Von Ariane Mohl und Artjom Maksimenko
Vor gut zwei Jahren hat das Gebäudeenergiegesetz (GEG) für heftige Diskussionen gesorgt. Wärmepumpen schafften es auf die ersten Seiten der Medien, allerdings im negativen Kontext des "Heizhammers". Die Maßnahmen des GEG wurden als kostspielig, zu kurzfristig und als sozial ungerecht kritisiert. Die Kritik spiegelte sich in einer deutlichen Absatzdelle im Jahr 2024. Die Branche hatte im vergangenen Jahr lediglich 193.000 Geräte verkauft, was einem Minus von 46 Prozent im Vorjahresvergleich entspricht.
Der Gesetzgeber besserte nach. Im GEG will er mit gezielten Förderungen von bis zu 70 Prozent für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen, die Technologieoffenheit wurde mehr betont, die Übergangsregeln wurden verlängert und präzisiert. Auch Härtefallregelungen wurden eingeführt.
Tief überwunden – Unsicherheit bleibt
Inzwischen ist das Tief zumindest in vertrieblicher Sicht überstanden. Doch die tiefe Unsicherheit steckt den Herstellern von Wärmepumpen spürbar in den Knochen. Auch bei den Umfragen und Gesprächen zu diesem Artikel reagierten sehr viele namhafte Hersteller äußerst zugeknöpft und wagten keine aussagekräftige Prognose bezüglich ihrer Absatzzahlen im laufenden Jahr.
Sven Kersten, Regionalmanager DACH bei Nibe, gehört zu den Wenigen, die sich in die Karten schauen lassen. 2024 sei kein ganz einfaches Jahr für sein Unternehmen gewesen, räumt er auf ZfK-Nachfrage freimütig ein. Es habe einen deutlichen Rückgang in fast allen europäischen Märkten gegeben. Aber Kersten sieht Licht am Ende des Tunnels: Im ersten Quartal 2025 habe sich die Lage leicht erholt. "Wir sehen ein leichtes Plus von rund 3 bis 5 Prozent!"
"Sicher können wir erst dann sein, wenn wir wissen, was die neue Bundesregierung im Rahmen des GEG und BEG ändert." Sven Kersten, Nibe
"Anti-Wärmepumpen-Kampagne"
Schuld am Absatzrückgang seien eine "Anti-Wärmepumpen-Kampagne und hohe Lagerbestände beim Großhandel" gewesen. Hat Kersten Angst, dass sich die Situation wiederholt? "Sicher können wir erst dann sein, wenn wir wissen, was die neue Bundesregierung im Rahmen des GEG und BEG ändert", sagt der Vertriebler.
Was sich die Bundesregierung nicht mehr leisten kann, sei das "Hin- und her" in der Regulatorik, sondern es braucht stabile verlässliche Rahmenbedingungen, sagt Anton Berger, Partner bei Rödl & Partner. Diese Unsicherheit habe dem Markt geschadet. Ebenfalls kritisch sieht der Experte den fehlenden sozialen Ausgleich für die steigenden CO2-Kosten sowie die "desaströse Kommunikation", wie bei der Novellierung des GEG. Seine Empfehlung: Stromnebenkosten reduzieren, beispielsweise durch die Streichung von der Stromsteuer und der Umlagen. Das würde helfen, um die Sektorenkopplung sowie die Flexibilisierung von Wärmepumpen voranzubringen, sagte Berg der ZfK.
Die BET-Experten Armin Michels und Ralph Kremp empfehlen der Bundesregierung, die Bundesförderung effizienter Wärmenetze (BEW) in ein Gesetz zu überführen. Sie soll anstelle des derzeitigen Förderprogramms kommen, das unter dem Vorbehalt der Verfügbarkeit von Haushaltsmitteln steht. "Die Branche geht von einem Bedarf von drei bis vier Milliarden Euro für die anstehenden Investitionen in Wärmnetzen und die Betriebskostenförderung einzelner Anlagentypen aus, beispielsweise Großwärmepumpen", hieß es aus Aachen.
Generell gelte es, "zu kleinteilige Regelungen zu vermeiden, die den Bürger zu sehr einschränken und die Zusammenhänge noch unverständlicher machen", sagte Michels.
Regionalmanager Kersten blickt kritisch auf die bundesdeutsche Politik. In anderen Ländern habe es keine so starke Verunsicherung und Abwartehaltung wie in Deutschland gegeben, erläutert er auf Nachfrage. Hauptverantwortlich dafür seien die Parteien, die kein Interesse an Klimaschutz und der Transformation des Wärmemarktes hin zu erneuerbaren Energien haben, so Kerstens Kritik. Die neue Bundesregierung müsse schnellstmöglich die Wärmepumpenförderung vereinfachen, für Stabilität beim GEG sorgen und die Strompreise senken. Von Debatten über die mögliche Abschaffung des "Heizungsgesetzes" hält er nichts. Diese sei kontraproduktiv, da die Gebäudeeigentümer davon ausgehen, dass sie einfach weiter die Hände in den Schoß legen können.
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen ist Nibe seit zwei Jahren dabei, die Produktionskapazitäten in Europa auszubauen. Der Fachkräftemangel sei ein großes Problem. "Wir als Industrie setzen mehr auf Automatisierung in der Produktion", führt Kersten aus.
Transparente Kommunikation
Auf bessere Zeiten und einen konstruktiveren Dialog mit dem Bürger hofft auch Detlef Neuhaus. Es sei wichtig, in Sachen Wärmewende auf Technologieoffenheit zu setzen, sagt der Stiebel Eltron-Geschäftsführer. "Ebenso wichtig ist es, transparent zu kommunizieren, welche Heizungstechnologien sich wirtschaftlich lohnen und für den notwendigen Umweltschutz sorgen. Oft fehlt den Verbrauchern hier die Orientierung."
Sollte die zukünftige Regierung die Heizungsförderung neugestalten, äußert Neuhaus einen Wunsch: "Eine Veränderung der Rahmenbedingungen bringt auf Seiten des Fachhandwerks und der Verbraucher immer erst einmal Verunsicherung und für die Industrie Markteinbrüche mit sich. Wichtig ist es daher, die bestehende Förderkulisse nicht abreißen zu lassen, sondern bis zur Neugestaltung für Kontinuität zu sorgen."
Viessmann mit klaren Forderungen
Auch Max Viessmann hat klare Vorstellungen davon, was die eine neue Bundesregierung tun und lassen sollte. Es steht fest, dass das Infrastrukturpaket Deutschland ein gutes Stück voranbringen wird. Es sei begrüßenswert, dass man bereit sei, viel Geld in die Hand zu nehmen, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, sagt der CEO der Viessmann-Generations-Group. Zugleich warnt der Unternehmer vor zu viel staatlicher Einmischung. Es brauche mehr Markt und einen Wettbewerb um die besten Ideen, betont er.
Im Gespräch mit dem "Handelsblatt" plädiert er für neue, zinslose Kredite für Verbraucher, die sich für grüne Technologien entscheiden. Subventionen sieht er kritisch. Es sollte sie allenfalls für die Forschung und Entwicklung geben.
Mehr Akzeptanz durch Wettbewerb
Für mehr Akzeptanz von Wärmepumpen könnte künftig ein intensiverer Wettbewerb um die Förderungsätze sorgen, sagt Carsten Diermann, Prokurist bei der Berliner Beratungsgesellschaft LBD. "Wenn in Schweden oder Frankreich für Wärmepumpen zum Teil nur ein Drittel der hiesigen Kosten verlangt wird, schadet das der Akzeptanz dieser Technologie." Die Marktverschlüsse im Handwerk müssen zudem aufgehoben werden, auch durch Änderungen in den Handwerksordnungen.
Diermann spricht sich zudem für höhere Verbindlichkeit bei der Umsetzung der Wärmepläne aus, um sichere Investitionsbedingungen zu schaffen. Dafür könnten auch Förderausschlüsse von Wärmepumpen in ausgewiesenen Fernwärmegebieten gehören.
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