Für den Stephansdom in Wien zählen die neuen Energieregelungen in der Bauverordnung 2018 nicht.

Für den Stephansdom in Wien zählen die neuen Energieregelungen in der Bauverordnung 2018 nicht.

Bild: © Katharina Wieland/pixelio.de

"Die Dekarbonisierung ist in der Praxis angekommen. Es gibt keinen Grund, diese auf die lange Bank zu schieben, schreiten wir zur Umsetzung". Dies unterstrich Karl Gruber, der Geschäftsführer von Wien Energie, bei einem Panel des Energiegipfels 2019 des Handelsblattes am Donnerstagnachmittag in Berlin. Das zu 100 Prozent kommunale Unternehmen ist mit über zwei Millionen Privatkunden und über 200.000 gewerblichen Kunden der größte Energiedienstleister Österreichs.

Anlass für die Dekarbonisierungsstrategie von Wien Energie war laut Gruber das Pariser Klimaschutzabkommen. Zwei Szenarien zeigen die Wege und die nötigen Investitionen (16 Mrd. Euro/28 Mrd. Euro) zu einer 80-prozentigen beziehungsweise 100-prozentigen Dekarbonisierung der Hauptstadt der Alpenrepublik bis zum Jahr 2050 auf. Wobei Gruber seine Präferenz für eine möglichst vollständige Dekarbonisierung unterstrich. "Allerdings muss es dabei darum gehen, die Menschen vor Ort mitzunehmen, vor allem im Bereich der energetischen Gebäudesanierung, und klar zu machen, dass es auch um mehr Lebensqualität geht", sagte er.

KWK und Fernwärmenetz als Rückgrat

"Die größte Herausforderung ist es, die Wärme erneuerbar zu machen", betonte Gruber. Hierbei setzt Wien Energie stark auf ein vorhandenes, weitläufiges Fernwärmenetz und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) sowie Effizienzmaßnahmen. Es müsse auch darum gehen, bestehende Anlagen und Infrastruktur zu erhalten, doch diese nicht mehr fossil, sondern erneuerbar zu betreiben. Eine zentrale Rolle spiele zudem die aktive Bewirtschaftung des Fernwärmenetzes als Speicher für die Sektorenkopplung. Zudem sei es unverzichtbar, den jetzigen Wärmebedarf zu senken und den Rest regenerativ zu decken. "Ansonsten wird die Wärmewende nicht gelingen", sagte Gruber.

Großes Potenzial sieht er in der Einbindung der Geothermie ins Wiener Fernwärmenetz. Liegt doch der Großteil des wirtschaftlich nutzbaren Geothermiepotentials Österreichs in Höhe von 700 MWth im Bereich der Großstadt. Bereits installiert ist im Bezirk Simmering die mit rund 40 MW größte Wärmepumpe Mitteleuropas, die den Kühlkreislauf vorhandener Kraftwerke sowie das Wasser eines Donaukanals als Wärmequelle nutzt. Diese speist ebenso wie eine 1 MW starke Solarthermieanlage ins Fernwärmenetz ein, künftig soll auch grünes Gas genutzt werden. Rückgrat hierfür ist die stark ausgebaute KWK, die laut Gruber in der Lage ist, bei einer kalten Dunkelflaute 50 Prozent des thermisch erzeugten Strombedarfs ganz Österreichs zu decken und über eine installierte Leistung von 1800 MWel und 1500 MWth verfügt.

Power-to-Heat und Schwarmkraftwerk

Vorne dabei ist Wien Energie auch im Bereich Power-to-Heat mit zwei Elektrodenkesseln mit je 10 MW Leistung im Stadtteil Leopoldau, die überschüssigen Strom nutzen. Dazu kommt ein Schwarmkraftwerk Flex Pool, in das derzeit 100 Anlagen eingebunden sind. "Derzeit arbeiten wir gemeinsam mit Siemens an einem Upgrade, künftig sollen dort 10.000 Anlagen eingebunden sein", berichtete Gruber. (hcn)

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