Schlechtes Internet bremst deutsche Angestellte aus, wie eine neue Studie zeigt. (Symbolbild)

Schlechtes Internet bremst deutsche Angestellte aus, wie eine neue Studie zeigt. (Symbolbild)

Bild: © Vladislav Kim/Unsplash

Deutsche Büroangestellte werden durch Internetverzögerungen ausgebremst, ungeachtet ob sie im Büro, zu Hause oder hybrid arbeiten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Online-Umfrage, die der Internetknoten-Betreiber DE-CIX durchgeführt hat. Die Einschränkungen summieren sich auf durchschnittlich 46 Minuten in der Woche - und damit fast eine komplette Arbeitswoche pro Jahr (35 Stunden).

Von allen befragten Büroangestellten geben 85 Prozent an, dass sie Arbeitszeit durch Verzögerungen bei der beruflichen Internetnutzung verlieren. Bei 42 Prozent der Befragten, die Verzögerungen erleben, beläuft sich dieser Verlust auf mehr als eine halbe Stunde pro Woche. Bei 18 Prozent sind es mehr als eine Stunde, bei elf Prozent beläuft sich diese verlorene Zeit sogar auf über zwei Stunden wöchentlich. 

Büro nicht besser

Rund zwei Drittel (63 Prozent) der befragten Büroangestellten spüren Internetverzögerungen demnach mindestens einmal pro Monat. Mehr als ein Drittel (38 Prozent) der Befragten wird mehrmals in der Woche oder sogar täglich bei der Arbeit ausgebremst.

Dies entspricht genau dem gleichen Prozentsatz wie bei der privaten Internetnutzung, der in einer früheren DE-CIX Umfrage ermittelt wurde. Unter den Arbeitnehmer*innen, die hybrid oder im Homeoffice arbeiten, nehmen 35 Prozent täglich oder mehrmals pro Woche Verzögerungen wahr. Unter den Beschäftigten, die überwiegend im Büro tätig sind, sind es 40 Prozent.

Videokonferenzen machen am meisten Schwierigkeiten

In der geografischen Betrachtung zeigt sich, dass Großstädte sogar geringfügig häufiger von Verzögerungen betroffen sind als Klein- oder Mittelstädte. Büroangestellte, die in Kleinstädten arbeiten, geben zu 35 Prozent an, dass sie täglich oder mehrmals pro Woche von Internetverzögerungen betroffen sind. Bei Arbeitnehmer*innen in Mittelstädten beläuft sich dieser Wert auf 39 Prozent und bei Großstädtern auf 40 Prozent.

Bei den Befragten, die mit Verzögerungen zu kämpfen haben, treten diese mit 39 Prozent am häufigsten bei bandbreitenintensiven Anwendungen wie Videokonferenzen auf. Auf dem zweiten Platz folgen mit 26 Prozent Downloads, die ebenfalls viel Bandbreite erfordern.

Netzüberlastung auf erstem Platz

Bei Videokonferenzen sei zudem der Faktor Latenz ausschlaggebend: ist diese zu hoch, kommt es zu Synchronisationsproblemen mit weiteren Teilnehmer*innen. Zu Problemen kommt es laut der Befragten auch sehr häufig bei Anwendungen aus der Cloud und beim E-Mail-Versand, jeweils 23 Prozent der Befragten haben hier mit Verzögerungen oder Einschränkungen zu kämpfen.

Der größte Teil der Befragten vermutet die Ursachen für die Zeitverzögerungen bei der beruflichen Internetnutzung auf der Infrastrukturebene. An vorderster Stelle rangiert hierbei Netzüberlastung mit 37 Prozent. An zweiter Stelle steht schlechter Netzausbau in der jeweiligen Region (27 Prozent).

Immersive Technologien verschärfen das Problem

Danach folgen Gründe, die direkt im Einflussbereich der Arbeitgeber*innen liegen: 21 Prozent der Teilnehmer*innen sehen schlechte Netzwerkinfrastruktur im Unternehmen als Ursache und weitere 16 Prozent schlecht abgestimmte Unternehmenssoftware. Andere genannte Ursachen sind langsame Server der Content-Anbieter (20 Prozent), keine ausreichende Bandbreite durch den Internetanbieter/ -vertrag am Arbeits- beziehungsweise Wohnort (17 Prozent) sowie veraltete Endgeräte (14 Prozent).

"Ruckelnde Videokonferenzen kennen wir vermutlich alle und sind davon genervt", sagt Ivo Ivanov, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender bei DE-CIX. Außerdem würden mehr "immersive" Online-Erlebnisse wie etwa das "Metaverse"-Konzept Einzug erhalten. Diese bauten auf noch geringerer Latenz auf.

Direkte Verbindung mit Cloud

"So wird ein VR-basiertes Meeting im virtuellen Raum mit einer Verbindung, die bereits bei einer Videokonferenz an ihre Grenzen kommt, nicht funktionieren", so Ivanov weiter. "Doch auch bei schon heute alltäglichen Themen wie der Verfügbarkeit von SaaS-Angeboten gibt es Probleme." Unternehmen müssten deshalb eine bessere Anbindung schaffen, damit ihre Mitarbeiter*innen auch weiterhin produktiv arbeiten könnten – sei es im Büro, Homeoffice oder hybrid.

Zudem werde der direkte Draht zur Cloud immer wichtiger. "Verzögerungen entstehen durch Umwege, das gilt in der physischen Welt genauso wie im Internet", betont dere DE-CIX-Chef. "Verbinden sich Unternehmen direkt mit einer oder mehrerer Clouds, können sie Umwege durch das öffentliche Internet vermeiden." Damit beschleunigten die Unternehmen den Datenverkehr nicht nur, sondern machten ihn auch sicherer. "Der Ort, an dem sich Unternehmen mit einem oder mehreren Cloud-Anbietern verbinden, ist ein moderner Cloud Exchange, zum Beispiel an einem Internetknoten." (jk)

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