Von Jürgen Walk
Fernwärme ist ein wichtiger Baustein für die Energiewende. Sie verursacht deutlich weniger CO₂-Emissionen als Einzelheizungen. Dabei spart sie in den Häusern Platz für eigene Heizsysteme. Und sie wird immer klimafreundlicher. Immer mehr Anlagen werden auf Biomasse, Geothermie oder industrielle Abwärme umgestellt.
Dabei gibt das Wärmeplanungsgesetz einen festen Pfad vor: 2030 muss der Anteil erneuerbarer Energien oder unvermeidbarer Abwärme in jedem Wärmenetz mindestens 30 Prozent betragen, bis 2040 mindestens 80 Prozent. Bis 2045 müssen dann alle Netze vollständig klimaneutral sein. Eine wachsende Anzahl der Wärmenetze ist aber heute schon so weit.
Die Fern- und Nahwärmeversorgung in den vier nordöstlichen Bundesländern Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern steht daher vor erheblichen strukturellen Veränderungen. Während die historisch gewachsene Wärmeversorgung in diesen Regionen stark von fossilen Energieträgern wie Erdgas, Braunkohle und teilweise Steinkohle abhängig war, verschiebt sich der Fokus zunehmend auf erneuerbare Wärmequellen, die Dekarbonisierung der Netze und die Integration von Speichertechnologien.
Dezentrale Netze gewinnen an Bedeutung
In Berlin spielt das Fernwärmenetz eine zentrale Rolle, da es einen großen Teil des städtischen Wärmebedarfs abdeckt. Zukünftige Entwicklungen konzentrieren sich auf die Umstellung von kohlebasierten Großkraftwerken hin zu gasbasierten oder perspektivisch wasserstofffähigen Anlagen, ergänzt durch Großwärmepumpen, die Abwärme aus Wasserläufen und Abwasser nutzen. Geplante Projekte zur Einbindung von Solarthermieanlagen und saisonalen Wärmespeichern sollen die Resilienz des Netzes erhöhen und die Abhängigkeit von fossilen Energien reduzieren.
Brandenburg wiederum verzeichnet im Bereich der Nah- und Fernwärme ein heterogenes Bild. Ländliche Regionen dominieren dort, wodurch kleinere, dezentrale Nahwärmenetze an Bedeutung gewinnen. Hier wird die Integration von Biomasseheizwerken und die Nutzung von industrieller Abwärme vorangetrieben. Zukunftsstrategien beinhalten den Ausbau von Wärmenetzen in Mittelzentren, die Kopplung mit Photovoltaik- und Windstromanlagen sowie die Einbindung von Power-to-Heat-Technologien.
In Sachsen-Anhalt ist die Wärmeinfrastruktur stark durch die industrielle Prägung der Chemie- und Logistikstandorte beeinflusst. Langfristige Planungen zielen darauf ab, industrielle Abwärme systematisch in Fernwärmenetze einzuspeisen und bestehende kohlebefeuerte Blockheizkraftwerke sukzessive stillzulegen oder auf klimaneutrale Brennstoffe umzurüsten.
Mecklenburg-Vorpommern verfügt über zahlreiche kleine und mittlere Städte mit eigenständigen Wärmenetzen. Die Zukunftsplanung fokussiert sich auf die Nutzung von geothermischen Ressourcen, den Einsatz von Wärmepumpen im größeren Maßstab sowie die Sektorenkopplung mit dem umfangreichen Windkraftpotenzial der Region.
Braunsbedra, Großkayna, Mücheln (Sachsen-Anhalt)
Das Netz der Energie-, Wasser-, Abwassergesellschaft Geiseltal mbH (EWAG) in Braunsbedra wird mit Abwärme aus Bio-Abfall, die Netze in Großkayna und Mücheln werden mit der Wärme aus Holzhackschnitzeln gespeist.
Dänholm:
Das Blockheizkraftwerk der Stadtwerke Stralsund auf dem Dänholm wird mit Biomethan betrieben.
Magdeburg-Rothensee
Der Abfall, den Kommunen oder Gewerbebetriebe täglich im Müllheizkraftwerk anliefern, wird thermisch verwertet und durch Kraft-Wärme-Kopplung in Strom und Fernwärme umgewandelt. Mit der Abwärme erzeugt das Müllheizkraftwerk Rothensee 350.000 MWh Fernwärme für mehr als 44.000 Haushalte und Gewerbe der Landeshauptstadt Magdeburg. Zudem speist ein Biomasseheizkraftwerk in Rothensee ebenfalls in das Wärmenetz der Stadtwerke Magdeburg ein. Es verfügt über einen Biomassekessel, der mit naturbelassenen Holzhackschnitzeln und Landschaftspflegeholz befeuert wird.
Neustadt-Glewe:
Der Untergrund der norddeutschen Tiefebene in Mecklenburg-Vorpommern bietet optimale Voraussetzungen zur Nutzung der Erdwärme. Die Erdwärme Neustadt Glewe versorgt die Stadt Neustadt Glewe und deren Umland unter Einsatz von geothermischer Energie mit Wärme. Bei der ersten Bohrung vor knapp 40 Jahren in 2455 m Tiefe fand man dort fast 100° Celsius heißes salzhaltiges Thermalwasser in einer gut durchlässigen Sandsteinschicht.
Rostock:
Das Nahwärmenetz Brinckmanshöhe ist die Wärmeversorgung für das Gebiet Brinckmanshöhe in Rostock, die von den Stadtwerken Rostock betrieben wird. Es versorgt Haushalte und andere Gebäude mit Wärme aus lokalen Heizzentralen. Genutzt werden dabei Biomethan und Solarthermie sowie ein Aquifer-Speicher. Im Nahwärmenetz Kühlungsborn der Stadtwerke Rostock kommt Biomethan zum Einsatz.
Teterow:
Ein Großteil der Fernwärme aus dem Netz der Stadtwerke Teterow kommt bislang aus der Biogasanlage eines privaten Betreibers. Aufgrund von Unsicherheiten über künftige Förderbedingungen steht derzeit aber ein kleines Fragezeichen bei der künftigen Wärmeversorgung der Stadt.
Wildau:
Das Netz im Brandenburgischen Wildau wird mit Biomethan betrieben.
Mehr zum Thema aus dem ZfK-Archiv:
Teil 1 der Serie: Wo die Wärme schon sauber ist: Nordrhein-Westfalen
Teil 2 der Serie: Wo die Wärme schon sauber ist: Bayern
Teil 3 der Serie: Wo die Wärme schon sauber ist: Baden-Württemberg



