Teilnehmer des Fachforums "Rohstoffe in der Energiewende" (von links): Moderator Roman Mölling, Peter Kurth und Ingbert Liebing

Teilnehmer des Fachforums "Rohstoffe in der Energiewende" (von links): Moderator Roman Mölling, Peter Kurth und Ingbert Liebing

Bild: © Lars Schaller/UV Sachsen

Das Ziel, das die Bundesregierung und insbesondere das Bundesumweltministerium vor Augen hat, ist klar: Sie wollen aus der Abfall- und Entsorgungswirtschaft immer mehr eine Kreislaufwirtschaft machen, Rohstoffe zurückgewinnen, Ressourcen schonen. So soll auch dieser Industriezweig seinen Beitrag leisten in der Energiewende.

Wirklich überzeugt hat die Bundesregierung Peter Kurth, den geschäftsführenden Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft, bislang aber nicht. Auf dem Osteuropäischen Energieforum lobte er zwar jüngste Anstrengungen auf europäischer Ebene, nannte aber die deutsche Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes eine "Enttäuschung".

Bedeutung der Kreislaufwirtschaft

Kurth vermisst vor allem eines: Kreislaufwirtschaft als Produktwirtschaft zu begreifen, entsprechend die produzierende Industrie und das zuständige Bundeswirtschaftsministerium stärker in die Pflicht zu nehmen. "Da haben wir dann auch die wirklich großen Hebel, die wir für die Energie- und Klimapolitik brauchen."

Der Kreislaufwirtschaft wird neben dem Wärme-, Strom- und Bausektor große Bedeutung zukommen, wenn die Energiewende gelingen soll – darin waren sich die Teilnehmer des Fachforums "Rohstoffe in der Energiewende" einig. "Die Abfall- und Kreislaufwirtschaft ist der Industriezweig in Deutschland, der schon jetzt prozentual am meisten CO2 eingespart hat", sagte Christina Dornack, Professorin an der Technischen Universität Dresden. Und sie sieht noch deutlich mehr Potenzial.

Stadtwerke als "Praktiker" der Energiewende

Beim Recyceln von Aluminium fielen lediglich sechs Prozent der Energie an, die man beim Primärabbau des Rohstoffes verwende, führte sie auf. Bei wiederverwertetem Kunststoff seien es 50 Prozent. "Hier kann das Recycling einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten", sagte Dornack.

In der Verantwortung stehen dabei unter anderem die Stadtwerke, "die Praktiker der Energiewende, die dies vor Ort umsetzen", wie VUK-Geschäftsführer Ingbert Liebing formulierte. "Auch die kommunale Entsorgungswirtschaft hat ein Interesse daran, einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft zu leisten", betonte er. "Wir können die Kreislaufwirtschaft nicht allein organisieren."

"Weltmeister" im Sammeln von getrenntem Müll

Kommunale Unternehmen seien "Weltmeister" im Sammeln von getrenntem Müll, sagte Liebing. "Aber zur echten Kreislaufwirtschaft gehören viele Beteiligte. Es reicht nicht, Produkte egal welcher Herstellung und Zusammensetzung in die Mülltonne zu kippen und zu sagen: Jetzt steht mal, wie ihr schöne neue Produkte daraus macht."

Kreislaufwirtschaft als lukratives Geschäft

Befürchtungen, den Unternehmen bräche im durchaus lukrativen Abfallgeschäft Rendite weg, sollten sie noch stärker auf Kreislaufwirtschaft setzen, teilt Liebing nicht. "Wenn kommunale Unternehmen weitere Schritte der Wertschöpfungskette der Abfallwirtschaft bedienen, dann kann das auch ein Geschäftsmodell werden, dann kann man damit auch Geld verdienen, dann kann man auch Wertschöpfung vor Ort sichern", sagte er. (ab)

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