Die Müllgebühren in Deutschlands Kommunen unterscheiden sich stark.

Die Müllgebühren in Deutschlands Kommunen unterscheiden sich stark.

Bild: © Thomas Max Müller/pixelio.de

In welcher der 100 größten deutschen Städte entsorgt man seinen Abfall am günstigsten? Die Antwort ist: in Flensburg. Das zeigt das neue Müllgebühren-Ranking. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) erstellte die Auswertung im Auftrag des Immobilienverbands Haus & Grund.

Schlusslichter aus Nordrhein-Westfalen

Grundlage ist eine Musterfamilie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern im Einfamilienhaus. Angenommen werden pro Woche 60 Liter Restmüll und 20 Liter Biomüll sowie zwei Kubikmeter Sperrmüll pro Jahr.

Die Autoren unterschieden zwischen Voll- und Teilservice: Beim Vollservice holt der Entsorger die Mülltonnen auf dem Grundstück ab. Im Teilservice müssen Bewohner:innen die Mülltonnen selbst an den Straßenrand stellen. 

Die Musterfamilie zahlt in Flensburg für einen 14-täglichen Vollservice rund 163 Euro im Jahr. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Nürnberg und Frankfurt am Main. "Man sieht, dass man auch in den großen Städten Deutschlands günstig Müll entsorgen kann", sagte Haus-&-Grund-Präsident Kai Warnecke bei der Vorstellung des Rankings. 

Die Städte auf den letzten drei Plätzen befinden sich alle in Nordrhein-Westfalen. Am schlechtesten schnitt Bergisch Gladbach ab: Dort zahlt derselbe Haushalt für den Teilservice jährlich rund 478 Euro. Auf dem vor- und drittletzten Platz landeten Lünen und Leverkusen. Dabei hat Leverkusen seinen Platz im Ranking verbessert: 2022 war die Heimatstadt des Pharmakonzerns Bayer noch das Schlusslicht.  

Ausreißer in Grafiken

Im Durchschnitt sind die Abfallgebühren in den untersuchten Städten in den vergangenen vier Jahren laut Studie um rund 13 Prozent auf insgesamt 351 Euro gestiegen. "Müllgebühren sind Wohnkosten", sagte Haus-&-Grund-Präsident Kai Warnecke. "Wenn kommunale Abgaben steigen, trifft das Eigentümer ebenso wie Mieter."

Der Bericht enthält einige Ausreißer in beide Richtungen: In Neuss sind die Gebühren um 20 Prozent gesunken – das liegt an einem reduzierten Mindestvolumen, das pro Person auf einem Grundstück zur Verfügung stehen muss. So verbessert sich die Stadt von Platz 95 auf 35. 

Am stärksten stiegen die Gebühren in Darmstadt und Wuppertal, und zwar jeweils um mehr als 30 Prozent. Darmstadt fällt damit von Rang 55 auf Rang 85, Wuppertal von Rang 49 auf Rang 82.  

Nur in elf Städten zahlt die Musterfamilie heute weniger als 2022. In 87 Städten sind die Kosten gestiegen. Insgesamt beträgt die Spanne zwischen der günstigsten und teuersten Stadt rund 315 Euro pro Jahr.  

Methodik des Berichts

Um die Städte trotz unterschiedlicher Gebührensysteme vergleichbar zu machen, haben die Studienautoren einen Gesamtindex entwickelt. Eine hohe Indexzahl steht für niedrige Müllgebühren, eine niedrige für hohe.  

Die Städte unterscheiden sich stark beim Abfuhrrhythmus und beim Servicegrad: Manche bieten nur siebentägigen und andere nur 14-tägigen Teil- oder Vollservice an. Daher haben die Autoren des Berichts für nicht angebotene Varianten hypothetische Gebühren angenommen. 

Kritik an mangelnder Transparenz 

Neben der Gebührenhöhe kritisiert Haus & Grund vor allem die mangelnde Transparenz vieler kommunaler Gebührensysteme. Abfuhrrhythmen, Servicegrade sowie Hol- und Bringsysteme unterschieden sich stark und seien für Verbraucherinnen und Verbraucher kaum nachvollziehbar. 

"Seit zehn Jahren erstellen wir das Müllgebühren-Ranking, um für Transparenz zu werben", sagte Hanno Kempermann vom IW Köln. "Ein Abfallgebührenrechner wäre ein großer Schritt hin zu mehr Transparenz."

Haus & Grund fordert Städte und Gemeinden daher auf, Gebührenordnungen verständlicher zu gestalten, digitale Gebührenrechner einzuführen und die Ursachen hoher Gebühren offen darzulegen. "Nur wer vergleichen kann, kann Missstände erkennen und Veränderungen einfordern", sagte Warnecke. 

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