zu verdoppeln

Nach Einschätzung der Deutschen Energie-Agentur (Dena) bietet das serielle Sanieren nach dem Energiesprong-Prinzip die Chance, die energetische Sanierungsquote in Deutschland innerhalb der kommenden 10 Jahre zu verdoppeln und mindestens 30 Millionen Tonnen C02 im Gebäudebestand bis 2030 einzusparen.

Doch dahin ist es noch ein längerer Weg. Zwar wurde jüngst in Hameln (Niedersachsen) ein erstes Pilotprojekt realisiert und Unternehmen wie Vonovia, die kommunale VBW Bauen und Wohnen (Bochum) und die B&O Gruppe treiben entsprechende serielle Sanierungen voran. Doch insgesamt hinkt Deutschland hier noch hinterher und gibt noch viele Hürden für die Marktentwicklung, wie das Panel beim Energiewende-Kongress der Dena am Dienstag zeigte.

"Die Bauwirtschaft muss sich neu erfinden"

"Die Bauwirtschaft muss sich neu erfinden", brachte es Uwe Bigalke, Teamleiter Energieeffiziente Gebäude bei der Dena auf den Punkt. Dazu gehören Digitalisierung von Planungs- und Fertigungsabläufen, industrielle Vorfertigung und entsprechend breit verfügbare und bezahlbare Produkte, beispielsweise standardisierte Fassaden mit eingebauten Heizungsmodulen.

Auch bremsen ein Wirrwarr von Normen und Standards, landesrechtliche oder kommunale Bauvorschriften sowie eine Überregulierung bei erneuerbarem Strom und Wärme einen Markthochlauf. So verwies der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Mindrup darauf, dass in den Niederlanden die Kostenvorteile des seriellen Sanierens und Bauens mit den Kostenvorteilen einer Eigenversorgung durch Photovoltaik verknüpft werden.

"Was fehlt ist ein ganzheitlicher Ansatz"

In Deutschland allerdings würden Prosumer, vor allem durch eine zu hohe Umlagenbelastung beim Strom und von Energiespeichern, ausgebremst und Mieterstromprojekte bürokratisch erschwert.

"Was fehlt ist ein ganzheitlicher Ansatz", sagte Mindrup. So wolle das novellierte Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) zwar Quartierskonzepte voranbringen, gleichzeitig behindere jedoch der Regierungsentwurf für ein EEG 2021 Prosumer und greife beim Mieterstrom zu kurz. Gleichzeitig brach er eine Lanze für die Kombination des seriellen Sanierens mit Quartierskonzepten.

Mieterstrom entbürokratisieren   EEG-Umlage runter

Rückendeckung erhielt er für diese Einschätzung von Christian Kühn, Sprecher für Bau- und Wohnungspolitik der Grünen Bundestagsfraktion sowie von Konstantina Kanellopoulos, Generalbevöllmächtigte der Vonovia.

Kanellopoulos sieht die erneuerbare Energieversorgung von seriell sanierten Bestandsgebäuden als zentrales Thema und plädierte ebenfalls für eine Entbürokratisierung beim Mieterstrom sowie die Reduzierung oder den Wegfall der EEG-Umlage bei der Nutzung oder Speicherung von erneuerbarem Strom. (hcn)

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