Mit der neuen Methode können verschiedene abfallwirtschaftliche Services auf ihre Klimarelevanz untersucht werden.

Mit der neuen Methode können verschiedene abfallwirtschaftliche Services auf ihre Klimarelevanz untersucht werden.

Bild: © Bonnorange

Für eine nachhaltige Abfallwirtschaft hat Bonnorange im Jahr 2020 ein Treibhausgas-spezifisches Entscheidungsinstrument geschaffen, um die Klimarelevanz ihrer Aktivitäten zu quantifizieren. Das Konzept stellt Kornelia Hülter, Vorständin von Bonnorange, am Donnerstag im Rahmen eines virtuellen Vortrages Branchenexperten aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen vor. „Wir brauchen neue Entscheidungsinstrumente, die unsere Treibhausgasbe- bzw. -entlastung entlang der Wertschöpfungskette in den Entscheidungsprozess integrieren“, sagte Hülter.

Für die THG-Matrix der Bonnorange wurden verschiedene Abfallfraktionen in der Stoffstromanalyse hinsichtlich der Sammelsysteme, Transportwege, Abfallmengen, Verwertungswege und Abfallbehandlungsanlagen betrachtet. Parallel zum Ist-Stand (Jahr 2019) wurden verschiedene abfallwirtschaftliche Varianten auf ihre Klimarelevanz hin bewertet.

Emissionen je Abfallfraktion

Kern der berechneten Modelle sind Emissionsfaktoren für Strom, Wärme, Brennstoffe, Transporte etc. und Wirkungsgrade thermischer Nutzung, die auf einer breiten Literaturrecherche fußen und mit Fachexpertise interpretiert werden. Bei der Erstellung wurde Bonnorange von der N³-Nachhaltigkeitsberatung Friege & Partner und dem Ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung unterstützt.

Die neue  THG-Matrix gibt einen Überblick über die Emissionsbe- und -entlastungen sowie die jeweiligen Nettoergebnisse je Abfallfraktion. Um die Klimawirkung unterschiedlicher Treibhausgase zu berücksichtigen, wurden sie auf CO2-Äquivalente (CO2-Äq) je Tonne (Mg) Abfall umgerechnet. Die Methode erlaubt eine ganzheitliche Betrachtung des Sektors Abfall.

Sammlung ist besser als Anlieferung

Der Bilanzraum beginnt bei der Entstehung des Abfalls und endet mit der Beseitigung oder Bereitstellung von Produkten (Sekundärrohstoffe, Energie). Das Ergebnis: Die Abfallwirtschaft in Bonn trägt zur Entlastung in Höhe von insgesamt 45.343 Tonnen CO2-Äquivalenten bei. Die so generierten Substitutionspotenziale werden laut einer Mitteilung in Form von Gutschriften angerechnet und beschreiben Emissionen, die in anderen Sektoren – Industrie, Energiewirtschaft – potenziell vermieden werden.

Im Rahmen der Untersuchung der Treibhausgasemissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette hat Bonnorange beispielsweise ermittelt, dass die CO2-Entlastung dann höher ist, wenn Abfälle abgeholt werden, anstatt dass sie von den Bonnern mit einem Auto angeliefert werden. Als Beispiel könne hier der Beistellsack von Bonnorange dienen, der verwendet werden sollte, um Mehrmengen beim Restabfall abholen zu lassen, statt die Abfälle selber am Wertstoffhof anzuliefern.

Gestaltung von Dienstleistungen

Doch auch bei der Abfuhr könnten durch die Umstellung auf eine 100-prozentige Sammlung des Altpapiers über die Blaue Tonne die CO2-Emissionen reduziert werden. Denn die zusätzliche Bündelsammlung erhöht den Kraftstoffverbrauch durch die höhere Anzahl der Stop-and-go-Vorgänge. Auch in Bezug auf den Arbeitsschutz und die Arbeitsbelastung ist die Variante eines behältergestützten Holsystems vorzuziehen. Als Entscheidungsinstrument hilft die THG-Matrix also  auch bei der Ausgestaltung bestehender und zukünftiger Services.

Die Bonnorange-Chefin stellte die THG-Matrix im Rahmen der „Erfata-Runde“ vor. Dieser Erfahrungsaustausch mit aktuell 13 Betrieben aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen existiert seit 2006 und wird vom Institut für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management (INFA) organisiert. Ziel der Erfata-Runde ist ein gezielter, offener und vertrauensvoller Austausch zu allen aktuellen Themen der Branche. (hp)

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