Auf einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag gab die Geschäftsführung des Chemparks, die Currenta GmbH, weitere Details zur Explosion der Tanks auf dem Gelände der Sondermüllverbrennungsanlage bekannt. Für die fünf Vermissten gebe es wenig Hoffnung, sie noch lebend wiederzufinden, sagte CEO Frank Hyldmar. Damit seien sieben Tote zu beklagen, fünf Currenta-Mitarbeiter und zwei externe Kräfte. Da die Unglücksstelle nach wie vor nicht betreten werden kann, wird nach den Vermissten mit Drohnen gesucht, sagte der Currenta-Einsatzleiter Stephan Hummel.
Durch die Explosion seien organische Wasserlösungsmittel-Gemische sowie chlorierte Kohlenwasserstoffe in Brand geraten, erläuterte COO Hans Gennen. Bei Luftmessungen am Dienstag wurden laut dem nordrhein-westfälischen Landesamt für Natur, Umwelt, Klima und Verbraucherschutz (Lanuv) keine problematischen Rückstände entdeckt.
Reinigungsteams für kontaminierte Flächen
Die Sorge gilt jetzt dem Ruß, der in den umliegenden Wohngebieten des Chemparks niedergegangen ist. Denn bei einem Brand von chlorhaltigen Lösungsmitteln können unter anderem Dioxinverbindungen entstehen. Proben werden derzeit in dem Essener Dioxin-Labor von Lanuv untersucht. Die Ergebnisse liegen voraussichtlich Ende der Woche vor.
Von etwaigen Schadstoffen geht laut Behördenangaben keine Gefahr aus, solange man nicht in Kontakt damit kommt. Die Bürger sollen mit Ruß kontaminierte Flächen nicht selbst reinigen. Currenta und die Stadt Leverkusen haben Hotlines eingerichtet, unter der sich Betroffene melden können, dann werden Reinigungsteams organisiert.
Ersatzstrukturen für die Entsorgung
Infolge der Explosion war wegen einer beschädigten Hochspannungsleitung im Chempark die Stromversorgung beeinträchtigt. Diese sei nun wieder vollständig hergestellt, sagte Hyldmar. Der Chempark sei überdies dabei, Ersatzlösungen für die ausgefallene Müllentsorgungslange Bürrig aufzubauen, führte Gennen aus. Dafür werden auch Kapazitäten in Dormagen genutzt.
Der Chempark hat insgesamt drei Standorte: Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen. Auf einer Fläche von elf Quadratkilometern findet in rund 500 Betrieben ein Drittel der nordrhein-westfälischen Chemieproduktion statt. Schwerpunkte liegen auf Nitrier- und Chlorierprodukten, Aromaten, Feinchemikalien und der Siliziumchemie. Das Entsorgungs- und Recyclingzentrum des Chemparks hat nach Angaben des Betreibers auch überregionale Bedeutung für die Verwertung von chemisch belasteten Sonderabfällen. (hp)



