Glücklicherweise sind die Temperaturen in Europa seit rund zwei Wochen deutlich über der Norm und sollen auch in den nächsten zwei Wochen mild bleiben. Wäre es aktuell so kalt wie im Februar, wären die Preissprünge deutlich höher gewesen. Die Szenarien einer dramatischen Speicherentleerung bis Ende März sind für den Moment also vom Tisch.

Der Füllstand der europäischen Gasspeicher könnte sich wegen der milden Wetterprognosen bis Ende des Winters sogar bei über 20 Prozent halten. Trotz des eskalierenden Krieges in Nahost und der Sperrung der Straße von Hormus gilt damit die Gasversorgung in Europa für den restlichen Winter als gesichert.

Versorgung für restlichen Winter gesichert, aber teurer

Wegen der globalen Verknappung von LNG und Öl und der gestiegenen Risiken gibt es das Angebot jedoch zu einem deutlich höheren Preis. Eine mehrwöchige Sperrung des wichtigsten Energietransportweges der Welt könnte die Gaspreise in Europa auf über 100 Euro je Megawattstunde (MWh) hochtreiben.

Wiederbefüllung erfordert rekordhohe LNG-Importmengen

Anders sieht die Situation mit Blick auf die Wiederbefüllung der Gasspeicher bis zum nächsten Winter aus. Geht man bei konservativer Annahme von einem Füllstand von 25 Prozent und einer Restfüllmenge von 280 Terawattstunden (TWh) Erdgas zum Ende der Wintersaison aus, dann wären dies rund 100 TWh Arbeitsgas weniger als zum Ende des letzten Winters.

Im Sommer 2026 müssten dann rund 660 TWh (100 TWh mehr als im letzten Jahr) Erdgas eingespeichert werden, um zumindest wieder den gleichen Füllstand wie zu Beginn des laufenden Winters (1. Oktober 2025: 82 Prozent) zu erreichen.

Die einzige nennenswerte Flexibilität, um mehr als im Vorjahr einzuspeichern, hat der europäische Markt über eine Erhöhung der LNG-Importe. 100 TWh Erdgas mehr für die Einspeicherungen bedeuten damit rund 100 LNG-Lieferungen mehr als im letzten Sommer.

Damit müssten in Europa während der Sommermonate durchschnittlich mindestens 140 LNG-Tankerlieferungen pro Monat (20 pro Monat mehr als im Sommer 2025) importiert werden, um einen Füllstand der europäischen Gasspeicher von 82 Prozent zum 1. Oktober 2026 zu erreichen.

Sperrung der Straße von Hormus

Der Anteil von Katar-LNG in Europa lag in den letzten Monaten zwar nur bei 6 Prozent, doch die mittelbare Wirkung einer globalen LNG-Verknappung wegen einer mehrwöchigen Sperrung der Straße von Hormus würde in Europa deutlich zu spüren sein.

Über die Straße von Hormus werden rund 20 Prozent der LNG-Importe der fünf größten asiatischen LNG-Abnehmerländer (China, Japan, Südkorea, Taiwan, Indien) exportiert. Nimmt man Europas LNG-Importe aus Katar hinzu, so fehlen dann den beiden Regionen im Falle einer vierwöchigen Blockade rund 70 LNG-Lieferungen.

Dauert der Konflikt mehrere Monate so fehlen beiden Märkten somit 70 LNG-Lieferungen jeden Monat. Die Fehlmenge entspricht der Hälfte der geplanten monatlichen LNG-Importmenge Europas während der Sommermonate.

Globale Fehlmenge wirkt sich mittelbar auf Europa aus

Die Angebotsverknappung auf dem Weltmarkt wird dann ein Bietergefecht zwischen Europa und Asien auslösen, da kurzfristig das weltweite LNG-Angebot nicht erhöht werden kann.

Dies führt dann zu mehreren Konsequenzen: Einerseits könnten die LNG-Importe deutlich unter dem Plan liegen und Europa startet vielleicht mit einem Füllstand unter 70 Prozent in den nächsten Winter.

Andererseits würden die LNG-Importe und das Marktpreisniveau insgesamt deutlich teurer als bisher. Die Preisentwicklung ist nur schwerlich vorhersagbar und könnte im Falle einer anhaltenden Blockade auf bis zu über 100 Euro/MWh auspendeln.

Gaspreise auf solch hohen Niveaus könnten im industriellen Bereich bereits in diesem Jahr zu Abwanderung, Produktionskürzungen und Betriebsschließungen führen; Effekte, die nach der Krise nur langsam und schwerlich umkehrbar würden.

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