Müllgebühren sind für Journalisten ein dankbares Thema. Sie sind online auffindbar und betreffen jeden Leser. Zudem lassen sie sich grundsätzlich bundesweit vergleichen, weil jede Kommune Müllgebühren erhebt.
Der Hauseigentümerverband Haus & Grund hat das Potenzial erkannt und zum wiederholten Mal ein Müllgebühren-Ranking zu den 100 größten Städten der Republik erstellen lassen. Erneut war die mediale Resonanz groß. In der Entsorgungsbranche hielt sich die Freude dagegen in Grenzen.
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Drei Seiten Methodik
Um Vorwürfen zuvorzukommen, man vergleiche Äpfel und Birnen, hat sich das mit dem Ranking beauftragte Beratungsunternehmen IW Consult eine Reihe von Methoden einfallen lassen. Es arbeitete mit vierköpfigen Musterhaushalten, vier verschiedenen Systemvarianten zu Servicegrad und Abholrhythmus sowie einem Abfallgebührenindex. Die Folge: 3 der 25 Seiten zum neuen Müllgebühren-Ranking befassen sich ausschließlich mit der Methodik.
Trotzdem kommt aus der Entsorgungsbranche Kritik. "Gebührenvergleiche sind nach unserer Auffassung immer problematisch, da die in die Gebühren eingepreisten Leistungen von Ort zu Ort sehr unterschiedlich sein können", teilt das Sprachrohr der kommunalen Abfallwirtschaft in Deutschland – der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) – auf ZFK-Anfrage mit. "Außerdem bildet ein vierköpfiger Musterhaushalt vielerorts nicht die typische Nutzstruktur realitätsnah ab." Bestimmte Kostenpositionen wie die seit 2024 geltende CO2-Bepreisung der Abfallverbrennung könnten die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger zudem nicht beeinflussen.
Debatte um Gebührenrechner
Aus Sicht des Verbands Haus & Grund sollten Kommunen selbst mehr tun, um Müllgebühren zugänglicher und leichter vergleichbar zu machen. "Der Wunsch nach Transparenz wird durch komplizierte Gebührenordnungen und ein Dickicht unterschiedlichster Bring- und Holsysteme konterkariert", schreibt er. "Noch immer fehlt vielen Städten ein Gebührenrechner, der den Bürgerinnen und Bürgern eine einfache Nachvollziehbarkeit ihrer Kosten ermöglichen würde."
Der VKU hält dagegen. Schon jetzt könne jeder private Haushalt ohne Weiteres ermitteln, welche Gebührenbelastung mit welcher Inanspruchnahme von Entsorgungsleistung oder Behältergrößen verbunden sei. "Ein Gebührenrechner kann gegebenenfalls einen zusätzlichen Service darstellen, dies muss allerdings die jeweilige Kommune entscheiden."
Intransparenz bei dualem System größer
Branchenkritik gibt es auch daran, dass sich der Verband Haus & Grund kommunale Abfallgebühren herauspicke, das Wälzen von Entsorgungskosten über sogenannte duale Systeme dagegen in dem Ranking nicht thematisiere. Dabei sei die Intransparenz dort deutlich größer als bei der Ausweisung der Müllgebühren.
Gemeint ist beispielsweise die Erfassung, Sortierung und Entsorgung von Verkaufsverpackungen. Die Kosten dafür fließen in Produktpreise ein und werden indirekt von Verbrauchern etwa an der Supermarktkasse bezahlt. Tatsächlich gibt es dazu bislang nach ZFK-Recherchen noch keinen regelmäßig wiederkehrenden Kostenvergleich.



