Bei Elia Schraff, frisch ausgelernter Elektroniker für Betriebstechnik, kam die VR-Brille von Ausbilder Steven Rohde (rechts im Bild) immer gut an.

Bei Elia Schraff, frisch ausgelernter Elektroniker für Betriebstechnik, kam die VR-Brille von Ausbilder Steven Rohde (rechts im Bild) immer gut an.

Bild: @ Stadtwerk am See

Von Boris Schlizio

Die angehenden Elektrotechnik-Fachkräfte des Stadtwerks am See können nun gefahrlos lernen, wie Arbeiten im Mittelspannungsnetz durchgeführt werden – ohne, im rund 350 Kilometer großen Netzgebiet unterwegs sein zu müssen.

Möglich macht dies eine VR-Brille in Kombination mit der passenden Software auf dem Computer in der Ausbildungswerkstatt am Standort Friedrichshafen.

Direktes Monitoring

Nach einer kurzen Einweisung legen die Lernenden die virtuelle Lernhilfe an. So führen sie bereits selbststständig Arbeiten unter absolut realistischen Bedingungen aus.

Am Computer sieht der technische Ausbildungsleiter Steven Rohde alles, was die Auszubildenden gerade sehen. So kann er Tipps geben oder am virtuellen Live-Objekt erklären, wie der nächste Arbeitsschritt aussieht.

"Die Software bildet realitätsgetreu unser Netzgebiet virtuell ab. So lernen unsere Azubis in einer sicheren Umgebung beispielsweise, welche Handgriffe notwendig sind, um Trafos freizuschalten oder Kabelstrecken zu bedienen", erklärt Rohde.

Sicherheitsfallen aufzeigen

Zwar ersetze die VR-Technik nicht den klassischen Schaltlehrgang, aber "sie setzt neue Maßstäbe und sorgt für eine sichere, schnelle und effektive Vorbereitung auf den Arbeitsalltag ‘draußen’".

Sicherheit ist bei der Arbeit mit Strom beim Stadtwerk ohnehin das A und O. So komme es durchaus vor, dass die Auszubildenden aus Neugier bei der Simulation auch mal auf das Anziehen der virtuellen Spezial-Handschuhe, den sogenannten Schalthandschuhen, verzichten.

"Prompt färbt sich der Bildschirm in ein grelles Weiß und der Schriftzug ‘Hallo Nirvana’ erscheint. Solche Gags sind zwar amüsant, verdeutlichen den Azubis aber auch, warum wir außerhalb der Simulation keinerlei Toleranz für mangelnde Sicherheit haben", fügt Rohde hinzu.  

Aus Gaming bekannt

Auch das Feedback der Auszubildenden ist durchweg positiv: "Bislang bin ich mit VR – wenn überhaupt – nur im Bereich Gaming in Berührung gekommen. Dass wir VR jetzt auch in der Ausbildung nutzen, finde ich ziemlich spannend – und mehr Spaß als mit Lehrbüchern zu büffeln macht es sowieso", fasst Elia Schraff, frisch ausgelernter Elektroniker für Betriebstechnik, seine Erfahrungen zusammen. 

Die Software wird kontinuierlich aktualisiert. Kommt ein neuer Trafo oder eine neue Schaltstation hinzu, kann diese virtuell und absolut realitätsgetreu integriert werden. Dadurch sind die Auszubildenden stets auf dem neuesten Stand.

Wie es konkret aussieht, wenn Steven Rohde mithilfe von VR ausbildet, sehen Sie hier im Video.

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