Milde Temperaturen und rekordhohe LNG-Importe entspannen derzeit den europäischen Gasmarkt spürbar. Erstmals seit Monaten wird in einzelne Speicher wieder eingespeichert – ein Signal für sinkenden Verbrauch und komfortablere Versorgungslagen.
Die Ausspeicherungen fallen so gering aus wie seit November nicht mehr, in Deutschland wurde zuletzt sogar netto Gas eingespeichert. Gleichzeitig lenkt die schwache Nachfrage in Asien zusätzliche LNG-Mengen nach Europa und drückt die Preise.
Niedrigste Ausspeicherungen seit November
In der vergangenen Woche haben sich die Füllstände der EU-Gasspeicher nur um rund einen Prozentpunkt entleert. Das ist die niedrigste Ausspeicherungsrate seit November letzten Jahres. In Deutschland wurde am vergangenen Wochenende sogar netto-eingespeichert.
Der Füllstand der deutschen Gasspeicher hält sich in dieser Woche bisher über der 20-Prozent-Marke, auch wenn die Referenzangaben der europäischen Transparenzplattform GIE AGSI aus unserer Sicht wegen einer falschen Speichermeldung vom Gasspeicher Etzel ESE (OMV) vom letzten Sonntag geringfügig nach unten zu korrigieren sind.
Gemäß den Wetterprognosen sollen die durchschnittlichen Tagestemperaturen in Deutschland bis Mitte März zum Teil deutlich über der saisonalen Norm liegen. Würden die Ausspeicherungen in Deutschland so wie letztes Jahr weitergehen, könnte sich der Füllstand bis Ende März sogar über 15 Prozent halten. Damit entspannt sich die Situation am Speichermarkt merklich.
LNG-Importe weiter auf Rekordniveau
Bis zum Ende des Monats könnten schätzungsweise bis zu 155 LNG-Tankerlieferungen an den europäischen LNG-Terminals importiert worden sein. Damit könnte im Februar der Rekord vom Vormonat (150 Lieferungen) noch übertroffen werden.
Die LNG-Importe aus den USA und Russland zeigen sich auch in diesem Monat bisher sehr stark. Deutliche Zuwächse verzeichneten bisher im laufenden Monat auch die Lieferungen aus Katar (bisher 10, Vormonat 4) und Nigeria (bisher 10, Vormonat 6).
Europa zieht mehr LNG-Lieferungen an
Grund für die hohen LNG-Importe ist auch die Situation am Konkurrenzmarkt Asien. Die Nachfrage in China zeigt sich sehr schwach, im laufenden Monat wurden bisher dort nur 39 LNG-Lieferungen importiert (Vormonat: 79).
Trotz der gefallenen Gaspreise am niederländischen TTF ist atlantisches LNG gegenüber dem Konkurrenzmarkt Asien im Geld. Die Marge (Netback US LNG am TTF) für atlantisches US-LNG in Europa lag zuletzt bei durchschnittlich 3 US-Dollar/MMBtu (Million British thermal units, entspricht knapp 9 Euro/MWh).
Die Lieferung nach China brachte dagegen einem US-Exporteur zuletzt durchschnittlich nur die Hälfte der Marge ein, der Netback für US-LNG am JKM lag zuletzt nur bei durchschnittlich 1,5 US-Dollar/MMBtu.
Importstopp für russisches Spot-LNG ab 18. März 2026
Die EU-Länder importieren weiterhin hohe LNG-Mengen aus Russland. Im vergangenen Monat Januar 2025 wurden insgesamt 22 LNG-Tankerlieferungen aus Russland importiert, was einem Rekordimport von rund 2,3 Milliarden Kubikmeter Erdgas entspricht. Der größte Importeur von russischem LNG war Frankreich mit einem Anteil von 45 Prozent, gefolgt von Belgien (25 Prozent) und Spanien (15 Prozent).
Im laufenden Monat Februar wurden bereits 20 Schiffsladungen importiert, was einer Regasifzierung von rund 2 Milliarden Kubikmetern Erdgas entspricht. Der kleine Rückgang könnte neben dem Bedarfsrückgang auch mit einem Produktionsrückgang der russischen LNG-Produktionsanlage Jamal zusammenhängen. Dies könnte auch mit den in dieser Jahreszeit schwierigeren Wetter- und Eisbedingungen vor dem Produktionsstandort Jamal zu tun haben.
Die weitere Entwicklung in den nächsten Wochen wird nun spannend. Großbritannien hat den Import von russischem LNG verboten. Der Importstopp für russisches Spot-LNG tritt am 18. März in Kraft, ab dann darf nur noch LNG aus bestehenden Verträgen, abhängig von der Vertragsart spätestens bis November 2027 in die EU importiert werden.


