Einer von 55: Auch das Unternehmen Schuster Entsorgung beteiligte sich am Müllabfuhr-Korso.

Einer von 55: Auch das Unternehmen Schuster Entsorgung beteiligte sich am Müllabfuhr-Korso.

Bild: © Andreas Baumer/ZfK

Eine 55 Wagen lange Kolonne aus Müllabfuhren rollte am Dienstagvormittag mit lautem Hupen durch das Berliner Regierungsviertel. Zu sehen waren viele Lastwagen des in Deutschland führenden Recyclingunternehmens Remondis, aber auch Fahrzeuge kommunaler Betriebe wie der Berliner Stadtreinigung, kurz BSR.

Die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster nahmen sogar fast 500 Kilometer Anfahrt in Kauf, um an der etwa zweistündigen Aktion mit Endstation Brandenburger Tor teilzunehmen.

BDE-Präsident: "Es ist zu wenig passiert"

Der Hintergrund ist ein ernster. Denn nach Angaben der Veranstalter, der Branchenverbände VKU, BDE und BVSE lösen immer häufiger falsch entsorgte Batterien Brände in Entsorgungsanlagen und Müllfahrzeugen aus. Erst im August wurde eine Recycling-Lagerhalle in Dresden komplett zerstört.

Man habe es lange genug mit Informationsveranstaltungen, Briefen und Gesprächen versucht, sagte BDE-Präsident Peter Kurth. "Es ist zu wenig passiert. Die Entsorger fühlen sich allein gelassen. Alle paar Tage brennt es in Fahrzeugen. Und es brennen ganze Standorte ab, die wir für die Kreislaufwirtschaft dringend brauchen."

Problem dürfte größer werden

Allein gelassen fühle sich die Branche auch in Gesprächen mit Versicherungsvertretern. "Wer versichert uns denn noch [vor diesem Hintergrund] und zu welchen Sätzen?", fragte Kurth.

Das Problem werde in den nächsten Jahren noch größer. "Je mehr Batterien in den Konsum geraten, desto mehr Batterien kommen auch auf den Entsorgungsmarkt. Wir müssen uns besser darauf vorbereiten."

"Reale Handlungen" statt warmer Worte

VKU-Vizepräsident Patrick Hasenkamp, der auch Werkleiter der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster ist, forderte von der Politik nicht nur warme Worte, sondern "reale Handlungen". So sollten politische Entscheidungsträger Produkte, die nicht nachhaltig seien und in der Entsorgung zu kaum beherrschbaren Risiken führten, unter Prüfung der Verhältnismäßigkeit in letzter Konsequenz verbieten.

Zudem müsse die Politik die Herstellerverantwortung ausbauen und die Kreislaufwirtschaft fördern.  "Es muss im Jahr 2023 möglich sein, langlebige Elektrogeräte zu bauen, es muss möglich sein, sie reparieren zu lassen und die Akkus auszutauschen, statt die Geräte wegzuwerfen."

"Wirksame Herstellerverantwortung"

Eine "wirksame Herstellerverantwortung" verlangte auch BVSE-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock. "Wer akkubetriebene Geräte in Umlauf bringt, muss sich künftig an einem Fonds beteiligen, um bei Brandereignissen in der Entsorgungswirtschaft Hilfe zu leisten."

Zudem müssten Hersteller und Handel mit intensiven Informationskampagnen über die korrekten Entsorgungswege besser und gründlicher aufklären. Grundsätzlich gilt: Elektrogeräte, Akkus und Batterien gehören nicht in den Haushaltsmüll. Stattdessen sind Verbraucher verpflichtet, entsprechende Produkte etwa beim kommunalen Wertstoffhof oder im Handel abzugeben.

SPD-Politiker wirbt für Batteriepfand

Hildegard Bentele, die für die CDU im Europäischen Parlament sitzt, verwies darauf, dass die EU bereits einiges vorangetrieben habe. "Hersteller haben viel höhere Sammel- und Recyclingquoten auferlegt bekommen", sagte sie. "Auf der europäischen Ebene haben wir mit der [im Sommer in Kraft getretenen] Batterieverordnung einen Schritt nach vorne gemacht."

Für die Einführung eines Pfandsystems warb Michael Thews, Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion zum Thema Kreislaufwirtschaft. Dieses funktioniere bei Flaschen oder Dosen "hervorragend". "Das haben wir jahrelang gezeigt." (aba)

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