Die Stadtwerke Stuttgart (SWS) wollen mit künstlicher Intelligenz (KI) Wasserstoff flexibler und wirtschaftlicher herstellen. Zusammen mit dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) haben die SWS dazu jetzt das Projekt "SCH2EDULIZER“ gestartet.
In den kommenden zwei Jahren wollen die Partner eine Software entwickeln, die den Betrieb der Elektrolyseure der Stadtwerke optimiert. Am Hafen baut es aktuell im Rahmen des Green Hydrogen Hub Stuttgart insgesamt vier Anlagen zur Wasserstoffproduktion auf.
Die zentrale Frage bei dem Projekt lautet: Wann ist der beste Zeitpunkt, um Strom für grünen Wasserstoff zu beziehen? Denn die Bedingungen am Energiemarkt ändern sich laufend: Strompreise schwanken, die Erzeugung aus Wind und Sonne ist volatil, und zugleich gelten für erneuerbaren Strom regulatorische Vorgaben.
Produktion bei günstigen Strompreisen
Die neue Software soll einen möglichst effizienten Fahrplan für die Elektrolyseure erstellen. Grüner Wasserstoff soll möglichst dann erzeugt werden, wenn regenerativer Strom am Energiemarkt günstig verfügbar ist. Steigen die Preise, sollen Batteriespeicher den Betrieb dynamisch unterstützen oder die Produktion zeitweise mit Strom aus dem Speicher versorgen.
Grüner Wasserstoff wird nicht allein durch bessere Technik wirtschaftlicher, sondern auch durch intelligenten Betrieb.
"Grüner Wasserstoff wird nicht allein durch bessere Technik wirtschaftlicher, sondern auch durch intelligenten Betrieb", sagt Jonas Petzschmann, stellvertretender Leiter des Fachgebiets Module Systeme Anwendungen und Teamleiter für Smart Grids & Netzintegration am ZSW in Stuttgart.
"SCH2EDULIZER" solle dafür sorgen, dass Elektrolyseur, Batteriespeicher und Strommärkte optimal zusammenspielen. Ob und in welchem Umfang sich diese Potenziale im laufenden Betrieb realisieren lassen, soll eine zweijährige Projektphase zeigen.
Die Stadtwerke Stuttgart werden die Software im Green Hydrogen Hub in der Praxis testen. Das ZSW wird unter anderem seine Expertise beim maschinellen Lernen einbringen sowie Energiesysteme modellieren. Gefördert wird das Projekt im Rahmen des Programms Invest BW durch das Wirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg.
Zwölf Megawatt geplant
Der Green Hydrogen Hub ist Teil der Wasserstoffstrategie der Stadtwerke Stuttgart. Im Hafen sollen perspektivisch zwölf Megawatt Elektrolyseleistung entstehen. Der erzeugte Wasserstoff soll unter anderem im öffentlichen Personennahverkehr, im Schwerlastverkehr sowie für Forschung und Entwicklung eingesetzt werden.
In einem Interview erläuterte Frank Hägele, Leiter Geschäftsfeldentwicklung & Innovation bei den Stadtwerken Stuttgart, zu Jahresbeginn die Pläne beim Aufbau des Hubs. Mit Blick auf den Wasserstoff-Hochlauf als Ganzen forderte Hägele zudem, den laufenden Betrieb stärker zu fördern – nicht allein die Investitionen.
Auch in anderen Bereichen wie dem Betrieb von Solarparks wird bereits auf KI gesetzt. Kombiniert mit Kameras soll diese den Ertrag präziser vorhersagen. Lokale Sensordaten und die Analyse von Wolkenbewegungen können kurzfristige Prognosen für einzelne Solarparks verbessern. Für Betreiber eröffnet das zusätzliche Möglichkeiten in der Vermarktung.