Eine kleine Stadt im Südwesten hat eine große Debatte ausgelöst. Tuttlingen, gelegen unweit des Bodensees, hat pünktlich zur Karnevalssaison 2026 ein Konfetti-Verbot erlassen – und damit bundesweit für Aufsehen gesorgt. Dabei klingt die Begründung des Rathauses zunächst nüchtern, fast bürokratisch: "Das Verbot wurde erlassen, weil es Jahr für Jahr Ärger mit immer größer werdenden Konfettimengen gab", erklärte ein Stadtsprecher.
Besonders bei Regen offenbart sich das eigentliche Problem. "Wenn es matschig-nass ist, kann es sein, dass das Zeug wochenlang in jeder Fuge klebt." Den Ärger habe dann der Bauhof, der im Winter ohnehin schon stark eingespannt sei.
Was in Tuttlingen wie eine lokale Kuriosität wirkt, ist in Wirklichkeit der symptomatische Ausdruck eines Problems, das Kommunen quer durch die Republik kennen: Karneval ist ein Fest der Ausgelassenheit – und hinterlässt Berge von Abfall. Konfetti, Kamellen, Luftschlangen, Plastikbecher, Einwegverpackungen: Die bunten Relikte der Narren fordern die kommunalen Entsorger Jahr für Jahr aufs Neue heraus.
Zwischen Brauchtum und Umweltschutz
In Tuttlingen hatte die Stadtverwaltung schlicht die Nase voll. "Wir dachten, das ist kein großes Ding", hieß es aus dem Rathaus, "denn Konfetti ist ohnehin kein traditioneller Bestandteil der schwäbisch-alemannischen Fasnet." Andere Kommunen hätten solche Regelungen schon lange.
Die Resonanz aber war groß – und nicht nur negativ. Statt direkter Kritik von Bürgern, berichtete der Stadtsprecher, habe man "eher Lob von Umzugsbesuchern" erhalten, die sich freuten, nicht noch wochenlang Konfetti aus Mänteln, Kapuzen, Autos und Wohnungen friemeln zu müssen.
Aber es gibt auch Kommunen, die dem Trend nicht folgen. In Fastnachtshochburgen wie Konstanz, Ravensburg oder Villingen-Schwenningen denkt man nicht an ein Verbot und setzt stattdessen auf die Eigenverantwortung der Veranstalter.
Allerdings gehört nicht nur Konfetti zu den Hinterlassenschaften, die die Entsorger vor Herausforderungen stellen. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hat anlässlich der diesjährigen Saison zahlen vorgelegt, die das volle Ausmaß der Reinigungsaufgabe verdeutlichen.
"Pünktlich zum Start der heißen Phase des Karnevals bereiten sich Köln, Düsseldorf und Mainz – die größten Karnevalshochburgen Deutschlands – auf Hunderttausende Feiernde vor", heißt es in einer Stellungnahme. "Für die kommunalen Stadtreinigungsbetriebe bedeutet dies erneut eine Ausnahmesituation."
Sonderschichten für Müllwerker
Was diese Ausnahmesituation konkret bedeutet, zeigen die Zahlen aus dem Vorjahr: Während des Straßenkarnevals 2025 fielen in Köln rund 460 Tonnen Abfall an. In Mainz hinterließ der Rosenmontagszug mehr als 90 Tonnen Müll in der Innenstadt. Auch in Düsseldorf ist die Belastung erheblich: Allein am Rosenmontag fallen dort regelmäßig rund 90 bis 100 Tonnen Abfall an, die von den Reinigungskräften beseitigt werden müssen.
Zum Vergleich: Ein handelsüblicher Müllwagen fasst etwa zehn Tonnen. Allein in Köln wäre also die Kapazität von rund 46 solcher Fahrzeuge notwendig, um den Müll eines einzigen Karnevals abzutransportieren.
Der VKU würdigt in seiner Stellungnahme ausdrücklich den enormen Einsatz der kommunalen Entsorger in den drei Hochburgen, weist aber zugleich darauf hin, dass närrisches Treiben nicht nur dort stattfindet: "Auch bundesweit ziehen in vielen Städten und Gemeinden kleinere Fastnachts- und Karnevalsumzüge durch die Straßen."
Und überall stelle sich dieselbe Herausforderung. "Ob Großstadt oder kleinstädtischer Umzug: Überall gilt, dass eine verantwortungsbewusste Abfallentsorgung entscheidend ist, um die Innenstädte und Veranstaltungsorte schnell wieder sauber zu bekommen", betont der Verband.
Besonders im Karneval entstünden Abfälle durch Einwegverpackungen, Konfetti, Getränkebehälter und liegengebliebenes Wurfmaterial. Viele Städte setzten daher auf erprobte Maßnahmen wie Glasverbotszonen, Mehrwegkonzepte und zusätzliche Sammelbehälter.
Konfetti aus Plastik
Neben der schieren Menge stellt auch die Zusammensetzung des Karnevalsmülls die Entsorger vor besondere Herausforderungen – und hier kommt Konfetti wieder ins Spiel. Für die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sind die kleinen Papierschnipsel ein ernstzunehmendes Umweltproblem. Varianten aus Plastik oder mit Glitzer seien besonders bedenklich, da sie als Mikroplastik lange in der Umwelt verblieben, in Gewässer gelangten und letztlich auch in die Nahrungskette.
Aber auch Papierkonfetti könne durch Farbstoffe und schiere Masse problematisch sein. "Fakt ist: Umweltschonender Karneval sollte ohne Konfetti auskommen", so die DUH. Dabei könne Karneval auch ohne Konfetti funktionieren – in Aachen werde bereits weitgehend ohne die bunten Schnipsel gefeiert.
Auch entsorgungstechnisch ist Konfetti eine Sonderklasse für sich. Die bunten Teilchen sind so klein und unterschiedlich beschaffen, dass sie sich nicht sortenrein trennen und damit auch nicht recyceln lassen. Sie gehören daher – wie der VKU klarstellt – in den Restabfall. Das gilt auch für sogenanntes Bio-Konfetti: Es zerfällt in Kompostieranlagen nicht schnell genug und wird dort zum Störstoff. Wer Konfetti von Straßen oder Plätzen kehrt, sollte außerdem darauf achten, nichts in Gullys oder Grünflächen zu kippen.
Einsatz von Mehrwegflaschen und -bechern
Auch Luftschlangen sind tückisch: Sind sie aus reinem Papier, kommen sie zwar in die Papiertonne – doch oft sind die bunten Schlangen farb- oder kunststoffbeschichtet und gehören damit in den Restabfall, weil Sortieranlagen die Materialien nicht zuverlässig trennen können.
Nicht nur die Art des Abfalls, auch das Verhalten der Feiernden entscheidet darüber, wie schnell eine Stadt nach dem Karneval wieder sauber ist. Der VKU appelliert daher an alle Jecken, ihren Beitrag zu leisten: "Pfandfreie Getränkedosen und Plastikbecher gehören in die Gelbe Tonne, Papier und Pappe in die Papiertonne, Glas ausschließlich in bereitgestellte Sammelbehälter, und nicht verteilte oder liegengebliebene Süßigkeiten sollten als Restmüll entsorgt werden."
Generell empfehlen die kommunalen Entsorger, auf kleinteilige Streuartikel wie Glitzer oder Plastik-Konfetti im Freien zu verzichten – das erleichtere die Straßenreinigung erheblich. Zudem lohne sich der Einsatz wiederverwendbarer Dekoration sowie von Mehrweg-Pfandbechern und Mehrwegflaschen, die laut VKU deutlich umweltfreundlicher seien als Einwegartikel. Dass solche Konzepte funktionieren, belegen Städte, die bereits seit Jahren auf Mehrweglösungen bei Großveranstaltungen setzen.



