Einsatzkräfte der Feuerwehr beobachten den Löscheinsatz auf dem Gelände eines Recyclingbetriebs. Im Hintergrund ist eine teilweise ausgebrannte Halle zu sehen, davor stehen Container. Ein Greifbagger ist im Einsatz. (Symbolbild)

Einsatzkräfte der Feuerwehr beobachten den Löscheinsatz auf dem Gelände eines Recyclingbetriebs. Im Hintergrund ist eine teilweise ausgebrannte Halle zu sehen, davor stehen Container. Ein Greifbagger ist im Einsatz. (Symbolbild)

Bild: © Uwe Anspach/dpa

Innerhalb von fünf Jahren haben sich Brandereignisse in Anlagen der Entsorgungswirtschaft nahezu verdreifacht. Das zeigt eine Studie, die fünf Verbände gemeinsam in Auftrag gegeben haben. Ausgewertet wurden Daten von 181 Anlagen für die Jahre 2021 bis 2025.

Die Studie

Die Arbeitsgemeinschaft Stoffspezifische Abfallbehandlung (ASA), der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE), der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse), die Circular Metal Association (CMA) und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) haben die Studie in Auftrag gegeben. Erstellt haben sie die Institute INFA, Umwelttechnik & Ingenieure und Prognos. Die Angaben stammen aus einer bundesweiten Umfrage der Verbände bei 181 Anlagenbetreibern. Sie sind nach Angaben der Studie nicht auf Deutschland hochgerechnet.
Die vollständigen Ergebnisse stellen die Verbände am Mittwoch in einem Online-Pressegespräch vor.

In den vier Jahren stiegen die Brände um 1299 auf 2028 im vergangenen Jahr. Hotspots, also lokale Überhitzungen ohne offene Flamme, wuchsen noch stärker. Mit fast 3000 Fällen 2025 haben diese sich mehr als verdoppelt. Der Anteil der Anlagen mit Bränden stieg von rund einem Drittel auf 62 Prozent. Die Autoren vermuten jedoch, dass die Hotspots noch zu niedrig erfasst sind.

Die Hälfte der Brände beginnt vor der Anlage

Bei den gesicherten Brandursachen waren 2025 zu 73 Prozent Lithium-Ionen-Akkus verantwortlich. Welches Produkt den Brand auslöste, blieb in 71 Prozent aller Fälle unbekannt. Identifiziert wurden vor allem E-Zigaretten sowie Akkus aus E-Bikes, E-Scootern und Fahrzeugen.

Entscheidend ist der Entstehungsort. Fast die Hälfte der Betriebe, 48 Prozent, nannte einen Bereich vor der ersten Aufbereitungsstufe, also Anlieferung, Bunker, Lager oder Fahrzeuge. Die mechanische Belastung beginne oft schon im Sammelfahrzeug, erklärte Studienautor Niklas Heller vom Institut für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management (INFA). Technische Schutzmaßnahmen innerhalb der Anlage erreichen diese Brände deshalb kaum.

Die Studie beziffert die Menge der Fehlwürfe unter Berufung auf das Bundesumweltministerium mit über 130.000 Tonnen Batterien, die von 2020 bis 2023 nicht über die regulären Sammelstrukturen erfasst wurden.

Schäden und wackelnder Versicherungsschutz

Für die 181 Anlagen beziffert die Studie die Brandschäden im untersuchten Zeitraum auf 254 bis 395 Millionen Euro. Rund 80 Prozent davon entfallen auf Anlagen, in denen Batterien die häufigste Brandursache sind. Umwelt- und Personenschäden sind dabei nicht enthalten, wie Heller bei der Veröffentlichung mitteilte. Er betonte, die Schäden in ganz Deutschland dürften deutlich höher liegen.

Die Versicherbarkeit wird zum Problem. 87 Prozent der antwortenden Anlagen haben eine Feuerversicherung, 13 Prozent nicht. Zwei Drittel der befragten Maklerunternehmen nennen die Abfallwirtschaft als Branche mit ernsthaften Versicherungsproblemen. Betriebe berichten von Kündigungen, steigenden Prämien und höheren Selbstbehalten.

Ohne Gegenmaßnahmen rechnet die Studie bis 2030 mit einem Anstieg der Brand- und Schadensereignisse um 20 bis 40 Prozent. Die Autoren betonen, dass es sich um Größenordnungen und keine Prognose handelt.

Der Fonds und seine offenen Fragen

Die Verbände fordern einen von Herstellern finanzierten Präventions- und Ausgleichsfonds. Ein Pfand stehe als Alternative nicht zur Verfügung, da die Bundesregierung es 2024 zuletzt abgelehnt habe, gab Heller zu bedenken. Der Fonds könne Aufklärung, Brandschutz, nicht versicherte Schäden und die Stabilisierung der Versicherbarkeit finanzieren.

Offen sind bisher jedoch Umfang, Bemessung der Einzahlungen, der Umgang mit nicht registrierten Herstellern und Online-Plattformen sowie der rechtliche Rahmen. Heller sagte, Betriebe, die schon viel in Brandschutz investiert haben, dürften nicht benachteiligt werden.

Verbände: Prüfaufträge reichen nicht

Die Verbände kritisieren die Abschlusserklärung des Runden Tisches im Bundesumweltministerium. Sie enthält unter anderem die Prüfung eines Brandschutzfonds und Pilotversuche zur haushaltsnahen Erfassung. Die Verbände haben sie mitgezeichnet, aber mit Vorbehalten. Eric Rehbock vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) sagte: "Wir haben die Abschlusserklärung unterschrieben – aber mit erheblichen Bauchschmerzen."

Katrin Büscher von der Arbeitsgemeinschaft Stoffspezifische Abfallbehandlung (Asa) erklärte: "Die Ergebnisse des Runden Tisches liegen nun vor, jetzt muss gehandelt werden." Die Frage sei nicht mehr, woher die Brände kämen, sondern wer die Folgen trage. Aus ihrer Sicht sei die Zeit der Analyse vorbei.

Andreas Bruckschen vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) nannte die Ergebnisse "ernüchternd" und verlangte einen konkreten Zeitplan. Christian Hüntgen vom bvse warnte, bald drohe ein Entsorgungsnotstand oder ein schwerer Unfall. Ein Vertreter des Entsorgungsunternehmens Remondis sagte im Rahmen der Pressekonferenz: "Wir riskieren die gesamte Recyclinginfrastruktur in Deutschland und dann ist es vorbei mit dem schönen Weltmeister-im-Recycling-Thema."

Guido Lipinski von der Circular Metal Association (CMA) forderte auf der Pressekonferenz: "Keine Prüfaufträge mehr, keine Diskussionen mehr, es muss jetzt gehandelt werden." Weiter argumentierte er, dass ein Pfand für Einweg-E-Zigaretten problemlos umsetzbar sei, für alle Batterien sei es hingegen zu kompliziert. Für die Mitgliedsunternehmen seines Verbandes stelle sich mittlerweile "nicht die Frage, ob sie irgendwann mal brennen, sondern wann sie brennen werden".

Einweg-Vapes und die Schuldfrage

Uwe Feige, Vizepräsident des Stadtwerkeverbandes VKU, forderte ebenfalls ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten. "Wer solche Produkte in Verkehr bringt, muss auch Verantwortung für die Folgen übernehmen." Diese Produkte würden häufig falsch entsorgt und erhöhten das Brandrisiko erheblich, heißt es in der Pressemitteilung der Verbände. Nach Angaben der Verbände haben Frankreich, Belgien und Österreich ein Verkaufsverbot von Vapes bereits umgesetzt. Auch Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) will noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf dazu vorlegen. Feige nannte auch blinkende Turnschuhe und elektronische Grußkarten als unnötige Wegwerfprodukte, die Gefahren bergen würden.

Der Vertreter von Remondis berichtete von einer singenden Grußkarte, die nach seinen Angaben einen Brand in einer Papiersortieranlage in Berlin ausgelöst habe. Die Anlage sei bis heute nicht wiederaufgebaut. Seine Prioritätenliste laute deshalb: "Erst ein Verbot sinnloser Produkte, dann ein Pfand, dann der Fonds."

Auf die Frage nach Sammelklagen antwortete Büscher von der Asa, eine solche Klage wäre ein zahnloser Tiger. Und Feige zeigte sich überzeugt: "Der Ansatz eines Fonds kann nur die allerletzte Lösung sein." Denn ein Brand lasse sich nur schwer rechtssicher auf einen Akku zurückführen. Ein Fonds müsse deshalb früher greifen als erst nach einem Schaden.

Wie schnell kommt Hilfe?

Die Verbände rechnen für einen Fonds mit ein bis zwei Jahren Vorlauf. Sie wollen spätestens 2027 über seine Einrichtung sprechen. Im Umweltministerium ist ein Prüfauftrag in Aussicht gestellt. Ob die Politik diesem folgt, ist offen. Die Verbandsvertreter berichteten von starkem Gegenwind aus Richtung der Hersteller.

Die Studie betont, die Entwicklung sei nicht festgeschrieben. Werden Fehlwürfe verringert, sei ein deutlicher Rückgang möglich. Bis dahin bleibe das Risiko hoch.

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