Wie geht es weiter nach der kommunalen Wärmeplanung

Bis spätestens 2028 müssen Gemeinden eine kommunale Wärmeplanung vorlegen.
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David Dybeck
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Gastbeitrag von
David Dybeck,
Consultant und Projektleiter kommunale Wärmeplanung und Transformationsplanung von Wärmenetzen
Horizonte-Group
Es fehlt nicht an Plänen, sondern an Strukturen
Die Wärmewende droht an einer Umsetzungslücke zu scheitern: Es fehlt nicht an Plänen – sondern an Organisationsstrukturen. Während Bund und Länder ambitionierte Vorgaben für die kommunale Wärmeplanung machen, kämpfen viele Städte und Gemeinden mit fehlendem Personal, mangelnder Erfahrung und leeren Kassen.
Bis spätestens 2028 müssen alle Kommunen einen Wärmeplan vorlegen. Doch für die meisten Verwaltungen ist das Neuland. Technische Expertise in Wärmenetzfragen ist selten vorhanden und die finanziellen Spielräume sind eng. Externe Planungsbüros übernehmen derzeit viele Aufgaben – teilfinanziert über die Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) oder Landesprogramme.
Zwar deutet derzeit vieles darauf hin, dass die BEW auch nach 2026 fortgesetzt wird. Die Bundesregierung hat signalisiert, dass sie die Förderung als zentrales Instrument der Wärmewende versteht. Allerdings bleibt ein kritischer Unsicherheitsfaktor: Eine weiterhin angespannte wirtschaftliche Lage könnte auch die haushaltspolitischen Spielräume beeinflussen, von denen die BEW abhängt.
Die kommunale Wärmeplanung liefert wertvolle Analysen, doch aus Konzepten müssen im Anschluss konkrete Projekte werden: Wärmeerzeuger, Netze, Betreiberstrukturen. Ab 2026 beziehungsweise 2028 greifen die Gebietsausweisungen des Wärmeplanungsgesetzes (WPG). Hauseigentümer müssen sich dann entscheiden, wie sie künftig heizen wollen. Doch was, wenn noch kein Wärmenetzbetreiber existiert, der einen Anschluss in den nächsten zehn Jahren zusagen kann? Ohne klare Perspektive werden sich viele Eigentümer für Einzellösungen entscheiden – etwa Wärmepumpen oder Pelletheizungen. Damit droht die wirtschaftliche Basis für Wärmenetze zu schwinden, bevor sie überhaupt entstehen.
Wärmeinfrastrukturplaner statt Klimaschutzmanager
Bisher lag die Koordination solcher Aufgaben oft bei den Klimaschutzmanagern. Ihre Rolle ist jedoch meist auf strategische und kommunikative Themen beschränkt. Was nun gebraucht wird, ist ein neues Berufsbild: der Wärmeinfrastrukturplaner. Diese Position verbindet technisches Verständnis, Projektsteuerung und Förderkompetenz. Sie kann die Brücke zwischen Verwaltung, Energieversorgern, Planungsbüros und Bürgern schlagen. Ein solcher Ansatz würde die Wärmewende professionalisieren und die eigene Handlungsfähigkeit gegenüber sich ändernde Förderkulissen absichern.
Die kommunale Wärmeplanung ist ein wichtiger Schritt – aber sie allein bringt keine Wärmenetzinfrastruktur. Im nächsten Schritt braucht es Fachpersonal, Planungssicherheit und eine Verstetigung der Förderung. Der Klimaschutzmanager hat den Anfang gemacht – der nächste Schritt muss der Wärmeinfrastrukturplaner sein. Nur so gelingt der Übergang von der Strategie zur Umsetzung. Sonst droht Deutschland eine neue Förderrunde ohne Umsetzung.


