Daniel Wolter, Geschäftsführer der Stadtwerke Garbsen

Daniel Wolter, Geschäftsführer der Stadtwerke Garbsen

Bild: © Stadtwerke Garbsen

Herr Wolter, die Stadtwerke Garbsen haben vergangenes Jahr mit der Leicon eine Tochtergesellschaft gegründet, die auf den Ausbau grüner Wärmenetze spezialisiert ist. Was erhoffen Sie sich davon und warum trennen Sie konventionelle und grüne Netze künftig gesellschaftsrechtlich?

Wolter: Die Leicon ist eine Tochter der LeineNetz (einer Kooperation der Stadtwerke Garbsen und der Stadtnetze Neustadt) sowie der Avacon Natur. Wir bündeln in dieser Gesellschaft die Kompetenzen zum Aufbau von Wärmenetzen aus erneuerbaren Energien. Wir müssen und wollen schnell Erfahrungen und Kompetenzen in vielfachen Projekten aufbauen.

Die  praktische Umsetzung entsprechender Projekte erfolgt derzeit hauptsächlich in neuen Quartieren,  da wir hier weitgehend noch die Infrastruktur mit beeinflussen können. Im Altbestand hingegen geht es darum, verschiedene bestehende  Versorgungskomponenten zu einer Lösung zusammenzuführen. Das ist allein schon aus technischen Gründen ungleich anspruchsvoller. Und dadurch für uns, die Kommune und die Kundinnen und Kunden auch finanziell eine Herausforderung. 

Sie planen aktuell in Garbsen ein Quartier mit rund 1000 Wohneinheiten auf Basis von oberflächennaher Geothermie. Dabei gehen Sie nach eigenen Angaben neue Wege beim Verlegen der Erdsonden. Was ist das Neue an dem Ansatz?

Bei der Umsetzung von Wärmekonzepten in Quartieren versuchen wir, gleichzeitig Lösungen für die Frage der Wärmeversorgung von Bestandsgebäuden zu finden. In diesem Fall geht es nicht um die Frage der Höhe der Vorlauftemperatur, sondern um den Umgang mit geringen Flächen.

Wir prüfen den Aufbau von Sonden entlang der Straßen oder Grundstücksgrenzen.

Da im Bestand häufig die Flächen für ein oder mehrere Sondenfelder fehlen, prüfen wir den Aufbau der Sonden entlang der Straßen oder Grundstücksgrenzen. Außerdem testen wir unterschiedliche Möglichkeiten der Anbindung der Einzelsonden in Unternetzen. Einzelne Fragen davon müssen für das betroffene Quartier nicht beantwortet werden. Wir brauchen die Antworten aber für die zukünftigen Netze im Bestand.

Nahwärmenetze sind ein wichtiger Bestandteil der Wärmewende in Garbsen. Wie wichtig ist der Solidaritätsgedanke bei der Finanzierung der neuen Infrastrukturen und warum finden Sie in dem Zusammenhang etwa die Förderung für Wärmepumpen nicht immer zielführend?

Wir werden ohne den Solidaritätsgedanken nicht alle Kunden versorgen können. Bereits beim Aufbau der Strom- und Gasinfrastruktur haben wir gute Erfahrungen mit dem Solidaritätsprinzip gemacht: Würde jeder Kunde seine spezifischen Kosten tragen müssen, wären viele Kunden heute nicht an diese Netze angeschlossen.

Die Energiewende wird nicht funktionieren, wenn wir auf individuellen Lösungen beharren.

Eine Versorgung ausschließlich der Kunden, die zufällig keine Wärmepumpe einsetzen können oder wollen sowie der Kunden, die auch keine Alternativen haben, wird nicht möglich sein. Die Energiewende wird nicht funktionieren, wenn wir auf individuellen Lösungen beharren. Solidarität bezeichnet nicht zuletzt eine Verbundenheit mit Ideen und Zielen und erfordert das Einstehen für gemeinsame Werte. Darüber müssen wir uns bewusst werden, denn das Gasnetz ist endlich. 

Wie wichtig sind Öffnungsklauseln und Anschlusszwänge für das Gelingen der Wärmewende?

Wir müssen bei diesem Thema ehrlich sein: Es wird nicht möglich sein, die Infrastruktur nur denen anbieten zu können, die sie brauchen und diese gleichzeitig wirtschaftlich auszugestalten. Wir kommen um den Anschlusszwang nicht in jedem Bereich herum.

Zur Wärmewende gehört der Mut, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen.

Wärmewende-Projekte erfordern viel Kommunikation mit den Bürgern. Sie planen hier eine langfristige Kommunikationsstrategie rund um die Wärmewende in Garbsen. In welche grobe Richtung geht da Ihre Zielsetzung?

Wir müssen hier alle mitnehmen: Verbraucherinnen und Verbraucher, Kommunen und Versorger und ihre Mitarbeitenden. Derzeit habe ich – noch – das Gefühl, dass viel zu oft das Motto verfolgt wird: „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“. Es gehört Mut dazu, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen.

Aber Kommunikation bedeutet Austausch und Transparenz, und zwar in jede Richtung und nicht nur einseitige Vorgaben. Im Austausch mit allen Beteiligten, sei es durch Ortstermine, Formate für Bürgerdialoge oder den persönlichen Austausch, erhoffe ich mir wichtige Ansätze zur Umsetzung. Und auch ein stetig wachsendes Verständnis für die Projekte sowie ein respektvolles Miteinander.

(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)

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Wie die Stadtwerke Garbsen das Thema Wärmewende strategisch angehen, welche Rolle dabei die Zusammenarbeit mit der Kommune und das Austesten neuer Technologien in neuen Quartieren spielt, lesen Sie in der aktuellen Printausgabe der ZfK. Diese ist am vergangenen Montag erschienen. Zum Abo geht es hier.

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