Nicht jeder trennt sich gern von seinen alten Elektrogeräten: Jedes dritte Unternehmen hebt laut Studie seine ungenutzten Altgeräte auf.

Nicht jeder trennt sich gern von seinen alten Elektrogeräten: Jedes dritte Unternehmen hebt laut Studie seine ungenutzten Altgeräte auf.

Bild: © amazing studio/AdobeStock

Von Elwine Happ-Frank

"Reparieren statt wegwerfen: Elektroschrott vermeiden!" Das ist das Motto der diesjährigen Kampagne der Europäischen Woche der Abfallvermeidung (EWAV), die vom 22. bis 30. November 2025 stattfindet. Daran beteiligen sich in Deutschland ganz unterschiedliche Akteure wie Stadtverwaltungen, Stadtbüchereien oder Museen sowie viele kommunale Unternehmen.

Rheinenergie beispielsweise nutzt die Aktionswoche für interne Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Das Kölner Energieunternehmen lädt seine Mitarbeiter:innen zu einem Repair-Café ein, in dem defekte Produkte wieder instandgesetzt werden können. Zudem bietet der Versorger in Kooperation mit dem Dienstleister AfB den Verkauf aufbereiteter IT-Produkte an und sensibilisiert die Belegschaft durch ein interaktives Quiz für das Thema Abfallvermeidung.

Der Entsorgungsverband Saar (EVS) veranstaltet bereits zum zehnten Mal seinen beliebten Tausch- und Verschenkmarkt. Unter dem Motto "ZUVIEL? – Verschenk's doch einfach!" bringt der EVS in Kooperation mit dem neuen Betriebshof Saarlouis Schenkende, Suchende und Tauschfreudige unkompliziert zusammen. Gegenstände, die zu schade zum Wegwerfen sind, erhalten so eine Chance auf ein zweites Leben.

Auszeichnung für herausragende Aktionen

Die EWAV wurde auf Initiative der Europäischen Kommission im Jahr 2008 als EU-weites Projekt ins Leben gerufen. Seit 2014 koordiniert der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) die Kampagne in Deutschland. Sie wird vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert, das Umweltbundesamt (UBA) ist der fachliche Ansprechpartner.

Jährlich werden europaweit etwa 10.000 Sensibilisierungsmaßnahmen zur Abfallvermeidung durchgeführt. Herausragende Aktionen werden während einer Preisverleihung in Brüssel ausgezeichnet.

Jedes Jahr steht ein Thema im Mittelpunkt: 2024 war es die sorgsame Verwendung von Lebensmitteln, 2023 Lösungen gegen die Verpackungsflut und 2022 die Wiederverwendung nachhaltiger Textilien.

In diesem Jahr liegt der Fokus auf dem Elektroschrott. Die Relevanz dieses Schwerpunktthemas wird durch aktuelle Zahlen unterstrichen: Durchschnittlich wurden laut Bundesumweltministerium in den letzten zehn Jahren 880.000 Tonnen Elektro- und Elektronik-Altgeräte über die getrennte Sammlung erfasst.

Gleichzeitig lagern in deutschen Haushalten Schätzungen zufolge bis zu fünf Kilogramm Elektroschrott pro Person ungenutzt in Schubladen, Kisten oder Schränken – ein enormes Potenzial für Wiederverwendung und Ressourcenschonung.

Innovative Ansätze jenseits kommunaler Strukturen

Im Rahmen der EWAV entstehen auch außerhalb der kommunalen Entsorgungswirtschaft kreative Beiträge zur Abfallvermeidung. Die Bürgerstiftung Wiesloch greift ein hochaktuelles Thema auf: Im Oktober 2025 endet der Support für das Betriebssystem Windows 10.

Während Microsoft einen Umstieg auf Windows 11 empfiehlt und eine Gnadenfrist durch das Programm Extended Security Updates bis zum 13. Oktober 2026 gewährt, bietet die Bürgerstiftung eine nachhaltige Alternative. Sie unterstützt Bürger:innen beim Umstieg auf das Open-Source-System Linux und verlängert so die Nutzungsdauer vorhandener Geräte. Das Angebot findet auch außerhalb der Aktionswoche statt und zeigt, wie digitale Nachhaltigkeit praktisch umgesetzt werden kann.

Ein weiteres Beispiel: Im Rahmen der Berliner Zero-Waste-Aktionswochen öffnet ein lokaler Leihladen seine Türen für interessierte Besucher:innen. Bei Führungen durch den Leihladen werden Konzept und Finanzierung erläutert. Die Philosophie: Gebrauchsgegenstände als wertvolles Kapital zu betrachten, das Kosten, Platz und CO2 einspart.

Die Veranstalter zeigen dabei auf, wie nachhaltiges Handeln Freude bereiten kann, und teilen beeindruckende Geschichten aus dem Leihalltag. Ein überzeugendes Beispiel dafür, wie sich Konsumverhalten durch gemeinschaftliche Nutzungsmodelle verändern lässt.

Die Vielfalt der Aktionen während der "Europäischen Woche der Abfallvermeidung" zeigt: Von kommunalen Großbetrieben bis zu zivilgesellschaftlichen Initiativen – überall werden kreative Wege aus der Wegwerfgesellschaft aufgezeigt und gelebt.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper