Teilen Sie die kritische Einschätzung der Plattform Erneuerbare-Energien Baden-Württemberg, dass von Seiten der Stadtwerke zu wenig in Wärmenetze investiert wird?
Die kommunalen Unternehmen betreiben seit vielen Jahren Wärmenetze, sowohl in Verdichtungsräumen wie auch im ländlichen Raum. In den vergangenen Jahren wurden die Investitionen in Wärmenetze deutlich hochgefahren. Im Jahr 2018 beispielsweise haben die kommunalen Unternehmen in Baden-Württemberg rund 160 Mio. EUR in Wärmenetze investiert.
Schon heute betreiben kommunale Unternehmen im Land Wärmenetze mit einer Gesamtlänge von 2.700 km – Tendenz steigend! Grundsätzlich sind die kommunalen Unternehmen stets offen für Innovationen. Viele kommunale Wärmenetze sind geprägt von innovativen Konzepten, beispielsweise im Bereich der Solarthermie.
Was wären aus ihrer Sicht zentrale Hebel, um möglichst regenerativ betriebene Wärmenetze in Baden-Württemberg voran zu bringen?
Die Flächenverfügbarkeit ist ein wichtiges Instrument, um solar betriebene Wärmenetze auszubauen. Hier gibt es noch Verbesserungspotential. Kommunale Unternehmen sind ideale Akteure zum Ausbau von Wärmenetzen, da sie Synergien mit anderen Infrastrukturen heben können, beispielsweise mit der Verlegung von Glasfaserleitungen.
Darüber hinaus gibt aus auch auf Bundesebene wichtige Stellschrauben, die zügig gedreht werden müssen. Dazu gehört etwa die Verbesserung der Förderung erneuerbarer Energien im Wärmebereich, eine auskömmliche Finanzierung (1 Milliarde jährlich) und höhere Verlässlichkeit in der geplanten Bundesförderung effiziente Wärmenetze, eine gezielte Förderung der Auskopplung von Abwärme bei Industrieunternehmen sowie die Möglichkeit zum Nutzen statt Abregeln für power-to-heat-Anwendungen zu schaffen.
Bringt das jüngst verabschiedete neue Klimaschutzgesetz in Baden-Württemberg, das unter anderem eine kommunale Wärmeplanung vorschreibt, wesentliche Verbesserungen?
Der VKU unterstützt die verpflichtende kommunale Wärmeplanung, die die 103 Große Kreisstädte und Kreisfreie Städte adressiert. In diesen Planungen werden Wärmenetze eine wichtige Rolle spielen. Wichtig für den VKU ist, dass die Umsetzung der Wärmepläne auch verpflichtend wird. Hohe Potentiale sieht der VKU zudem in kleineren Kommunen mit hohem Ölheizungs-Anteil. Hier sollten auch Instrumente gefunden werden, Wärmeplanungen voranzutreiben.
Die Fragen stellte Hans-Christoph Neidlein
Mehr zur Wärmewende und zu Wärmenetzen finden Sie in der kommenden November-Ausgabe der ZfK, die am 9. November erscheint.



